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05.06.2012

19:03 Uhr

„Cars21“-Bericht

Mehr Flexibilität für Autobauer bei Klimazielen

Sind Europas Autobauer auch auf lange Sicht noch wettbewerbsfähig? Die Frage stellt sich nicht nur die Industrie - auch die Politik. Es geht ums Überleben der wichtigsten Industriebranche. Und damit auch um die Umwelt.

Ladestecker eines Elektroautos: Der „Cars21“-Bericht wirbt für mehr Flexibilität. dpa

Ladestecker eines Elektroautos: Der „Cars21“-Bericht wirbt für mehr Flexibilität.

BrüsselBei der Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen von Autos bis 2020 und in den Jahren danach soll die europäische Autoindustrie mehr Flexibilität bekommen. Dies empfiehlt ein 84-seitiger Bericht der „Cars21“-Gruppe, in der Spitzenvertreter der Industrie, der Regierungen, der EU-Kommission und der Gewerkschaften vertreten sind.

In dem Bericht, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt und der an diesem Mittwoch von EU-Kommissar Antonio Tajani vorgestellt wird, bekennen sich Autohersteller und Politiker zu der vorgesehenen deutlichen Verringerung des CO2-Schadstoffausstoßes bis 2020. Diese Verringerung sei technisch „machbar“ und niedriger als in früheren Schätzungen.

Antriebsarten und ihre Abgaswerte

Motoren im Vergleich

Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.

Benzinmotoren

Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.

Dieselmotoren

Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.

Erdgas- und Autogasantriebe (CNG und LPG)

Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.

Hybrid- und Elektroantriebe

Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.

Aktuelle Luftdaten
Übersicht: Deutsche Umweltzonen
Studie zu Umweltzonen
Kurzinfo zu Umweltzonen
Hintergrundpapier zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Stickstoffoxiden

Der CO2-Ausstoß von Personenwagen muss bis 2015 auf 130 Gramm pro Kilometer und bis 2020 auf 95 Gramm gesenkt werden. Die EU-Kommission will noch in diesem Jahr überprüfen, ob die Ziele unverändert bleiben.

In dem Bericht heißt es, bei der Überprüfung der Einhaltung der Zielwerte sollte „Flexibilität“ möglich sein, „um eine kostengünstige Umsetzung der Ziele zu erreichen, ohne tatsächlich die (Klima-)Ziele aufzuweichen“. Bei den Zielen für 2020 sollten nicht nur die Auspuffwerte, sondern auch andere Maßnahmen berücksichtigt werden. Bei diesen „Eco-Innovation“ handelt es sich beispielsweise um energiesparende Leuchten, wärmesparende Glasdächer oder die Nutzung von Energie aus Abwärme.

Automarkt: Erneut mehr Neuzulassungen

Automarkt

Erneut mehr Neuzulassungen

Der deutsche Automarkt hat im vergangenen Monat erneut zugelegt. Im April wurden 274.000 Pkw neu zugelassen, drei Prozent mehr als vor Jahresfrist, wie die Branchenverbände VDA und VDIK am Donnerstag mitteilten.

Zudem wird betont, die Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen könne nur mit „einem umfassenden und integrierten Herangehen“ gelingen. Dazu gehöre die Nutzung neuer Energien ebenso wie die Art und Weise, in der Autos benutzt werden. Umweltbewusstes Autofahren sei ebenso wichtig wie eine Verbesserung der Straßen-Infrastruktur.

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