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09.06.2017

12:16 Uhr

Cannabis als Medizin

Deutschland sucht Hanf-Anbauer

VonMaike Telgheder

Zehntausende Deutsche könnten bald Cannabis als Medikament verschrieben bekommen. Für die Pharmabranche ist das ein lukrativer Markt. Doch um die Lizenz für den Anbau wollen sich zwei wichtige Anbieter nicht bewerben.

2021 und 2022 sollen in Deutschland im staatlichen Auftrag bereits jährlich 2000 Kilogramm Cannabis geerntet werden. Reuters

Cannabis-Anbau

2021 und 2022 sollen in Deutschland im staatlichen Auftrag bereits jährlich 2000 Kilogramm Cannabis geerntet werden.

FrankfurtDeutschland sucht Firmen, die Cannabis anbauen – aber zwei bedeutende Spieler auf dem Weltmarkt machen nicht mit: Der kanadische Hanfhersteller Tilray und die Naturarzneifirma Bionorica haben sich nicht an dem laufenden Verfahren der kürzlich gegründeten Cannabis-Agentur beteiligt.

„Wir haben uns entschieden, uns nicht auf die Ausschreibung zum Anbau von Medizinal-Cannabis in Deutschland zu bewerben“, sagt Marla Luther, Deutschlandchefin von Tilray, dem Handelsblatt. Das heiße aber nicht, dass man hierzulande nicht als führender Anbieter von Cannabis aktiv werden will. „Wir wollen unseren in Kanada angebauten Cannabis nach Deutschland importieren“, so die Managerin.

Seit Anfang März kann Cannabis als Medizin für schwerkranke Menschen in bestimmten Fällen von den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland erstattet werden. Hatten davor nur rund 1000 Menschen eine Ausnahmeerlaubnis, Cannabis zu medizinischen Zwecken zu kaufen, dürften künftig ein paar zehntausend Patienten Hanf und Hanfprodukte als Medizin verschrieben bekommen, so Schätzungen aus der Branche.

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Damit ist Deutschland zu einem interessanten Markt für Cannabisanbieter aus aller Welt geworden. Zumal Hanf für den medizinischen Einsatz künftig erstmals auch in Deutschland angebaut werden soll, um den Bedarf zu decken. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat deshalb eine Cannabis-Agentur eingerichtet, die ein Ausschreibungsverfahren in Gang gesetzt hat, um Aufträge zum Anbau zu erteilen. Das Bundesinstitut wird das Cannabis nach der Ernte in Besitz nehmen, die Abgabe läuft über Apotheken. Aber bis der Medizinalhanf aus deutschem Anbau auf den Markt kommt, wird es noch dauern: Mit der ersten Ernte wird 2019 gerechnet.

Bisher wurde das in Deutschland verkaufte Cannabis vor allem von der niederländischen Firma Bedrogran importiert. Die entsprechende Erlaubnis vergibt die Bundesopiumstelle. Mit steigendem Bedarf wird der Import aus anderen Ländern nach Deutschland steigen. Vorne dabei ist Kanada. Seit in dem Land Cannabis für den medizinischen Gebrauch legalisiert wurde, ist dort eine ganz neue Branche entstanden, die nach Deutschland expandieren will.

So auch Tilray. Das private Unternehmen mit rund 150 Mitarbeitern hat seit Jahren Erfahrung mit dem Anbau von Cannabis gesammelt. „Wir liefern seit 2014 an über 20.000 Patienten weltweit und haben 30 Millionen Dollar in unseren Produktionsprozess investiert, der bis zur Trocknung der Blüten europäische Standards deutlich übertrifft“, sagt Deutschland-Chefin Luther. In einen weiteren Anbau in Deutschland zu investieren, bringe das Unternehmen nicht voran. Deshalb hat sich Tilray gegen die Teilnahme an der Ausschreibung in Deutschland entschieden.

Was Tilray in Deutschland allerdings sehr wohl voranbringen kann, ist das große Wissen über sogenannte Phytopharmaka, also Arzneimittel pflanzlichen Ursprungs, das es hier bei Forschungseinrichtungen und bei vielen spezialisierten Herstellern gebe, so die Managerin. Deswegen will das Unternehmen über Kooperationen mit Universitäten die Forschung zu Cannabis vorantreiben und über Kooperationen mit Anbietern eines Tages Cannabis-Fertigarzneimittel entwickeln. „Konkrete Gespräche gibt es dazu aber noch nicht“, sagt Luther.

Kommentare (3)

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Herr Max Nolte

09.06.2017, 12:27 Uhr

zahlt sowas eigentlich die Krankenkasse? Wenn nicht würde ich als Kranker auf Apothekenpreise verzichten, die Straße blüht...die sollen das Zeug legalisieren und viele Kosten, Personal und Zeit können gespart bzw. eingenommen werden...

Herr Simon Schmitt

09.06.2017, 14:35 Uhr

Die gesamte Cannabis Debatte wird seit Jahren auf dem Rücken der Gesellschaft ausgetragen. Patienten wird seit Jahren der Zugang zu Cannabis massiv erschwert, stattdessen müssen sie auf Pharmaprodukte mit teils heftigen Nebenwirkungen zurückgreifen.
Auch Gelegenheitsraucher werden strafrechtlich belangt, obwohl die Polizei sicherlich dringlicheren Problemen nachgehen könnte. Stattdessen werden Steuergelder genutzt um den Kampf gegen die "Drogen" fortzusetzen, anstatt den Verkauf von Cannabis zu regulieren und Steuern einzunehmen,
Der Staat sollte den Bürgen mehr Freiheiten gewähren, damit diese selbst über ihr Leben und ihre Gesundheit entscheiden können, solange die Handlungen keiner Dritten Person schaden.

Rainer von Horn

09.06.2017, 14:55 Uhr

Vielleicht lässt sich ja Cem Özdemir noch umschulen und gleichzeitig sein Balkon erweitern?

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/hanf-pflanze-im-video-staatsanwaltschaft-ermittelt-gegen-oezdemir-a-1013543.html


:)

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