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26.04.2013

20:15 Uhr

Cassidian

Wie EADS die Rüstung umbauen will

Nach der gescheiterten Fusion mit BAE bleibt die Rüstungssparte Cassidian das Sorgenkind von EADS. Der Konzern sucht eine neue Strategie, um das Geschäft mit den Waffen neu auszurichten

Der Eurofighter wird unter anderem von EADS entwickelt. dpa

Der Eurofighter wird unter anderem von EADS entwickelt.

MünchenDie Geschäfte von EADS laufen eigentlich glänzend. Doch Konzernchef Tom Enders hat in seinem Unternehmen dennoch einige Baustellen abzuarbeiten. Vor allem das Rüstungsgeschäft, gebündelt in der Sparte mit dem Kunstnamen Cassidian, macht den Managern zu schaffen. Dabei leidet das Geschäft mit Kampfflugzeugen, Drohnen und Raketen unter einer besonders kniffeligen Ausgangslage. Vor allem verdirbt dem Unternehmen die Sparpolitik in Europa die Laune. 200 Millionen muss die Sparte einsparen, 850 Stellen werden abgebaut.

Kürzungen in den Wehretats, auch im deutschen Haushalt, lassen die Auftragsbücher dünner werden. Projekte werden gestreckt, verschoben oder ganz gestrichen. Bestellungen werden reduziert. Zugleich aber muss sich der Konzern rechtfertigen, denn die Sparpolitik wird in den kommenden Jahren vermutlich etliche Jobs kosten. Auch an den deutschen Standorten fürchtet die Gewerkschaft IG Metall den Abbau tausender Stellen, wenn es bei den Sparplänen bleibt.

All das hat Enders auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler am Freitag bei dessen Besuch am Cassidian-Standort im oberbayerischen Manching erklärt. Rösler betonte zur Freude von Tom Enders, Deutschland dürfe auch in der Rüstung nicht den technologischen Anschluss verlieren. Hoffnung auf eine schnelle Entscheidung der Bundesregierung für die Anschaffung von Drohnen aus dem Hause EADS konnte Rösler aber nicht machen. Zunächst müsse man die ethische Debatte über den Einsatz solcher Geräte führen. „Und da werden wir sicher die Zeit bis zur Bundestagswahl brauchen“, sagte der FDP-Chef nach dem Treffen mit Enders. Rösler kam das erste Mal als Miteigentümer von EADS, denn Deutschland ist seit dem umfassenden Umbau der Konzernstruktur zusammen mit Frankreich einer der beiden großen staatlichen Aktionäre.

Und es war vor allem die Bundesregierung, die die von Enders mit aller Macht gewollte Fusion mit dem britischen Rüstungsriesen BAE Systems in einem wenig erfreulichen, halböffentlichen Kräftemessen verhinderte. Enders sah in dem Zusammenschluss vor allem für Cassidian eine große Chance. Denn mit BAE, so zumindest der Plan, wäre EADS der Sprung auf Rüstungsmärkte gelungen, die für den Konzern bisher so gut wie verschlossen sind, wie etwa die USA.

Kommentare (3)

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melancholiker

27.04.2013, 09:56 Uhr

wir danken herrn dem weitsichtigen staatssekretät hintze für die verhinderung. er weiß ja aufgrund seines werdegangs über himmel und damit flugzeugindustrie gründlich bescheid.

Hans

28.04.2013, 18:43 Uhr

Der DE Drohnenbedarf wurde auf 16 Stück beziffert. In 2012 allein dürften wohl 16 Eurofighter ausgeliefert werden. Mit Drohnen wird Major Tom eher nicht den Niedergang von Cassidian stoppen.

Enders hat Cassidian als reines Vertriebsbüro von überteuerter Französischer, Britischer u. US Militärtechnik ausgerichtet. Dummerweise sind Cassidians Produkte der Bw mittlerweile zu teuer, und es besteht auch kein Bedarf mehr danach. Die Eurofighter Produktionsrate dürfte sich von 2012 bis 2014 mehr als halbieren. Ein großes Raketenprogramm läuft glatt aus. Die Niedergang von Cassidian dürfte wohl eher noch richtig an Fahrt gewinnen. Und Major Tom hat keinen Plan, wie er neu Geschäft gewinnen kann!
Mit der BAE Fusion, hätte EADS dass Cassidian Problem einfach an BAE entsorgt. Halt dumm gelaufen für EADS. Und BAE kann sich bei Merkel bedanken, dass sie die für BAE unvorteilhafte Fusion verhindert hat.

janckerc

29.04.2013, 13:04 Uhr

Hoffentlich wird der Laden in Manching dicht gemacht, was da an Vettern Wirtschaft betrieben wird ist alles nicht mehr normal. Und der super tolle Betriebsrat der am wenigsten Ahnung von allen hat, macht schön brav mit weil er aus allem seinen eigenen Vorteil zieht.

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