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24.10.2012

11:33 Uhr

Bündnis mit GM

Peugeot setzt auf Staatshilfe und Allianz

Die Finanztochter des Autobauers Peugeot bekommt Hilfe vom französischen Staat. Für die Emission von Anleihen gibt es Milliarden-Garantien. Mit der Opel-Mutter General Motors wird die Kooperation intensiviert.

Staatshilfe für Peugeot: Frankreichs Industrieminister Arnaud Montebourg (2. v. l.) steigt ein. AFP

Staatshilfe für Peugeot: Frankreichs Industrieminister Arnaud Montebourg (2. v. l.) steigt ein.

Paris/RüsselsheimDer angeschlagene französische Autobauer Peugeot bekommt Staatshilfen für seine Finanztochter PSA Finance. Frankreich werde mit bis zu sieben Milliarden Euro für die Emission von Anleihen garantieren, teilte der Konzern mit den Marken Peugeot und Citroën am Mittwoch in Paris mit.

Ein Bankenpool sei darüber hinaus gebeten worden, 11,5 Milliarden Euro an Liquidität zur Verfügung zu stellen. PSA wies darauf hin, dass die Bank, die unter anderem Autokäufe finanziert und das Leasing-Geschäft abwickelt, derzeit profitabel arbeitet. Allerdings hat sie durch die schwierige Lage des Konzerns Probleme bei der Refinanzierung.

PSA gab zugleich einen Umsatzrückgang im dritten Quartal um 3,9 Prozent auf 12,93 Milliarden Euro bekannt. Die Anleger haben am Mittwoch einen großen Bogen um die auf Staatshilfen angewiesenen Aktien von PSA gemacht. Die Titel stürzten in Paris in der Spitze um 8,1 Prozent auf 5,35 Euro ab. Damit erreichte die Aktie nach Reuters-Daten das Kursniveau vom Januar 1986. Allein seit Jahresbeginn haben die Titel rund 45 Prozent verloren.

Neben der Bereitstellung von Staatshilfe wurde bekannt, dass PSA und der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) ihre im Februar vereinbarte strategische Allianz konkretisierten. Die Konzerne teilten mit, sie hätten sich in ihren seit Februar laufenden Verhandlungen auf eine Zusammenarbeit bei vier Fahrzeugmodellen sowie im Einkauf verständigt. Die Rüsselsheimer Marke mit dem Blitz und der französische Konzern leiden besonders darunter, dass wegen der Schuldenkrise in Südeuropa kaum Neuwagen verkauft werden und schreiben rote Zahlen.

Allianzen der Autobauer

Daimler/ Chrysler

In der Vergangenheit hatte vor allem die Achterbahnfahrt von Daimler und Chrysler lange für Schlagzeilen gesorgt. 1998 gaben die Daimler-Benz AG und Chrysler Corporation die Fusion zur DaimlerChrysler AG bekannt. Der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp übernahm Chrysler für knapp 40 Milliarden Dollar. Doch das US-Unternehmen entpuppte sich als milliardenschwerer Sanierungsfall. 2007 wurde das Ende der Allianz besiegelt. Chrysler wird nun vom italienischen Autobauer Fiat kontrolliert.

BMW/ Rover

Auch BMW musste für die Übernahme der britischen Rover Lehrgeld zahlen. Der damalige Vorstandschef Bernd Pischetsrieder fädelte 1994 die Fusion ein. BMW zahlte zwei Milliarden DM und steckte erhebliche Summen in die Entwicklung neuer Modelle. Als diese sich nicht verkaufen ließen, stieg BMW 2000 wieder aus.

Renault/ Nissan

Segensreich für beide Partner war dagegen die Liaison des Renault-Konzerns mit dem japanischen Autobauer Nissan. 1999 wurde die französische Nummer zwei größter Anteilseigner bei Nissan und machte aus dem angeschlagenen Hersteller ein ertragreiches Unternehmen.

Renault-Nissan/ Daimler

Renault-Nissan verbündete sich 2010 zudem mit Daimler. Renault und Nissan halten 3,1 Prozent an Daimler und die Schwaben wiederum halten 3,1 Prozent an Renault und 3,1 Prozent an Nissan. Die zwei Seiten versorgen sich gegenseitig mit Antrieben und Antriebsteilen.

Volkswagen/ Porsche

Volkswagen konnte erst nach einem erbitterten Übernahme- Machtkampf mit Porsche das Rennen für sich entscheiden. Zwar ist eine geplante Fusion wegen milliardenschwerer Schadensersatzklagen geplatzt. VW will aber nun die Porsche AG - in der das Autogeschäft gebündelt ist - schrittweise übernehmen. Derzeit hält VW 49,9 Prozent Volkswagen baut sein Imperium mit Milliardeninvestitionen massiv aus.

Volkswagen/ Suzuki

Im Dezember 2009 beteiligte sich der VW-Konzern für 1,7 Milliarden Euro mit knapp 20 Prozent an Japans viertgrößtem Autobauer Suzuki. Mittlerweiler gibt es allerdings reichlich Ärger. Suzuki Motor will seine Kooperation mit Volkswagen nach Vorwürfen des gegenseitigen Vertragsbruchs beenden und den eigenen Anteil von rund 20 Prozent von VW zurückkaufen. Doch die Deutschen stellen sich quer. Im November haben die Japaner deswegen ein Schiedsgericht angerufen.

Insider hatten zuletzt spekuliert, GM könne die verlustreiche Tochter Opel durch die engere Verzahnung mit Peugeot abstoßen. In der Diskussion waren demnach mehrere Varianten, die von einem Verkauf an Peugeot bis zu einer Zusammenlegung in einer neuen Gesellschaft reichen. Beunruhigt von den Plänen forderte die europaweite Arbeitnehmervertretung von Opel/Vauxhall ein umgehendes Treffen mit dem Management, um über die Folgen der Kooperation für die Beschäftigten zu beraten. Die Arbeitnehmer dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, erklärte das Europäische Arbeitnehmerforum.

Kommentare (16)

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der_Mahner

24.10.2012, 09:47 Uhr

Hab ich da wieder was verpasst?

Direkte illegale Finanzierung von Firmen durch den Französischen Staat. Einzige Bedingung Arbeitsplatzgarantie. Die dt. Regierung schaut wieder alternativlos zu. Es wird keine 3 Monate dauern bis Italien nachzieht.
Das Problem der europ. Automobilkonzerne ist doch gerade die enorme Überkapazität in Europa. Anstatt hier die Kapazitäten zu reduzieren wird wieder aufs neue mit Steuergelder künstlich am Leben gehalten.Das weitere Problem ist das Frankreich nicht das Geld dafür hat. Also wird es indirekt über EZB,EFSF,ESM,Target dem dt. Michel aufs Auge gedrückt.

Man kann es eigentlich nicht mehr in Worte fassen.

Hans

24.10.2012, 10:12 Uhr

Frankreich verknüpft die die Staatshilfe mit der Forderung, die Kündigungen zurückzunehmen und das Werk in FR nicht zu schließen. Das Kapazitäten bei PSA abgebaut werden sollen, bestreitet aber keiner. Statt das FR Werk soll es jetzt ein Spaniesches Werk treffen, dass aber Wirtschaftlicher arbeitet.

Account gelöscht!

24.10.2012, 10:16 Uhr

Ist wohl inzwischen zum Pawlowschen Reflex geworden, jeden Cent den ein anderer Staat in seine Wirtschaft steckt, ein Jammertal um die "armen" Deutschen zu eröffnen.
Aber selbst die Energiewende oder einen neuen Flughafen nicht hinbekommen, und so den teuersten Strom in Europa zu produzieren.
Die Franzosen tun wenigstens etwas für ihre Arbeitsplätze, das befreit eine tragende Industrie nicht vom Wettbewerb, aber federt manches Soziale ab.
In Deutschland gibt es dafür Hartz4.
Ein bischen mehr differenzieren würde helfen, statt eine Jammerkultur zu pflegen.

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