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11.01.2012

22:59 Uhr

Britisches Infrastruktur-Projekt

Johnsons Traumflughafen an der Themse

VonMatthias Thibaut

Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson und Stararchitekt Norman Foster haben einen Traum: An der Themse-Mündung wollen sie den größten Flughafen der Welt errichten.

Heathrow fertig täglich bis zu 75.000 Passagiere mehr ab, als der Airport eigentlich verträgt. ap

Heathrow fertig täglich bis zu 75.000 Passagiere mehr ab, als der Airport eigentlich verträgt.

LondonDer Bau eines Mega-Airports ist Großbritanniens kühnstes Infrastrukturprojekt: vier Landebahnen, Platz für 150 Millionen Passagiere im Jahr und 50 Milliarden Pfund teuer wäre der Flughafen über Hochgeschwindigkeits-Strecken mit London, dem Norden des Landes und dem Kanaltunnel verbunden. Die Flugzeuge würden übers Meer statt über die dicht besiedelte Stadt fliegen und sich damit ein Nachtflugverbot erübrigen.

Der Plan wurde 2008 von Londons fahrradfahrendem Bürgermeister Johnson aufgebracht, der sich Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit der Metropole machte. Niemand nahm die Pläne ernst. Doch das hat sich geändert. Im Herbst kündigte Schatzkanzler George Osborne an, „Boris Island“, wie der Themse-Flughafen zunächst hieß, werde Teil einer Analyse der Londoner Flughafensituation.

Finanzieren will Johnson seinen Traum mit Hilfe von Staatsfonds und anderen Investoren, beispielsweise aus China und Brasilien. London Heathrow, mit 68 Millionen Passagieren im Jahr immer noch der drittwichtigste Flughafen der Welt, könne dann demontiert und an seiner Stelle eine neue Stadt gebaut werden. „Heathrow ist ein Planungsfehler der 1960er-Jahre“, sagt Johnson. Denn Heathrow hat zwar fünf Terminals, aber nur zwei Landebahnen. Der Bau einer dritten Piste mitten im dicht besiedelten Gebiet ist politisch nicht durchsetzbar.

2009 heuerte Johnson den Chefingenieur des Hongkonger Inselflughafens, Douglas Oakervee, für eine erste Machbarkeitsstudie an. Im November 2011 machte das Projekt einen weiteren Sprung: Das Architektenbüro Foster + Partners sowie die Planungsfirma Halcrow arbeiteten auf eigene Kosten einen Gesamtplan für ein „Thames Hub“ aus: Zum Flughafen kam noch eine neue Themse-Flutsperre, ein Gezeitenkraftwerk und die Nabe einer neuen Londoner Ring-Eisenbahn dazu. Während Johnson seinen Inselflughafen mitten in der Themsebucht ansiedeln wollte, rückt Foster ihn auf Kunstland bei der „Isle of Grain“ am Südrand der Themsemündung, einem von Seevögeln bevölkerten Gasumschlagplatz.

Schon jetzt sind die Londoner Flughäfen überlastet: Heathrow fertig täglich bis zu 75.000 Passagiere mehr ab, als der Airport eigentlich verträgt. Die Landebahnen in Heathrow und dem Zweitflughafen Gatwick werden zu 99 Prozent statt der üblichen 70 bis 75 Prozent genutzt. Planern zufolge steigen die Passagierzahlen von derzeit 140 Millionen bis 2050 auf 400 Millionen.

„Dieses Projekt würde die Lebensqualität Londons verbessern, Verschmutzung abbauen, die Sicherheit erhöhen und London erlauben, mit den rasch expandierenden Flughäfen in Europa und im Nahen Osten zu konkurrieren“, verspricht Foster.

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