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07.05.2011

17:21 Uhr

BVR-Präsident

"Der Wettbewerb wird stärker"

VonYasmin Osman, Hermann-Josef Knipper

Mit dem BVR-Präsidenten Uwe Fröhlich sprachen die Handelsblatt-Redakteure Hermann-Josef Knipper und Yasmin Osman über die Folgen der Reform der europäischen Einlagensicherung und die Staatshilfen für die Commerzbank.

Uwe Fröhlich hat der Commerzbank oft vorgeworfen, Staatshilfen für Kampfkonditionen zu nutzen. Quelle: dapd

Uwe Fröhlich hat der Commerzbank oft vorgeworfen, Staatshilfen für Kampfkonditionen zu nutzen.

Handelsblatt: Herr Fröhlich, wie stark spüren Sie den Wettbewerb?

Uwe Fröhlich: Er wird stärker, auch die Commerzbank kommt langsam wieder auf die Beine. All das sind Symptome für den Marktdruck, der insbesondere auf der Passiv-Seite der Bilanz weiter zunehmen wird.

Macht Sie das nicht nervös?

Weshalb? Es gelingt uns bislang sehr gut, unser Geschäft profitabel zu betreiben. Die Mitglieder und Kunden vertrauen uns und unserem Geschäftsmodell zu Recht. Wir finanzieren unser Kreditgeschäft über Einlagen und sind wenig von den Kapitalmärkten abhängig. Ich würde sagen, wir agieren proaktiv aus einer stabilen Verteidigungsposition heraus und sehen dem Wettbewerb selbstbewusst entgegen.

Apropos, Sie haben der Commerzbank oft vorgeworfen, Staatsgeld für Kampfkonditionen zu nutzen. Nun entledigt sich die Bank eines großen Teils ihrer Staatshilfen.

Auch die Volksbanken und Raiffeisenbanken haben ein Interesse daran, dass sich der Staat vollständig aus dem Institut zurückzieht. Aber warten wir ab, wie die großvolumige Kapitalerhöhung ausgeht. Es ist natürlich eine Wette auf die Zukunft der Bank. Einen nachhaltigen Beweis für ihren Markterfolg muss die Commerzbank erst noch liefern. Und wir werden als Wettbewerber selbstverständlich alles dafür tun, diesen Markterfolg sehr schwer zu machen.

Noch vor kurzem war die Tonlage da deutlich aggressiver.

Uns geht es um faire Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer. Allerdings war die Commerzbank trotz aller staatlichen Hilfe im Privatkundengeschäft ja nicht so furchtbar erfolgreich. Ihr Privatkundenbestand ist kaum gewachsen. In Deutschland sind große Sprünge im Privatkundengeschäft nur schwer möglich. Ich erwarte, dass der neue Privatkundenvorstand Martin Zielke den Bereich eher sanieren wird, als weiterhin Geschenke an Neukunden zu verteilen.

Arbeiten denn auch die Genossenschaftsbanken an ihren Kostenstrukturen?

Natürlich. Es gibt mittlerweile viele Bestrebungen bei den Ortsbanken, gemeinsame Servicegesellschaften zu bilden, in die insbesondere Arbeiten im Hintergrund ausgelagert werden. Unsere Rechenzentralen unterstützen das aktiv. Einen Big Bang sollten Sie aber nicht erwarten, solche Entwicklungen gehen bei uns seit jeher evolutionär vor sich. Die Banken vor Ort entscheiden selbst, was für sie am besten ist.

Auch die Regulierung schmälert die Ertragschancen. Was erwarten Sie von der Reform der europäischen Einlagensicherung?

Gemessen an den ursprünglichen Plänen der EU-Kommission ist die aktuelle Entwicklung für uns durchaus positiv. Es ist für unsere Kunden sehr vorteilhaft, wenn wir unser Konzept der Institutssicherung weitgehend beibehalten können. In Summe wird die EU-Einlagensicherung die Ertragslage der Bankenbranche natürlich beeinflussen.

Steigen die Beiträge für Ihre Einlagensicherung, wenn die Reform wie geplant kommt?

Fröhlich: Aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, dass wir die Beiträge für die Einlagensicherung nicht erhöhen müssen, um das nötige Fondsvolumen in den kommenden 15 Jahren anzusparen. Das System wird zwar deutlich teurer, weil wir ein größeres Fondsvolumen vorhalten müssen, doch das wird sich hoffentlich nicht in stark steigenden Beiträgen niederschlagen.


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