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22.08.2011

11:43 Uhr

BSH und Henkel

Marktforschung mit Gratiswaschgang

VonJoachim Hofer

Bosch Siemens Hausgeräte und Henkel betreiben in München einen gemeinsamen Waschsalon. Wer ein Feedback zu den Maschinen abgibt, bekommt einen Gratiswaschgang.

huGO-BildID: 23035116 Besucher des «Wash and Coffee» sitzen am Dienstag (08.06.2010) in München (Oberbayern) in einem Waschsalon, der zugleich Café und Treffpunkt ist, bei einem Getränk zusammen, während ihre Wäsche in den Waschmaschinen sauber wird. Das Münchner «Wash and Coffee» ist ein Paradebeispiel für eine regelrechte Waschsalon-Kultur, die sich in Deutschlands Großstädten herausgebildet hat. Foto: Frank Leonhardt dpa/lby (Zu KORR: "Flirten zwischen Weichspüler und Kaffeemühle") +++(c) dpa - Bildfunk+++ dpa/picture alliance

huGO-BildID: 23035116 Besucher des «Wash and Coffee» sitzen am Dienstag (08.06.2010) in München (Oberbayern) in einem Waschsalon, der zugleich Café und Treffpunkt ist, bei einem Getränk zusammen, während ihre Wäsche in den Waschmaschinen sauber wird. Das Münchner «Wash and Coffee» ist ein Paradebeispiel für eine regelrechte Waschsalon-Kultur, die sich in Deutschlands Großstädten herausgebildet hat. Foto: Frank Leonhardt dpa/lby (Zu KORR: "Flirten zwischen Weichspüler und Kaffeemühle") +++(c) dpa - Bildfunk+++

MünchenDie junge Frau ist sichtlich erschöpft. „Meine Güte, sind die Taschen schwer.“ Sie lässt sie auf den Boden plumpsen und bestellt am Tresen erst einmal eine Limonade. Als sie den Durst gestillt hat, greift sie in eine der Taschen und beginnt, ihre schmutzigen Kleider in eine der Waschmaschinen zu stopfen.

So geht es den ganzen Tag bei „Wash & Coffee“ in der Münchener Klenzestraße 1. Im Gegensatz zu den üblichen Waschsalons kommen die Leute aber nicht nur hierher, um ihre Hosen, Pullover und Socken wieder sauber zu kriegen. Viele trinken auch noch einen Kaffee, holen sich eine Cola und bleiben für ein paar Minuten an den vielen Tischen sitzen, um Zeitung zu lesen oder sich zu unterhalten.

„Wash & Coffee“ ist nicht nur von seinem Angebot her außergewöhnlich. Bemerkenswert ist auch, wem der Laden in der Münchener Innenstadt, zwischen Marienplatz und Deutschem Museum gelegen, gehört: Eigentümer und Betreiber sind Bosch Siemens Hausgeräte (BSH), der größte Hersteller von Waschmaschinen, Kaffeeautomaten und Bügeleisen in Deutschland, und der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern Henkel.

„Hier lernen wir von den Kunden“, erklärt Sabina Schmitz das Ziel. Die BSH-Managerin steckt hinter dem Projekt, das vor anderthalb Jahren begonnen hat. Tag für Tag muss ein halbes Dutzend Besucher von „Wash & Coffee“ deshalb Fragebögen ausfüllen.

Die 45-Jährige will zum Beispiel wissen, was die Menschen an den Waschmaschinen stört. Es interessiert sie auch, ob sie mit dem Ergebnis – der frisch gewaschenen Wäsche – zufrieden sind. Im Gegenzug bekommen die Gäste dann einen Waschgang gratis.

Ganz in Weiß gehalten sieht „Wash & Coffee“ so gar nicht aus wie ein gewöhnlicher Waschsalon. Es gibt einen Tresen, Getränke und Snacks. Zwischen den vielen Trocknern und Waschmaschinen stehen Café-Tische und vor der Fensterfront gibt es bunte Stühle, auf denen sich gemütlich plauschen lässt. Jeder Gast wird individuell beraten, oft auf Englisch, weil viele Kunden auf der Durchreise sind und aus den umliegenden Hotels kommen.

Ungewohnt ist auch, wie Henkel sein Waschmittel inszeniert. Wie anderswo das Parfüm, werden hier die Persil- und Perwoll-Flaschen in langen Reihen angeboten. Das bunte Flüssigwaschmittel hängt in durchsichtigen Kugeln als Dekoration über den Maschinen.

Trotzdem sind die Preise moderat. Drei Euro neunzig kostet ein Waschgang, das Waschmittel inklusive. Bis zu 50 Kunden kommen am Tag, sagt Schmitz. „Damit trägt sich das laufende Geschäft selbst.“ Es sind Waschmaschinen und Trockner, wie es sie in jedem Elektronikmarkt gibt, die hier eingesetzt werden. Natürlich immer die neuesten Modelle, zum Beispiel mit automatischer Dosierung des Waschmittels.

Ob solche innovativen Ideen auch funktionieren, das erfahren die Entwickler des Gemeinschaftsunternehmens von Siemens und Bosch am besten hier. Die Ingenieure haben die Ergebnisse der Befragungen aus den letzten Monaten bereits für ihre jüngsten Geräte genutzt. So soll es jetzt einfacher sein, sich durch die verschiedenen Optionen auf dem Display der Waschmaschinen zu bewegen.

Die Einsichten aus dem Lifestyle-Waschsalon sind so hilfreich, dass BSH und Henkel demnächst in Amsterdam den zweiten Shop eröffnen werden. In der niederländischen Metropole hoffen sie, den Trends noch früher als in München auf die Spur zu kommen. Mitten in der City gelegen soll der neue Laden mit fünf Metern Raumhöhe und einem Glasdach obendrauf zumindest architektonisch noch attraktiver sein als das „Wash & Coffee“-Geschäft an der Isar.


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