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25.01.2016

10:16 Uhr

CD-Adapco

Siemens kauft Softwarefirma für knapp eine Milliarde Dollar

Siemens baut offenbar seine Forschung und Entwicklung in den USA weiter aus. Laut einem Agenturbericht kaufen die Münchener für knapp eine Milliarde Dollar die US-Softwarefirma CD-Adapco.

Der deutsche Konzern kauft offenbar die US-Softwarefirma CD-Adapco. dpa

Siemens

Der deutsche Konzern kauft offenbar die US-Softwarefirma CD-Adapco.

New York/MünchenMit einem milliardenschweren Zukauf in den USA baut Siemens Insidern zufolge sein Geschäft mit Industriesoftware aus. Die Münchner übernehmen die US-Softwarefirma CD-Adapco mit 900 Mitarbeitern, wie zwei mit den Plänen vertrauten Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Das in Melville im Bundesstaat New York ansässige Unternehmen entwickelt Computerprogramme für Strömungssimulationen, mit denen etwa Windkanaltests im Autobau oder die Sturmbelastung von Bohrinseln durchgespielt werden können.

Für die 1980 gegründete Firma mit einem Jahresumsatz von rund 200 Millionen Dollar bezahle Siemens knapp eine Milliarde Dollar in bar, sagten die Insider. Mit CD-Adapco wolle Siemens als einer der größten Fabrikausrüster der Welt seine Angebotspalette für produzierende Unternehmen erweitern. Die Transaktion solle voraussichtlich noch am Montag bekannt gegeben werden. Siemens lehnte einen Kommentar ab. Traditionell trifft sich am Tag vor der Hauptversammlung, die am Dienstag folgt, der Aufsichtsrat zu einer regulären Sitzung.

Analysten äußerten sich positiv. „Das ist ein richtiger Schritt in die richtige Richtung. CD-Adapco passt perfekt ins Portfolio“, sagte Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus ICF. Das Unternehmen sei auf den ersten Blick zwar nicht billig, aber der Konkurrent Dassault Systèmes sei noch höher bewertet. Zudem handele es sich um ein hochmargiges Geschäft. Auch die Experten von Barclays würden die Übernahme von CD-Adapco begrüßen: „Nach dem Schritt ins Geschäft mit Industriesoftware erscheint der Kauf als logische Erweiterung des Bereichs Digitale Fabrik.“

Das sind die größten Baustellen von Siemens

Energiesparte

Hier hat Siemens den Trend zu dezentralen Lösungen verpasst. Die Münchener ließen sich für ihre riesige Weltmeister-Gasturbine der H-Klasse feiern. Doch in Zeiten der Energiewende waren vor allem kleine Modelle gefragt, die die Konkurrenz im Portfolio hatte. Auch in Sachen Innovationskraft verlor Siemens den Anschluss. Mit teuren Akquisitionen, einem Stellenabbau und mehr Investitionen in Forschung & Entwicklung versuchen Joe Kaeser und Energievorstand Lisa Davis gegenzusteuern.

Wachstumsschwäche

Vor einer guten Dekade war Siemens doppelt so groß wie BMW. Inzwischen ist der Autobauer an dem Technologiekonzern vorbeigezogen. Das hat mehrere Gründe: Zum einen trennte sich Siemens immer wieder von Geschäftssparten, ohne im gleichen Maß zuzukaufen. Zudem war Siemens auch organisch in den meisten Jahren wachstumsschwach und fiel hinter die besten Konkurrenten zurück. Kaeser setzt auf mehr Innovationen und einen besseren Kundenzugang. Ab dem Geschäftsjahr 2016 soll Siemens schneller wachsen als die Wettbewerber.

Ertragsschwäche

Kaesers Vorgänger Peter Löscher wähnte Siemens schon in der Champions League der weltbesten Unternehmen. Doch nach einem Zwischenhoch bröckelten die Renditen wieder ab. Für das Geschäftsjahr 2014/15 hatte Kaeser eine operative Umsatzrendite von zehn Prozent im Industriegeschäft versprochen. Angesichts der Kosten für den Umbau ist das ordentlich. Doch die besten Konkurrenten wie General Electric sind in vielen Bereichen besser. Durch kürzere Hierarchiewege, eine Sanierung der renditeschwachen Bereiche und den Abbau von Stellen will Kaeser mit seiner „Vision 2020“ Boden gut machen.

Dresser-Rand

Der Kauf des US-Kompressorenherstellers für zunächst 7,6 Milliarden Dollar war einer der größten Zukäufe in der Unternehmensgeschichte. Kaeser hatte sich, auch von seinem Vorgänger Peter Löscher, in einen Bieterwettbewerb treiben lassen. Doch seit der Übernahme ist der Ölpreis drastisch gefallen, die Förderer stellen ihre Investitionen zurück. Der Kaufpreis war im Nachhinein viel zu hoch. Nun muss Kaeser auf eine Erholung der Ölpreise hoffen und Dresser-Rand wenigstens erfolgreich integrieren.

Autor: ax

Siemens hatte im Dezember angekündigt, mehr in Forschung und Entwicklung investieren zu wollen, um nach Jahren der Stagnation wieder mit neuen Angeboten zu wachsen. Im Ringen mit dem US-Erzrivalen GE will Siemens-Chef Joe Kaeser sein Haus technologisch auf der Höhe der Zeit halten und an die Margen der Amerikaner herankommen.

In den vergangenen Jahren haben die Münchner zahlreiche große und kleine Spezialfirmen für Industriesoftware gekauft. Informationstechnik spielt vor allem bei klassischen Produktionsunternehmen wie Autobauern eine immer größere Rolle, um die Kosten für möglichst individuelle Produkte gering zu halten.

Von

rtr

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