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29.01.2009

07:10 Uhr

Car-Symposium Bochum

Audi-Chef: „Grottenschlechter Januar“

VonTino Andresen

Die Autoindustrie hat sich bei ihrem Branchentreffen in Bochum vor allem mit der Frage beschäftigt, wie lange die Krise noch anhält. Während Frank Stronach, Gründer und Chairman von Magna International, auf schnelle Besserung dank des neuen US-Präsidenten Barack Obama hofft, äußerte sich Audi-Chef Rupert Stadler skeptischer: „Der Januar ist grottenschlecht.“

Audi-Chef Rupert Stadler sprach von einem "grottenschlechten" Januar für den Auto-Konzern. Foto: dpa dpa

Audi-Chef Rupert Stadler sprach von einem "grottenschlechten" Januar für den Auto-Konzern. Foto: dpa

BOCHUM. Es ist kein eindeutiges Bild, das die Autoindustrie bei ihrem Branchentreffen in Bochum am Mittwoch bietet. Vor dem Ruhr Congress fällt der Blick auf einen blauen Ford Fiesta. Auf der Tür prangt ein weißer Aufkleber: "3,7 l/100 km, 98 g CO2/km". Weist das in die Zukunft? Die Wagen, die innen das Podium einrahmen, wirken eher wie von gestern: ein kraftstrotzender Audi R8 und ein aufgemotzter Ford Focus RS.

Eindeutig ist aber die Forderung von Fords Europa-Chef John Fleming an die Politik. Er verlangt auf EU-Ebene "eine koordinierte Antwort" auf die Krisenfolgen für die Autoindustrie. "Wir brauchen mehr Industriepolitik." Fords Europachef betont: "Wenn die Autoindustrie Westeuropa einmal verlässt, kommt sie nie wieder." Im Vergleich zu nationalen Hilfsprogrammen - Fleming lobt hier die Initiativen in Deutschland und Frankreich - kritisiert er Brüssels Passivität. Unterstützung etwa durch die europäische Investmentbank bezeichnete er als "lediglich bescheidenen Start".

Der Manager warnte vor für die Autoindustrie schädlichem "zunehmendem Protektionismus und Nationalismus". So sei es unfair, dass Südkorea seinen Markt für europäische Autos nicht öffne, umgekehrt aber nach Europa exportiere. Trotz aller staatlicher Unterstützung, die Fleming einfordert, macht er sich aber keine Illusionen: "Am Ende muss die Industrie die Überkapazitäten beseitigen."

Und die sind gewaltig. Auf 16 Mio. Pkw schätzt Automobilwissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen, der Veranstalter des Bochumer Car-Symposiums, das Überangebot allein für das Jahr 2009 - bei einem von ihm prognostizierten weltweiten Verkauf von knapp 50 Mio. Wagen, das wäre unter dem Absatz des Jahres 2003. Reduzieren ließen sie sich seiner Ansicht nach beispielsweise, indem Bürgschaften an eine Vereinbarung zur Kapazitätsreduzierung gebunden würden. Allein in Deutschland gehen in den kommenden fünf, sechs Jahren 100 000 Arbeitsplätze verloren, so seine Erwartung.

Mit einer Erholung der Autoindustrie rechnet er nicht so schnell. "Die Branche durchläuft ihre schwerste Krise seit dem zweiten Weltkrieg. Die Talfahrt wird aus heutiger Sicht bis ins erste Halbjahr 2010 anhalten."

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