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03.02.2015

10:59 Uhr

Chefwechsel in China

Qoros geht die Puste aus

VonLukas Bay

Mit großen Ambitionen wurde die chinesische Automarke Qoros vor zwei Jahren aus der Taufe gehoben. Doch bisher enttäuschen die Chinesen beim Absatz auf ganzer Linie. Ein neuer Chef soll die Wende bringen.

Das Welt-Auto aus China

Qoros-Designer erklärt den Golf-Herausforderer

Das Welt-Auto aus China: Qoros-Designer erklärt den Golf-Herausforderer

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PekingNiemals hätte man gedacht, dass der Drache auch Schwäche zeigen kann. Es war Anfang 2013 als die Verantwortlichen der chinesischen Automarke Qoros der überraschten europäischen Konkurrenz auf dem Autosalon in Genf erklärten, wie man eine Automarke aus dem Nichts erschaffen will.

400 Experten hatten die Chinesen dafür eingekauft, erfahrene „Car Guys“ wie den ehemaligen VW-Spitzenmann Volker Steinwascher, der die Strategie vorantreiben sollte, oder den deutsche Autodesigner Gert-Volker Hildebrand, der schon Autolegenden wie dem VW Golf und dem Mini ein neues Gesicht verpasst hatte. Sie sollten ein chinesisches Auto entwerfen, das sich vor der ausländischen Konkurrenz nicht verstecken muss.

„Wir bauen keine chinesischen Autos“, erklärte damals Qoros-Manager Steinwascher.

Die ersten Ergebnisse konnten sich durchaus sehen lassen. Nach der Europapremiere des 3 Sedan auf dem Autosalon in Genf folge ein Hatchback und ein SUV. Die Motoren kommen ebenfalls aus Europa: sie basieren auf einer Konstruktion der österreichischen AVL und wurden von den Qoros-Ingenieuren umgebaut. Auch das Design ist mittlerweile preisgekrönt, beim NCAP-Crashtest war der Qoros im Jahr 2013 sogar das sicherste aller getesteten Autos. Nur in einem Feld hängt Qoros den eigenen Erwartungen hinterher: beim Verkauf.

Seit dem Marktstart hat die Marke in China gerade einmal rund 7.000 Autos verkauft. Viel zu wenig um das Werk in Changshu, 80 Kilometer nordwestlich von Shanghai, auszulasten – dort können theoretisch bis zu 150.000 Fahrzeuge gebaut werden. Dabei wollte man eigentlich mit dem Rückenwind aus dem Heimatmarkt im Jahr 2016 nach Europa expandieren. Den Markteintritt hat man nun erstmal vertagt. Frühestens 2017/18 wäre ein Marktantritt in Europa denkbar, heißt es nun. Bis dahin leben Chinesen von der Substanz, wenn sich keine Erfolge auf dem Heimatmarkt einstellen.
Das dürfte auch die Geldgeber nervös machen. Hinter Qoros stehen der chinesische Autohersteller Chery und die Israel Corporation. 2,5 Milliarden Dollar haben die beiden Unternehmen seit dem Jahr 2007 in die Entwicklung des neuen Unternehmens investiert.

Geld, das die beiden Unternehmen gerne wieder einspielen wollen. Die Wende soll nun ein neues SUV und eine Personalrochade bringen: Der chinesische Chef von Qoros, Guo Qian, muss gehen. Auf ihn folgt Phil Murtaugh, ein erfahrener Automanager, der zuletzt für GM das Asiengeschäft verantwortet hatte. Vor allem der Aufbau des Händlernetzes dürfte zu seinen Hauptaufgaben gehören.

Chinas Autokonzerne

Saic

Die Shanghai Automotive Industry Corp. gründete mit Volkswagen einst das erste Joint Venture eines chinesischen Herstellers mit einem ausländischen Autobauer. Seit 1998 kooperiert der Konzern auch mit dem US-Riesen General Motors. Zum Portfolio gehören auch die britische Traditionsmarke GM und die chinesische Luxusmarke Roewe. Im Jahr 2012 produzierten die Chinesen 4,5 Millionen Fahrzeuge und sind damit der größte Autohersteller des Landes.

FAW

First Automotive Works aus Nordchina wurde einst unter sowjetischer Führung gegründet, unterhält aber vor allem enge Kontakte zu den japanischen Autobauern. Zu den Partnern gehört neben Toyota, Mazda und Daihatsu aber auch Volkswagen.

Dongfeng

Kein chinesischer Konzern unterhält mehr Joint Ventures als das Unternehmen aus Wuhan. Zu den ausländischen Partnern zählen Honda, Nissan, Peugeot, Kia und Citroën. Mit 3,2 Millionen produzierten Fahrzeug ist Dongfeng der drittgrößte chinesische Autohersteller.

Baic

Bekannt wurde die Beijing Automotive Group weil sie 2009 die Technik des insolventen schwedischen Autobauers Saab aufkaufte. Mit Mercedes-Benz und Hyundai unterhält der Konzern aus der chinesischen Hauptstadt Joint-Ventures. 2012 produzierte Baic 3,1 Millionen Fahrzeuge.

Chang'an

Der Mutterkonzern verdient sein Geld mit Waffen. Doch mit 2,07 Millionen produzierten Fahrzeugen ist der Konzern aus Zentralchina mittlerweile der fünftgrößte Autobauer des Landes. Zu den ausländischen Kooperationspartner gehören Ford, Suzuki, and PSA

Brilliance

Der BMW-Partner Brilliance gehörte zu den ersten chinesischen Autokonzernen, die den Sprung nach Europa wagten - und scheiterten. Mit einer Produktion 591.000 Fahrzeugen ist der Hersteller im Landesvergleich relativ klein.

Chery

Bis 2003 war das Unternehmen aus Wuhu der größte Autoexporteur des Landes. Dabei wurde der Konzern erst 1997 gegründet. Seit 2012 unterhält das Unternehmen ein Joint Venture mit Jaguar und Land Rover. Die Tochtermarke des Konzern Qoros soll bald auch auf den europäischen Markt kommen

Geely

Aus einer Manufaktur für Kühlschrankteile ist einer der größten Autohersteller des Landes hervorgegangen. Übersetzt bedeutet der Unternehmensname Glück verheißende Automobile. Einen Namen in Europa machten sich die Chinesen mit der Übernahme von Volvo.

Derzeit verkaufen nur etwa 62 Händler die Modelle von Qoros, 12 weitere Filialen stehen vor der Eröffnung. Ende des Jahres sollen es 200 sein. Zum Vergleich: Marktführer Volkswagen kommt auf etwa 1.000 eigene Händler in China.

Für Chinesen wird es Zeit, die Schwäche auf dem Heimatmarkt zu beenden. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte berichtet, dass die israelischen Geldgeber sonst sogar über einen Ausstieg nachdenken könnten. Für den Drachen wäre das eine harte Landung.

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