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06.12.2013

14:02 Uhr

Cevian

Finanzinvestor stockt Anteil an Thyssen-Krupp auf

Der Finanzinvestor Cevian beteiligt sich an der Kapitalerhöhung von Thyssen-Krupp und stockt seinen Anteil auf fast elf Prozent auf. Damit steigt die Chance für die Schweden, einen Platz im Aufsichtsrat zu erlangen.

Wolken ziehen über die Unternehmens-Zentrale von ThyssenKrupp in Essen. Cevian hat nun die Chance auf einen Vertreter im Aufsichtsrat. dpa

Wolken ziehen über die Unternehmens-Zentrale von ThyssenKrupp in Essen. Cevian hat nun die Chance auf einen Vertreter im Aufsichtsrat.

FrankfurtDer schwedische Finanzinvestor Cevian hat bei der Kapitalerhöhung von Thyssen-Krupp seinen Anteil an dem Unternehmen ausgebaut. Die Beteiligung liege seit dem 2. Dezember bei 10,96 Prozent, teilte Cevian am Freitag mit. Zuletzt hatte der Investor 6,1 Prozent gemeldet. Das Aktienpaket hat einen Wert von fast einer Milliarde Euro. Damit steigen die Chancen für die Schweden, einen Vertreter in den Aufsichtsrat senden zu können. „Cevian schließt nicht aus, seinen Anteil weiter zu erhöhen“, sagte eine Sprecherin.

Der Anteil der einflussreichen Krupp-Stiftung am finanziell angeschlagenen Stahlkonzern sank indes auf 23,03 Prozent. Nachdem sich die Stiftung in dieser Woche nicht an einer Kapitalerhöhung beteiligt hatte, war der Anteil des wichtigsten Großaktionärs von Thyssen-Krupp unter die Schwelle von 25 Prozent gerutscht. Damit hätte sie nur noch Anrecht auf zwei statt auf drei Aufsichtsratsposten.

Thyssen-Krupp hatte bei der Kapitalerhöhung um zehn Prozent 882 Millionen Euro eingenommen. Wenn Cevian nicht schon vorher heimlich am Markt zugekauft hatte, hätte der Investor rechnerisch fast die Hälfte der neuen Aktien gezeichnet. Ein Banker hatte Cevian als „Ankerinvestor“ der Kapitalerhöhung bezeichnet.

Die Stiftung galt bislang als Bollwerk gegen feindliche Übernahmen bei Thyssen-Krupp, hat nun aber an Einfluss verloren. Denn durch den unter 25 Prozent gesunkenen Anteil an Thyssen-Krupp hat sie ihre Sperrminorität eingebüßt und kann dem Grunde nach wichtige Beschlüsse der Hauptversammlung, die eine 75-prozentige Mehrheit erfordern, nun nicht mehr blockieren. Dazu gehören etwa Fusionen, Abberufungen von Aufsichtsratsmitgliedern, Satzungsänderungen oder auch die Auflösung der Gesellschaft.

Die größten Baustellen von Thyssen-Krupp

Einleitung

Im Geschäftsjahr 2012/13 fuhr Thyssen-Krupp das dritte Mal in Folge einen Nettoverlust ein. Mit einem Fehlbetrag von 1,5 Milliarden Euro fiel dieser zwar niedriger aus als die fünf Milliarden Euro Miese im Jahr zuvor. Die Aktionäre müssen jedoch erneut auf eine Dividende verzichten. Das könnte auch im neuen Geschäftsjahr 2013/14 der Fall sein. Thyssen-Krupp will zwar operativ zulegen, für einen Nettogewinn könnte es aber erneut nicht reichen. Zudem schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte, sondern auch das Geschäft mit dem Werkstoff in Europa und mit Teilen für die Automobilindustrie.

Ertragsschwäche

Thyssen-Krupp fuhr im Geschäftsjahr 2011/12 einen Nettoverlust von fast fünf Milliarden Euro ein. In den ersten neun Monaten des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahres 2012/13 waren es rund 1,2 Milliarden Euro. Analysten zufolge schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte. Auch das europäische Stahlgeschäft, der Großanlagenbau, der Verkauf von Autoteilen und die Aufzugssparte hätten im Geschäftsjahr weniger verdient. Der Handel mit Werkstoffen und das Dienstleistungsgeschäft habe hingegen zugelegt.

Stellenabbau

Für Unruhe im Konzern sorgen auch die Pläne zum Abbau tausender Arbeitsplätze. In der Verwaltung sollen 3000 Jobs wegfallen. In der Stahlsparte will Thyssen-Krupp 2000 Arbeitsplätze abbauen. Weitere 1800 Stellen könnten durch Beteiligungsverkäufe aus dem Konzern fallen. „Wir bügeln damit auch die Managementfehler der Vergangenheit aus“, hatte Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath in einem Reuters-Interview gesagt. Thyssen-Krupp will damit die Kosten um 500 Millionen Euro senken. Die Summe ist Teil der insgesamt geplanten Einsparungen des Konzerns bis 2014/15 von nun 2,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt rund 156.000 Mitarbeiter, davon etwa 58.000 in Deutschland. Ein weiterer Stellenabbau ist nach den Worten von Personalvorstand Oliver Burkhard derzeit nicht geplant.

Fehlinvestitionen in Übersee

Nach einer langen Hängepartie konnte Thyssen-Krupp das Weiterverarbeitungswerk in den USA verkaufen. Das verlustreiche Rohstahlwerk in Brasilien hängt dem Konzern immer noch wie ein Klotz am Bein. Thyssen-Krupp muss neue Abnehmer für den Werkstoff in Nord- und Südamerika finden, da das US-Werk künftig weniger abnimmt. Die Kosten für beide Werke waren auf fast 13 Milliarden Euro explodiert, mehr als acht Milliarden entfielen auf Brasilien. Das US-Werk bleibt bis zu der erhofften Freigabe des Deals durch die Regulierungsbehörden noch für Monate in den Büchern. Thyssen-Krupp erwartet in der Sparte weitere Verluste - wenn auch niedrigere als bislang.

Schulden

Dem Konzern sitzen die Ratingagenturen im Nacken. Thyssen-Krupp drücken Schulden von fünf Milliarden Euro. Das Eigenkapital schmolz zwischenzeitlich von 4,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden Euro zusammen, durch eine im Dezember 2013 durchgezogene Kapitalerhöhung konnte es inzwischen auf 3,3 Milliarden Euro aufgebessert werden. Die Eigenkapitalquote ist einer der niedrigsten Werte eines Dax-Konzerns. Gespräche mit Banken sorgten Ende September für Erleichterung, nachdem dieser Wert über die Marke von 150 Prozent gestiegen war.

Kartellverstöße und Korruptionsvorwürfe

Der Mischkonzern wird immer wieder von Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschüttert. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will eine neue Unternehmenskultur, in der für krumme Geschäfte kein Platz ist. Bei illegalen Preisabsprachen war Thyssen-Krupp ein Wiederholungstäter. Einem Aufzugskartell folgten Kungeleien mit Schienenherstellern. Hier einigte sich Thyssen-Krupp nun mit der Deutschen Bahn auf Schadensersatz. Wie ein Damoklesschwert hängt zudem der Verdacht über dem Konzern, sich auch an einem möglichen Kartell von Herstellern von Blechen für die Automobilindustrie beteiligt zu haben. Ob sich dieser Verdacht bestätigt, ist offen. Sollte dies aber der Fall sein, wären die Konsequenzen nicht abzuschätzen - die Autoindustrie gehört zu den größten Kunden von Thyssen-Krupp. Welchen Stellenwert die Aufarbeitung der Verstöße hat, zeigte sich auch auf der Hauptversammlung im Januar 2014: Dort schuf Thyssen-Krupp für den ehemaligen Metro-Manager Donatus Kaufmann einen neuen Vorstandsposten für Compliance.

Ramponierter Ruf

Der Ruf des einst stolzen Unternehmens ist durch Pleiten, Pech und Pannen und die Korruptionsvorwürfe ramponiert. „Es herrschte offenbar bei einigen die Ansicht vor, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten“, hat Konzernchef Hiesinger beklagt. Er will aufräumen und eine neue Unternehmenskultur einführen, in der Seilschaften und blinde Loyalität nicht wichtiger sind als unternehmerischer Erfolg. Dafür braucht er die volle Rückendeckung vom Aufsichtsrat.

Die Stiftung hatte 2006 ihre Beteiligung am größten deutschen Stahlkonzern auf mehr als 25 Prozent ausgebaut. Doch im Juli war Stiftungschef Berthold Beitz gestorben, der jahrzehntelang die Geschicke des Unternehmens überwacht hat. Die gemeinnützige Stiftung sieht sich dem Erhalt des Konzerns verpflichtet. Sie nahm 1968 nach dem Tod des Firmenpatriarchen Alfried Krupp von Bohlen und Halbach ihre Arbeit auf, nachdem dessen gesamtes Vermögen auf sie übergegangen war.

Thyssen-Krupp steckt seit geraumer Zeit in der Krise. Etwas Abhilfe schaffte die Kapitalerhöhung, die knapp 900 Millionen Euro brutto in die Kassen spülte. Das Geld will der Konzern unter anderem zum Abbau der Schulden nutzen und das dünne Eigenkapital stärken. Im vergangenen Geschäftsjahr (Ende September) stand unter dem Strich ein Verlust von 1,5 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalquote war auf nur noch 7,1 Prozent gesunken.

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