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24.01.2017

09:00 Uhr

Busch-Gruppe

Großaktionär will mehr von Pfeiffer Vacuum

Die Busch-Gruppe ist bereits Großaktionär von Pfeiffer Vacuum. Jetzt will das badische Familienunternehmen seine Anteile an der TecDax-Firma erhöhen. Pfeiffer wird dabei mit fast einer Milliarde Euro bewertet.

Der Hersteller von Vakuumpumpen mit Sitz im hessischen Aßlar soll auch nach einer Übernahme weiter an der Frankfurter Börse notiert bleiben. Pfeiffer Vacuum

Pfeiffer Vacuum

Der Hersteller von Vakuumpumpen mit Sitz im hessischen Aßlar soll auch nach einer Übernahme weiter an der Frankfurter Börse notiert bleiben.

Maulburg/AßlarDer Vakuumpumpenhersteller Busch will seinen Anteil am börsennotierten Konkurrenten Pfeiffer Vacuum ausbauen und den Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten. Busch bietet den Pfeiffer-Anteilseignern 96,20 Euro je Aktie, wie die Firma am Dienstag mitteilte. Vordringliches Ziel sei aber nicht die Komplettübernahme des Vakuumpumpenherstellers, sagte Busch-Gesellschafter Sami Busch der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir wollen, dass beide Unternehmen selbstständig am Markt agieren und Pfeiffer börsennotiert bleibt.“

Die Offerte sei der Tatsache geschuldet, dass Busch bei Pfeiffer die 30-Prozent-Hürde überschreiten wolle und daher von Gesetz wegen zu einem Übernahmeangebot verpflichtet ist. „Wir haben keine Mindestannahmeschwelle gesetzt. Wir sind mit jeder Beteiligungshöhe zufrieden."

Fakten zu Busch Vakuumpumpen

Gründungsjahr

1963 im baden-württembergischen Schopfheim. Später Umzug nach Maulburg, nahe Lörrach.

Geschichte

Karl und Ayhan Busch führen die Firma gemeinsam. Das Ehepaar feiert mit dem ersten Produkt Erfolge als Lieferant für Verpackungsmaschinen. Das Wachstum der Firma wird dadurch begünstigt, dass im äußersten Südwesten mehrere Firmen der Branche und auch Kunden angesiedelt sind. Ingenieur Karl Busch entwickelt fortlaufend neue Vakuumpumpen und die Geräte kommen zunehmend in Anwendungen jenseits der Lebensmittelindustrie zum Einsatz. Schon früh entscheidet sich Busch für eine Expanion, gründet in den 1970er-Jahren eine Fertigung in der Schweiz und Großbritannien und eröffnet bereits sehr früh eine Vertretung in China.

Eigner und Führung

Die Firma gehört zu gleichen Teilen jeweils Karl Busch, seiner Frau Ayhan Busch, der Tochter Ayla Busch und den Söhnen Sami und Kaya Busch. Die Kreditaufnahme hat Karl Busch den Gesellschaften verboten. Wachstum finanziert das Unternehmen aus eigener Kraft.

Produkte

Den Grundstein für den Erfolg hat eine „Huckepack-Pumpe“ gelegt, die Karl Busch selbst entwickelt hat. Die R5-Pumpe entwickelte sich zum Kassenschlager und wurde weltweit 2,5 Millionen mal verkauft. Die Anwendungen der Pumpen sind vielfältig: Von der Nachbehandlung von Dampf in Kraftwerken über Hebevorrichtungen für Produktionsstraßen bis hin zur Beschichtung von Flachbildschirmen.

Geschäftsentwicklung

Nach eigenen Angaben setzte die Busch-Holding im Jahr 2013 knapp 400 Millionen Euro um und hat im Durchschnitt der 20 Jahre ab 1992 jedes Jahr durchschnittlich sieben Prozent zugelegt. Beim Umsatz spielt Busch in einer Liga mit Branchengrößen wie Edwards (kürzlich gekauft vom schwedischen Industriekonzern Atlas Copco) oder Pfeiffer Vacuum.

Beschäftigte und Standorte

Busch beschäftigt weltweit in 60 Tochterfirmen in 42 Ländern insgesamt 3000 Mitarbeiter.

Anleger spekulierten indes auf eine höhere Offerte. Die im TecDax gelisteten Aktien legten um über acht Prozent zu und notierten mit 101,45 Euro deutlich über dem Angebotspreis.

Das badische Familien-Unternehmen aus Maulburg mit seinen 3000 Beschäftigten hält bereits rund 27 Prozent an Pfeiffer. Zudem sicherte sich Busch weitere Anteile, so dass die Beteiligung an Pfeiffer bei Veröffentlichung der Angebotsunterlagen 29,98 Prozent betragen wird. „Wir sehen im Vakuum-Markt sehr gute Wachstumschancen“, sagte Busch. Mit dem Ausbau der Beteiligung wolle Busch davon noch stärker profitieren. Der Manager betonte: „Busch und Pfeiffer sind im eigentlichen Sinne keine Wettbewerber, da wir mit unseren jeweiligen Technologien unterschiedliche Zielgruppen bedienen.“

Busch Vakuumpumpen: „Wir machen aus Nichts Geld“

Busch Vakuumpumpen

exklusiv„Wir machen aus Nichts Geld“

Zu einer Zeit als deutsch-türkische Paare eine Seltenheit waren, heiraten Karl und Ayhan Busch. Gemeinsam formen sie einen Weltmarktführer im Maschinenbau – ohne Kredite und ohne „die Fesseln eines Tarifvertrags“.

Mit dem Angebot, das einen Aufschlag von zwölf Prozent auf den volumengewichteten Drei-Monats-Durchschnittskurs bedeutet, würde Pfeiffer mit 949 Millionen Euro bewertet. Ob das Pfeiffer-Management die Annahme der Offerte empfehlen wird, ist noch offen. Das Angebot sei völlig überraschend gekommen, sagte ein Sprecher. Daher gebe es derzeit noch keine Stellungnahme.

Pfeiffer hatte für 2016 deutliche Umsatz- und Ergebnissteigerungen angekündigt, nachdem der Konzern im Jahr zuvor nach dreijähriger Durststrecke zurück auf Wachstumskurs gekommen war. Bei einem Umsatz von 451,5 Millionen Euro verbuchte der Konzern ein Betriebsergebnis (Ebit) von 60,8 Millionen Euro. Die Firma beliefert neben der Halbleiter- und Solarindustrie unter anderem auch Hersteller von DVDs, mechanischen Werkzeugen und Brillengläsern. Die Busch-Gruppe beliefert dagegen die Lebensmittel- und Pharmaindustrie sowie die chemische und holzverarbeitende Industrie.

Von

rtr

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