Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.03.2017

14:47 Uhr

Charité

Deutschlands größte Uniklinik versorgt noch mehr Patienten

VonMaike Telgheder

Universitätskliniken bieten Hochleistungsmedizin. Nur die wenigsten von ihnen verdienen Geld, die meisten stecken in den roten Zahlen. Die Berliner Charité ist eine Ausnahme – und das trotz steigender Personalkosten.

Das Bettenhaus der Charité: Deutschland größtes Universitätsklinikum wuchs im vorigen Jahr schneller als der gesamte Krankenhausmarkt. dpa

Charité

Das Bettenhaus der Charité: Deutschland größtes Universitätsklinikum wuchs im vorigen Jahr schneller als der gesamte Krankenhausmarkt.

FrankfurtDie Stadt Berlin wächst – davon profitiert auch das Universitätsklinikum Charité. Der Krankenhauskonzern legte im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf 1,39 Milliarden Euro Umsatz zu. Damit wächst Deutschland größtes Universitätsklinikum schneller als der gesamte Krankenhausmarkt, der laut Branchenschätzungen im niedrigen einstelligen Prozentbereich gewachsen sein dürfte.

Allerdings geht auch bei der Charité wie in vielen Kliniken die Schere zwischen steigenden Kosten und weniger schnell steigenden Einnahmen weiter auseinander: Unter dem Strich stieg das Ergebnis langsamer als der Umsatz von 3,7 auf 3,8 Millionen Euro.

Vorstandvorsitzender Karl Max Einhäupl wertet das als Erfolg: Denn die Charité schreibt zum sechsten Mal in Folge schwarze Zahlen. „Mit dem Jahresabschluss 2016 haben wir die positive Entwicklung der vergangenen Jahre fortgesetzt und unseren Wirtschaftsplan unter schwierigen Rahmenbedingungen und gegen den allgemeinen Trend überzeugend erfüllt“, sagte der Charité-Chef.

Dass Universitätskliniken Geld verdienen, ist keine Selbstverständlichkeit. Nach den letzten Umfragen des Verbandes der Universitätskliniken arbeitet die Mehrheit der 32 Häuser in Deutschland in den roten Zahlen. Unikliniken bieten Hochleistungsmedizin. In diesen Kliniken werden tendenziell mehr Patienten mit ungewöhnlichen oder besonders schweren Krankheitsverläufen behandelt. Dafür müssen die Unikliniken Fachpersonal und spezielle Ausstattung vorhalten. Deswegen sind die Personal- und Sachkosten in Unikliniken – aber auch in anderen großen Krankenhäusern, die eine sogenannte Maximalversorgung der Patienten gewährleisten können – höher als in kleinen Krankenhäuser der Grundversorgung. Weil die Abrechnung der Leistungen aber über festgelegte Fallpauschalen erfolgt, die die höheren Kosten der Unikliniken nicht abdecken, hat sich die wirtschaftliche Lage vieler Unikliniken in den vergangenen Jahren verschlechtert.

Laut einem Bericht des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) aus dem vergangenen Jahr haben Universitätskliniken und Maximalversorger weiterhin beträchtliche Finanzierungslücken von durchschnittlich 3,5 Millionen Euro pro Klinikum durch die sogenannten Extremkostenfälle – Patienten, deren Behandlung sehr viel kostet. Das Defizit beträgt hochgerechnet auf alle Unikliniken knapp 100 Millionen Euro.

Wachsende Patientenzahlen der Charité zeigen nach Ansicht von Klinikchefin Astrid Lurati allerdings, dass es einen steigenden Bedarf an Hochleistungsmedizin gibt: Die Charité etwa konnte im vergangenen Jahr die Zahl ihrer stationären Patienten um 4.000 auf 140.000 Fälle steigern. Hinzu kamen knapp 700.000 ambulante Fälle. 

Alles in allem hat die Charité rund 941 Millionen Euro aus der Versorgung von Patienten erlöst, hinzu kamen mehr als 203 Millionen Euro Landeszuschuss für die Forschung und Lehre. Die Wissenschaftler der Charité konnten zudem mehr als 153 Millionen Euro Drittmitteln einwerben. Mit steigenden Patientenzahlen wuchs auch die Belegschaft: 2016 beschäftigte der gesamte Charité-Konzern 17.100 Mitarbeiter, 250 mehr als im Jahr davor. Das wiederum trieb die Kosten in die Höhe, ein zentraler Grund, warum der operative Gewinn der Charité um rund zwei Drittel auf zehn Millionen Euro schrumpfte.

Das Management der Charité versucht weiterhin, den Betrieb des Uniklinikums effizienter zu gestalten. Im vergangenen Jahr etwa hat man sich den Bereich Kardiologie vorgenommen und mit einer Bündelung der Produkte und Lieferanten sowie Verbrauchsanalysen die  Kosten in diesem Bereich um mehr als sieben Prozent gesenkt. In den Jahren zuvor wurden vergleichbare Einsparmaßnahmen in anderen Krankenhausbereichen durchgeführt.

Für das laufende Jahr erwartet das Management keine grundsätzliche Verbesserung der Kosten-Erlös-Situation. Laut Klinikchefin Lurati, die auch für die Finanzen zuständig ist, rechnet der Konzern mit einer Steigerung des Umsatzes zwischen zwei und drei Prozent. In der Krankenhausversorgung wird mit einem Ergebnis nur knapp über der Nulllinie gerechnet: Laut Plan sind es 100.000 Euro.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×