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22.07.2012

18:05 Uhr

Chefwechsel

GM schickt angeblich US-Manager zu Opel

Bei Opel bleibt derzeit kaum ein Stein auf dem anderen. Nach den Wechseln in der Führungsetage will die Mutter General Motors laut einem Medienbericht mehr Manager nach Rüsselsheim senden. Opel dementiert das aber.

Bekommt Opel-Interimschef Sedran bald US-Kollegen zur Seite gestellt? AFP

Bekommt Opel-Interimschef Sedran bald US-Kollegen zur Seite gestellt?

Rüsselsheim/AssenNach dem Stühlerücken in der Opel-Führungsriege will General Motors einem Medienbericht zufolge mit mehr US-Managern den Einfluss bei der kriselnden Tochter vergrößern. Das schreibt die "Automobilwoche" und bezieht sich auf ein Opel-Aufsichtsratsmitglied. In Rüsselsheim sollten Manager platziert werden, die das Vertrauen der US-Mutter genössen.

Ein Opel-Sprecher sagte dazu: "Das entbehrt jeder Grundlage." Eine solche Strategie gebe es nicht. Bei Opel würden Personalentscheidungen nicht aufgrund der Nationalität, sondern aufgrund der Qualifikation getroffen, sagte der Sprecher. Von September an seien im achtköpfigen Opel-Vorstand lediglich zwei US-Amerikaner.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) kritisierte das Krisenmanagement des Autobauers. Die Art und Weise, wie das Management mit den Sorgen der Beschäftigten umgehe, sei nicht im Sinne der sozialen Marktwirtschaft, sagte Rösler im ARD-Sommerinterview. "Ich hoffe deswegen sehr, dass sich die Schlagzeilen legen werden und dass auch ein neues Management sich klar zu dem vereinbarten Sanierungskurs bis zum Jahre 2016 bekennt."

Die europäischen Opel-Werke im Überblick

Die Ausgangslage

Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Nun will der Autobauer in seinem Werk in Bochum keine Autos mehr bauen. Eine Übersicht über die Fertigungsstätten.

Bochum

In Bochum laufen der Astra Classic und der Zafira Tourer vom Band. Ende 2014 läuft die Produktion aus. Danach soll die Autoproduktion eingestellt werden.

Rüsselsheim

Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. 13 800 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, davon 3500 in der Produktion und 7000 im Bereich Entwicklung und Design.

Eisenach

In Eisenach bauen knapp 1600 Beschäftigte den Corsa.

Kaiserslautern

In Kaiserslautern bauen knapp 2700 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.

Gleiwitz (Polen)

In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in Polen sind rund 3500 Menschen beschäftigt.

Saragossa (Spanien)

Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo. Ab 2014 soll auch der Mokka in Spanien gebaut werden.

Ellesmere Port (England)

Etwa 2100 Mitarbeiter bauen für die Opel-Schwester Vauxhall in Ellesmere Port Astra-Modelle. Dort konnte das Management zuletzt rigide Sparmaßnahmen durchsetzen.

Luton (England)

In Luton wird der Transporter Opel Vivaro von 1100 Beschäftigten gefertigt.

Sonstige

Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1700) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.

Bereits geschlossen wurde das Werk Antwerpen mit zuletzt mehreren tausend Mitarbeitern.

Opel krempelt derzeit seine Führungsebene fast komplett um: In der vergangenen Woche hatte der Opel-Aufsichtsrat Strategievorstand Thomas Sedran zum Vize-Vorstandsvorsitzenden ernannt. Er soll den verlustreichen Autobauer vorübergehend führen, bis ein neuer Chef gefunden ist. Zuvor waren der bisherige Vorstandchef Karl-Friedrich Stracke sowie Cheflobbyist Volker Hoff abgetreten.

Zum 1. September wird zudem der bisherige VW-Manager Michael Lohscheller zum neuen Finanzvorstand und Opel/Vauxhall Vize-Präsident Finanzen ernannt. Er löst den 50-jährigen Finanzchef Mark N. James (50) ab. Lohscheller ist derzeit Finanzvorstand bei der Volkswagen Group of America. In den unteren Führungsebenen bei Opel sollen nach früheren Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zudem 500 Mitarbeiter gehen.

Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug sieht Opel vor diesem Hintergrund auf dem richtigen Weg. Das Unternehmen verfüge jetzt über ein Management, "das weiß, dass es so nicht mehr weitergehen kann wie bisher", sagte Schäfer-Klug der Mainzer "Allgemeinen Zeitung". "Und es ist ein starkes Management; das hatten wir seit Jahren nicht mehr." Es habe noch nie soviel Planung gegeben wie jetzt.

Nach Ansicht des Branchenexperten Stefan Bratzel kann der Autobauer aber nur mit schmerzhaften Sanierungsschritten überleben. "Opel hat Überkapazitäten von 30 Prozent. Damit kann man bestimmt kein Geld verdienen", sagte der Direktor des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach dem "Tagesspiegel". "Opel braucht einen klaren Schnitt." Sonst überlebe die Marke im "wahnsinnigen Verdrängungswettbewerb in Europa nicht", warnte Bratzel.

Opel müsse die Kapazitäten auf ein Maß reduzieren, mit dem im Dreischichtbetrieb Geld verdient werde. Das Unternehmen sei trotz innovativer Produkte zur Billigmarke verkommen und verstehe es nicht, Neuheiten clever zu vermarkten. "Die Kommunikation bei Opel ist ein einziges Desaster", sagte Bratzel. Auch die Personalpolitik der Opel-Mutter General Motors sei nicht nachhaltig.

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