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03.04.2012

11:16 Uhr

Cassidian

EADS und die Probleme mit der Rüstungssparte

VonMarkus Fasse

Die Rüstungstochter des Airbus-Mutterkonzerns EADS tut sich schwer, neue Märkte zu erobern. Jetzt soll das Unternehmen umgekrempelt werden.

Drohne EuroHawk der Bundeswehr. EADS Cassidian

Drohne EuroHawk der Bundeswehr.

MünchenStefan Zoller macht aus dem Zustand seiner Firma keinen Hehl. „Wir stellen das Unternehmen gerade auf den Kopf“, sagt der Chef von EADS Cassidian, dem größten Rüstungshersteller Deutschlands. Von seinen weltweit 28 000 Stellen streicht das Unternehmen gerade 600 Posten, 370 Millionen Euro sollen bis 2013 eingespart werden. Das ist aber nicht das Ende: Nach Verwaltung, dem Einkauf und dem Vertrieb sollen jetzt die Entwicklungsabteilungen unter die Lupe genommen werden. Einsparziel: Noch unbekannt.

Cassidian, nach dem Flugzeugbauer Airbus die zweitgrößte Sparte der EADS, bläst der Wind frontal ins Gesicht. Sorgten bis vor kurzem noch die europäischen Regierungen mit üppigen Beschaffungsbudgets für Kampflugzeuge (Eurofighter), Sicherheitstechnik (Bosnet) und Wartungsverträgen (Tornado) für ein profitables Geschäft, so sind diese Zeiten seit der Euro-Schuldenkrise endgültig vorbei. Denn neben der Beschaffung sparen die Regierungen auch an den Entwicklungskosten: Erstmals muss Cassidian Vorleistungen für neue Radartechnik oder die Entwicklung unbemannter Flugzeuge selbst übernehmen.

Die Auswirkungen sind deutlich: Mit 5,8 Milliarden Euro bleibt der Umsatz zwar stabil, doch die Umsatzrendite der einstigen Gewinnmaschine Cassidian sinkt von 7,7 auf 5,7 Prozent. Abfindungsprogramme und vor allem stark erhöhte Forschungsaufwendungen belasten die EADS-Tochter. Auch der Auftragseingang ging 2011 zurück: Mit 4,1 Milliarden Euro hat Cassidian das schwächste Neugeschäft seit fünf Jahren zu verzeichnen. Immerhin: 2012 sollen sowohl die Neuaufträge als auch der Betriebsgewinn wieder zulegen.

Das ist auch notwendig, denn die Entwicklungskosten bleiben hoch. Nach wie vor fehlen Finanzzusagen für die Entwicklung des „Talarion“, eines unbemannten Höhenaufklärers, der ab 2016 fliegen könnte. Mehr als eine halbe Milliarde Euro hat Cassidian bislang in das Drohnengeschäft gesteckt, doch weder Berlin noch Paris oder Madrid geben grünes Licht für die geschätzten drei Milliarden Euro für Entwicklung und Beschaffung. Schlimmer noch: Briten (Bae Systems) und Franzosen (Dassault) arbeiten an einem Konkurrenzprojekt. „Am Ende wird es nur ein System geben“, sagt Zoller. Cassidian hofft, mit seinen hohen Vorleistungen die Führung übernehmen zu können.

Kommentare (1)

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Hans

09.04.2012, 09:43 Uhr

Die Luftwaffe hat von 185 Tornados 100 still gelegt. Dazu noch eine Menge Transalls. Die Ausgaben für die EF Beschaffung sinken ab 2013 um ganze 80% von 1,2 Mrd auf 242 Mio!!! Talarion UAV hat man schon auf Eis gelegt, aus dem zu teuren Euro Hawk wird die Bw auch schnell aussteigen. Im Export Geschäft hat Cassidian gegen die US, FR, GB Konkurrenz keine Chance.
In der Talarion UAV will Cassidian Millionen eigene Gelder rein gesteckt haben. Bloß am Bau eines Prototypen wurde nicht einmal begonnen. Ist hier ein Ziel, alles alles mögliche zu aktivieren, damit der Gewinn höher ausfällt?
Wenn da keine Großaufträge mehr von der Bundeswehr kommen, wird der Umsatz locker um mehr als 2 Mrd sinken. Von Gewinnen braucht man bei Cassidian eher nicht mehr träumen, wenigstens von echten Gewinnen.

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