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25.01.2011

15:37 Uhr

Brillenhersteller

Rodenstock ist gerettet

VonChristoph Kapalschinski

Nach einer monatelangen Zitterpartie ist der größte deutsche Brillenhersteller Rodenstock gerettet. Das hochverschuldete Unternehmen hat sich mit den Banken auf eine weitere Finanzierung geeinigt. Damit sei der Weg für eine nachhaltige Sanierung frei, hieß es.

Brille von Rodenstock: Das Bangen hat ein Ende. Quelle: dpa

Brille von Rodenstock: Das Bangen hat ein Ende.

MünchenWären alle Deutschen wie die Besucher der Berliner Fashion Week in der vergangenen Woche, der Brillenhersteller Rodenstock hätte kein Problem. „Eigentlich brauche ich ja keine Brille. Aber zu dieser Schau kann man einfach nicht ohne kommen“, sagte ein junger Besucher einer Hugo-Boss-Präsentation zu seiner Begleiterin. Der Durchschnittsdeutsche kauft hingegen eher selten Brillen aus rein modischen Gründen – und Rodenstock geht es schlecht.

So schlecht, dass der Münchener Hersteller von Gläsern und Fassungen inzwischen zu 49 Prozent den Gläubigerbanken gehört. Das teilte Rodenstock gestern mit. Den Rest hält der Finanzinvestor Bridgepoint, der schon seit 2007 im Unternehmen ist. Rodenstock soll nach Medienberichten mit etwa 300 Millionen Euro verschuldet sein. Das entspricht etwa der Höhe der Bankverbindlichkeiten Ende 2008, die im Bundesanzeiger veröffentlicht sind. Damals lagen zudem die Pensionsrückstellungen bei 163 Millionen Euro, der Jahresfehlbetrag bei 14,5 Millionen Euro. Der Umsatz betrug 2009 knapp 350 Millionen Euro.

Rodenstock will nun unter neuer Führung mit modischerem Design Menschen überzeugen, womöglich eine Zweitbrille zu kaufen. Schon heute fertigt Rodenstock etwa unter den Marken Porsche Design, Dunhill und Mercedes. Die übrigen Markenlizenzen stünden jetzt zur Disposition, heißt es im Unternehmen. Das könnte etwa die Sportmarke Uvex/Alpina, die kleine Edelmarke Baldessarini und die Marke Rock Star Baby des Bon-Jovi-Schlagzeugers Tico Torres treffen. Auch die Palette der Gläser, die Rodenstock an die Optiker liefert, soll bis Mitte Februar überprüft werden. Arbeitsplätze im größeren Umfang seien aber nicht in Gefahr, hieß es. Derzeit beschäftigt Rodenstock weltweit noch 4 000 Menschen.

Die Vereinbarung bedeute ein langfristiges Bekenntnis von Bridgepoint zu Rodenstock, sagte ein Sprecher des Investors in Frankfurt. Bridgepoint sei bereit gewesen, weiteres Geld nachzuschießen. Die Banken hätten aber lieber den Minderheitsanteil übernommen. Dafür stellen sie eine neue Kreditlinie von 40 Millionen Euro bereit.

„Rodenstock soll wieder das Maß aller Dinge werden. Und das muss hart erarbeitet werden“, sagte Aufsichtsratschef Peter Körfer-Schün der „Welt am Sonntag“. Er will den Außendienst stärken, um die Optiker von seinen Marken zu überzeugen. Im November 2010 kam Körfer-Schün vom Sanitärhersteller Grohe. Er kennt sich mit Marken aus, schließlich gilt Grohe inzwischen als der Edelausstatter unter den Armaturenherstellern. Zeitgleich war der neue Firmenchef Oliver Kastalio von Procter & Gamble, wo er die Strategie der Parfümmarken verantwortete, zu Rodenstock gewechselt.

Ein 100-Tage-Programm der beiden Markenspezialisten soll Rodenstock rasch aus der tiefen Krise führen – trotz der hohen Schuldenlast. „Nun können wir uns wieder voll auf das operative Geschäft konzentrieren und den Innovations- und Wachstumskurs mit aller Kraft fortsetzen“, sagte Kastalio gestern.

Die Krise verschärfte sich, nachdem im September 2010 der Einstieg des Finanzinvestors Trilantic, der mit Richemont-Chef Johann Rupert verbandelt ist, gescheitert war. Trilantic sollte frisches Geld und die umsatzstarken Markenlizenzen des Luxuskonzerns beisteuern. Rodenstock-Chef Olaf Göttgens verließ danach das Unternehmen.

Ein Großteil der aktuellen Verschuldung rührt aus der Übernahme der Anteile des Urenkels des Firmengründers, Randolf Rodenstock, durch Bridgepoint her. Wie unter Finanzinvestoren üblich, wälzte der Käufer einen Großteil des Kaufpreises auf das übernommene Unternehmen ab, das seither mit den hohen Lasten klarkommen muss. 2010 sah sich Rodenstock dennoch auf Wachstumskurs: Die Deutschen kauften endlich mehr Zweitbrillen.

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