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26.04.2013

08:46 Uhr

Carbonfaser-Hersteller

SGL startet mit Gewinneinbruch ins Jahr

Pannenserie bei Boeings Dreamliner, schleppende Windrad-Produktion: Der Carbonfaser-Hersteller SGL hat ein schwaches erstes Quartal hingelegt. Für das ganze Jahr erwartet der Konzernchef jetzt mit stagnierenden Erlösen.

Der Eingang des SGL Carbon-Werks  in Meitingen (Schwaben). dpa

Der Eingang des SGL Carbon-Werks in Meitingen (Schwaben).

FrankfurtDas Debakel um den Boeing-Prestigeflieger Dreamliner und die maue Nachfrage aus der Windenenergie-Branche haben SGL Carbon den Jahresauftakt verhagelt. Das Betriebsergebnis (Ebitda) sei im ersten Quartal 2013 um 35 Prozent auf 34,1 Millionen Euro eingebrochen, teilte der Grafit-Spezialist am Freitag mit.

Die Pannenserie beim SGL-Kunden Boeing mit dem neuen Langstreckenjet Dreamliner drückte auf die Geschäfte. Der US-Konzern kämpfte mit Batterieproblemen und drosselte Produktionsmengen bei einer Modellvariante zugunsten einer anderen. Zudem schlug die schleppende Nachfrage nach Windrädern zu Buche. SGL stellt in dem Segment unter anderem Rotorblätter aus Carbonfasern für Windenergieanlagen her.

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Überraschend ist die Talfahrt im Startquartal 2013 nicht: SGL hatte vorige Woche seine ohnehin trübe Jahresprognose unter Verweis auf die schlechte Lage bei wichtigen Abnehmern kassiert. Der Konzern, der unter anderem Grafitelektroden für Stahlhochöfen und Kathoden für die Aluminiumschmelze herstellt, rechnet nun dieses Jahr mit einem 20- bis 25-prozentigen Einbruch des Ebitdas. 2012 standen hier vor Wertberichtigungen 240 Millionen Euro zu Buche. Noch Mitte März hatte Konzernchef Robert Koehler für 2013 von einem erwarteten Rückgang von zehn bis 15 Prozent gesprochen.

Chemieindustrie in Deutschland

Überraschend guter Jahresschluss

Das Schlussquartal 2012 ist für die deutsche Chemieindustrie überraschend gut ausgefallen. Produktion, Preise wie auch Branchenumsatz haben gegenüber dem Vorquartal zugelegt. Im Gesamtjahr war die Produktion allerdings rückläufig (-3,1 Prozent), damit verpasste die drittgrößte Industriebranche Deutschlands den zunächst erwarteten Rekordumsatz von 186,6 Milliarden Euro (+1,3 Prozent). Die Beschäftigtenzahl stieg um 2 Prozent auf 437 000.

Optimistischer Ausblick

Der Branchenverband VCI erwartet 2013 ein Umsatzplus von etwa 2 Prozent auf 190 Milliarden Euro. Die Produktion werde um 1,5 Prozent steigen, die Preise würden um 0,5 Prozent anziehen. Der VCI geht davon aus, dass sich „die Auftriebskräfte weiter durchsetzen“. Vor allem werde eine große Nachfrage außerhalb Europas erwartet, aber auch das Inlandsgeschäft stimme bislang zuversichtlich.

Sorgenvoller Blick nach Brüssel

Mit Sorgen blickt die Chemiebranche nach Brüssel, wo die EU-Kommission die deutschen Strompreisbefreiungen für die Großindustrie unter die Lupe nehmen will. Obwohl nur 60 der über 1600 Chemieunternehmen von den EEG-Entgelten befreit seien, drohten empfindliche Mehrbelastungen und Verzerrungen im internationalen Wettbewerb, warnt der VCI. Die Belastungen der Chemie-Industrie würden von jetzt 800 Millionen Euro auf rund 2,1 Milliarden Euro steigen. Derzeit könne man die Entwicklung nur abwarten.

Zukunft Spezialchemie

Die Zukunft der Chemieindustrie in Deutschland sieht der VCI in einer weiteren forschungsintensiven Spezialisierung. Laut einer Studie des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des VCI wird der Anteil der Spezialchemie bis ins Jahr 2030 von jetzt 43,3 auf 46,6 Prozent der Produktion ansteigen. Dafür sei eine jährliche Aufstockung des Forschungsbudgets um vier Prozent notwendig. Deutschland werde zwar nicht mit dem globalen Chemiewachstum mithalten können, aber weiterhin ein wichtiger Anbieter nach China, USA, Japan und Indien bleiben.

Auch die Umsatzentwicklung bewertet der Vorstand vorsichtiger: In diesem Jahr werde nun mit stagnierenden Erlösen gerechnet. Vor sechs Wochen war noch ein leichtes Plus erwartet worden. In den ersten drei Monaten stieg der Umsatz um neun Prozent auf 414 Millionen Euro. SGL erzielte 2012 mit 6700 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro.

Von

rtr

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