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28.06.2015

16:43 Uhr

Budget-Car-Familie von VW

Volkswagen baut Billigauto in China

Ab 2018 will Volkswagen in China eine Reihe von Billigautos bauen. Die Wagen sollen nicht mehr als 11.000 Euro kosten. Ganz anders sieht die Strategie von VW-Chef Winterkorn für die USA aus.

Martin Winterkorn hat mit VW noch viel vor. Reuters

Volkswagen-Chef

Martin Winterkorn hat mit VW noch viel vor.

Berlin/FrankfurtVolkswagen baut nach langer Diskussion nun doch ein Billigauto. „Wir bringen ab 2018 eine Budget-Car-Familie auf den Markt, mit SUV, Stufen- und Schrägheck“, sagte Konzernchef Martin Winterkorn der „Bild am Sonntag“. Die Fahrzeuge sollten in China gebaut werden und etwa zwischen 8000 und 11.000 Euro kosten. China soll auch das erste Land sein, in dem das neue Auto verkauft wird. „Wir werden prüfen, ob das Thema auch für andere Märkte interessant sein könnte“, sagte Winterkorn.

VW überlegt schon seit Jahren, wie das Unternehmen den Einstieg in das Billigsegment schaffen kann. Ursprünglich hatten die Wolfsburger ein Auto anbieten wollen, das zwischen 6000 und 8000 Euro kostet. Ein solches Budget Car, also ein Auto für den kleineren Geldbeutel, gilt als eines der Schlüsselprojekte für die Zukunft des größten europäischen Autokonzerns, insbesondere in Asien, wo die Nachfrage nach kleinen und billigen Wagen besonders hoch ist.

Die Mängelliste des Volkswagen-Konzerns

Enormes Tempo

Volkswagen ist unter Konzernchef Martin Winterkorn rasant gewachsen. Seit der Schwabe 2007 das Steuer bei den Wolfsburgern übernahm, wurden der Sportwagenbauer Porsche, die beiden Lkw-Bauer MAN und Scania sowie der Motorradhersteller Ducati in das Imperium eingegliedert. Der Absatz des weltumspannenden Autokonzerns mit inzwischen zwölf Marken kletterte um zwei Drittel auf mehr als zehn Millionen Fahrzeuge. Der Umsatz stieg erstmals über 200 Milliarden Euro, für VW arbeiten nahezu 600.000 Menschen, fast doppelt so viele wie vor sieben Jahren. Bei dem enormen Tempo von VW haben sich allerdings auch zahlreiche Risse aufgetan.

Schwache Rendite

Die Ertragskraft der Wolfsburger Kernmarke VW schwächelt, weil bei ihr ein Großteil der hohen Entwicklungskosten anfallen, von denen andere Marken wie Seat und Skoda profitieren. Vom Umsatz blieben im ersten Quartal 2015 magere zwei Prozent beim Betriebsgewinn hängen. Die Marke mit dem VW-Logo ächzt unter einer zu großen Zahl an Ausstattungsvarianten und Fahrzeugmodellen. Dadurch muss VW gegen hohe Kosten anverdienen, kann seine Wagen jedoch als Massenhersteller nur zu erschwinglichen Preisen verkaufen.

Auch die anderen Pkw-Marken schöpfen nach Meinung von Experten die Möglichkeiten nicht aus, die ein Konzern von der Größe Volkswagens bietet. Zwar profitieren die Wolfsburger bei den Kosten immer mehr von der Baukastentechnik, auf der nun auch der neue Passat und der Familienwagen Touran basieren. Doch tanzt nach Wahrnehmung des Betriebsrats noch so manche Marke bei der Gleichteilestrategie aus der Reihe. Betriebsratschef Bernd Osterloh glaubt, dass VW wesentlich mehr als die angekündigten fünf Milliarden einsparen könnte, wenn sich alle an die Vorgaben hielten. Insidern zufolge will VW über alle Marken hinweg zehn Milliarden Euro sparen.

Maues US-Geschäft

Auf dem wichtigen US-Markt fristet VW ein Nischendasein - obwohl die Wolfsburger in Chattanooga ein neues Werk errichtet haben. Die Aufholjagd ist ins Stocken geraten, bevor sie richtig angefangen hat. Denn der extra auf den Geschmack der Amerikaner abgestimmte US-Passat verkauft sich nur schleppend, weil die Konkurrenz ihre Modelle schneller erneuert. Zudem hat VW im Land der Straßenkreuzer und Geländewagen keine entsprechenden Modelle im Angebot. Das rächt sich jetzt, da die Spritpreise niedrig sind. Die von Winterkorn angekündigten großen SUV kommen erst 2016/2017. Bis dahin könnte VW jenseits des Atlantiks vollends ins Abseits geraten, fürchten Experten.

Zu stark in China

Auf dem weltgrößten Automarkt kann VW dagegen seine ganze Stärke ausspielen. In der Volksrepublik sind die Wolfsburger mit fast 40 Prozent Marktführer. Die Stärke kann sich jedoch schnell in ein Risiko verwandeln. Denn der chinesische Markt wächst bei weitem nicht mehr so rasant wie noch vor einigen Jahren. In den ersten Monaten 2015 sanken die Absätze der Kernmarke VW sogar.

Südamerika

In Südamerika, wo die Wolfsburger einst der Konkurrenz davon fuhren, schrumpft der Absatz seit einiger Zeit dramatisch, weil sich der VW zu lange auf dem Erfolg der vergangenen Jahre ausgeruht hat. Piëch soll dies neben anderen Themen im Aufsichtsrat offen angeprangert haben.

Schwerfällige Lkw-Allianz

Die vom mittlerweile als AR-Chef abgetretenen Ferdinand Piëch geforderte Allianz der beiden Lkw-Töchter MAN und Scania kommt nur schleppend in Gang. Am Montag beschloss der Aufsichtsrat die lang erwartete Gründung einer Holding für die beiden Lkw-Marken. Piëch hatte seit Jahren einen eigenen Lkw-Konzern schaffen wollen, um VW auf Augenhöhe mit Konkurrenten wie Daimler und Volvo zu bringen. Für mehr Bewegung soll nun der von Daimler zu VW gewechselte Lkw-Boss Andreas Renschler sorgen.

Keine Billigautos

Seit Jahren versuchen die Wolfsburger vergeblich, im Billigsegment Fuß zu fassen. Die Hoffnungen, dies zusammen mit Suzuki zu schaffen, sind geplatzt, weil sich der japanische Kleinwagenspezialist von VW dominiert sah. Aus der angestrebten Partnerschaft wurde ein Rosenkrieg. Währenddessen machen andere wie der französische Konkurrent Renault mit seiner Billigtocher Dacia das Geschäft. VW hat Insidern zufolge zuletzt mit dem chinesischen Hersteller Great Wall über eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung günstiger Autos gesprochen.

In den USA, wo Volkswagen der Konkurrenz hinterherfährt, will Winterkorn ebenfalls angreifen - allerdings gerade nicht mit kleinen und billigen Fahrzeugen. „Wir starten jetzt eine große SUV-Offensive. (...) Mein Ziel ist klar: Wir machen VW in den USA genauso erfolgreich, wie es Audi und Porsche bereits sind.“ Die Marke Volkswagen hat in den Vereinigten Staaten eine lange und erfolgreiche Tradition. „Da will ich wieder hin“, gab sich Winterkorn kampfeslustig.

Die Wolfsburger, nach Toyota die Nummer zwei auf dem Weltmarkt, liefern sich mit den Japanern seit Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Marktführerschaft. Winterkorn will den Rivalen bis 2018 vom Thron stoßen. Wegen des Einbruchs der Automärkte in Brasilien und Russland könnte dies allerdings schwierig werden. „Es ist nicht entscheidend, ob wir Toyota etwas früher überholen können. Eines ist klar: Wir verharren nicht im Hier und Jetzt, wir befinden uns weiter im Angriffsmodus.“

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Aus dem Machtkampf mit VW-Patriarch Ferdinand Piech ist Winterkorn seiner Ansicht nach gestärkt herausgekommen. „Was mich am meisten gefreut hat, war der Vertrauensbeweis vom Aufsichtsrat, von der Mannschaft, den Mitarbeitern.“ Nun könne er bei VW weiter eine wichtige Rolle spielen: „Volkswagen muss sich verändern, daran werde ich entscheidend mitwirken.“ Piech war im Frühjahr demonstrativ auf Distanz zu Winterkorn gegangen, hatte sich aber gegen die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat und das Land Niedersachen, den zweitgrößten Aktionär von VW, nicht durchsetzen können und war als Aufsichtsratschef zurückgetreten.

Von

rtr

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