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29.11.2012

14:57 Uhr

Carsharing & Co.

Wie Daimler an der Mobilität der Zukunft feilt

Daimler gilt unter der Autoherstellern als Pionier der alternativen Mobilität. Mit mehreren Beteiligungen haben die Stuttgarter neue Geschäftsfelder erschlossen. Nun wollen sie expandieren.

Die Nutzer von Moovel können über die App nach Mitfahrern suchen.

Die Nutzer von Moovel können über die App nach Mitfahrern suchen.

DüsseldorfDaimlers Zukunft beginnt mit einem alten Anliegen: „Ich möchte jetzt von hier nach Hause“. So werden die Nutzer von „Moovel“ begrüßt – einer Plattform, mit der Daimler die Mobilität auf dem Mobiltelefon vereinfachen will. Wenige Klicks reichen, damit die App errechnet, wie man besonders schnell und günstig von A nach B kommt. Neu ist, dass wirklich alle Möglichkeiten berücksichtigt werden: Neben Bus und Bahn, auch die Angebote einer Mitfahrzentrale, eines Carsharing-Anbieters und von Taxiunternehmen. Mehr noch: Über „Moovel“ können Nutzer auch ihre eigenen Fahrten eintragen und so Mitfahrer suchen.

Die App, die bisher nur in Berlin und Stuttgart verfügbar ist, ermöglicht einen Blick in die Zukunft der Mobilität, wie Daimler sie sich vorstellt. Weil immer mehr junge Deutsche auf ein eigenes Auto verzichten, erweitert der Hersteller sein Angebot, um auch die urbane Kundschaft zu erreichen. Mit ihren Beteiligungen an Taxivermittlern und Mitfahrzentralen haben die Stuttgarter ihr Mobilitätsangebot ausgebaut. Zentraler Bestandteil soll das konzerneigene Carsharing „Car2go“ werden.

FAQ Carsharing

Was ist Carsharing?

Carsharing bedeutet: Auto teilen. Das können Freunde, Familien und Nachbarn untereinander organisieren. In den meisten Städten und Regionen gibt es aber auch Firmen und Vereine, die diesen Dienst anbieten - zum Beispiel die Initiative nachbarschaftsauto.de. Wer dort Mitglied ist, kann sich quasi bei einem "Nachbarn" aus seinem Viertel stunden-, tage- oder wochenweise Autos ausleihen. Klassische Anbieter haben meist über das Stadtgebiet verteilt feste Stationen für die Autos. Eine Reihe neuer Anbieter hingegen erlaubt, die Autos überall in einem fest definierten Gebiet zu parken. Die meisten Anbieter haben Kleinwagen, Kombis und Lieferwagen, manchmal sogar Cabrios im Programm.

Für wen lohnt sich Carsharing?

Carsharing lohnt sich vor allem für Menschen, die in Städten wohnen und das Auto nicht täglich benötigen. Wer weniger als 7500 Kilometer im Jahr fährt, kann laut Stiftung Warentest mehr als tausend Euro sparen, wenn er auf den eigenen Wagen verzichtet. Denn schon die Fixkosten für einen eigenen Kleinwagen - neben der Anschaffung sind das Steuer, Versicherung, Reparaturen, Inspektionen und Pflege - können im Monat mehrere hundert Euro betragen. Diese fallen auch an, wenn der Wagen steht.

Wie komme ich an mein Auto?

Das Auto an einer Carsharing-Station buchen Nutzer per Internet, Telefon oder Smartphone - meist geht das rund um die Uhr. Die Autos lassen sich oft mit einer Chipkarte öffnen, manchmal sind die Autoschlüssel auch in einem Tresor an der Mietstation deponiert. Abgerechnet wird oft über die Chipkarte, teils minutengenau. Bei den flexiblen Systemen ist eine langfristige Buchung nicht möglich: Die Nutzer suchen per Internetseite oder Smartphone das nächste Auto, öffnen es per Chipkarte und fahren los. Meist lässt sich das Auto für eine Viertelstunde blockieren, bis der Nutzer es gefunden hat.

Worauf sollte ich bei Carsharing achten?

Um wirklich mobil zu sein, sollte die Buchungszentrale rund um die Uhr erreichbar sein. Wichtig ist zudem die Zahl der Standorte. Wer ein Auto ausleiht, sollte es auf Schäden untersuchen - diese müssen ins Bordbuch eingetragen sein. Wer sich mit Freunden, Bekannten oder Nachbarn ein Auto teilen möchte, kann sich Musterverträge unter anderem beim Verkehrsclub Deutschland besorgen.

Wie viel kostet das Autoteilen?

Die Tarifstrukturen der Anbieter sind unterschiedlich und daher schwer vergleichbar. Meist fällt eine Aufnahmegebühr an, teils ist eine Kaution fällig. Einige Anbieter haben monatliche Grundgebühren. Für das Ausleihen eines Autos fallen Zeit- und Entfernungspauschalen an, meist eine Gebühr pro Stunde, Tag oder Woche sowie ein Beitrag pro gefahrenem Kilometer. Manchmal sind Wochenenden günstiger, in anderen Fällen besonders teuer. Manche Anbieter unterscheiden auch nach Tageszeit. Bei den neuen flexiblen Anbietern zahlen Kunden meist pro Minute, unabhängig von den gefahrenen Kilometern.

Was ist mit Tanken, Pannen, Autoreparaturen und Versicherungen?

All das muss der Carsharing-Nutzer im Allgemeinen nicht beachten. Sind Inspektionen oder TÜV fällig, kümmert sich der Carsharing-Anbieter darum. Das gleiche gilt fürs Tanken. Sollte der Tank einmal leer sein, ist Tanken über eine Tankkarte bargeldlos möglich. Bei einer Panne mit einem ausgeliehenen Auto ist das Vorgehen je nach Anbieter unterschiedlich. Oft jedoch wird ein Ersatzauto gestellt. Die Autos sind in der Regel vollkaskoversichert. Bei einigen Anbietern muss ein Versicherungsschutz zusätzlich gebucht werden.

Das Prinzip von „Car2go“ ist schnell erklärt: Nutzer können in einem festgelegten Geschäftsgebiet mithilfe einer Kundenkarte jederzeit ein Fahrzeug anmieten. Abgerechnet wird pro Minute. Für Städte und Autohersteller ist das Carsharing gleichermaßen ein Gewinn: Die Kommunen wollen so die angespannte Verkehrs- und Parkplatzsituation entschärfen, die Autohersteller hoffen, auch die wenig autoaffine, urbane Kundschaft für sich zu gewinnen. Daimler gilt als Pionier der Branche. Seit der Gründung im Jahr 2009 hat „Car2go“ einen rasanten Wachstumskurs hingelegt. Seit Jahresbeginn hat sich die Zahl der Kunden auf 250.000 nahezu vervierfacht.

Seit einigen Wochen ist das Carsharing der Finanzsparte unterstellt. Perspektivisch sollen alle alternativen Mobilitätskonzepte zentral abgerechnet werden. In den nächsten Jahren wollen die Stuttgarter in diesem Bereich weiter expandieren. Weltweit rechnet Daimler allein im Carsharing mit einem Marktpotential von einer Milliarde Euro, in den Umsatz soll der Geschäftsbereich mit 100 Millionen Euro einfließen. Dafür soll „Car2go“ bis 2015 in 50 Städten weltweit angeboten werden. Nach Berlin, Toronto und 13 weiteren Städten ist Carsharing seit Donnerstag auch in Daimlers Heimatstadt Stuttgart angekommen. 300 Elektro-Smarts rollen ab sofort durch die Straßen der baden-württembergischen Landeshauptstadt.

Auch im Bereich Mitfahrzentrale hat Daimler mehrere Millionen Euro investiert. Nach dem Adhoc-Mitfahrsystem „Car2gether“ in Ulm und Aachen wurde das Angebot durch eine Beteiligung an Carpooling.com ausgebaut. Der Anbieter betreibt in Deutschland die Plattform Mitfahrgelegenheit.de. Mit rund vier Millionen registrierten Nutzern gilt das Unternehmen als weltweiter Marktführer für die Vermittlung von Fahrgemeinschaften.

Mit zehn Millionen Euro hat sich Daimler auch in das Geschäft der Taxi-Plattform Mytaxi.de eingekauft. Seit einigen Wochen ist das Taxiangebot auch in die App von „Car2go“ integriert. Über ein Provisionssystem verdient der Autohersteller damit auch, wenn die Nutzer das Carsharing-Angebot nicht nutzen und sich stattdessen ein Taxi rufen.

Von

bay

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