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06.01.2009

14:17 Uhr

Chemiebranche

Altana: Kleiner aber feiner

VonThorsten Giersch

Heute ist Altana raus, raus aus dem MDax. Der Streubesitz ist einfach zu gering – daher ist Altana auch nicht einmal mehr im SDax vertreten. Hört sich schlimm an, aber bei der ehemaligen Dax-Größe gilt derzeit: „Klein, aber fein.“ Das honoriert auch Hauptaktionärin Susanne Klatten.

HB DÜSSELDORF. Vor zwei Jahren startet Altana noch als Dax-Konzern ins neue Jahr. 2009 sieht es ganz anders aus. Von heute an ist der Chemiekonzern in keinem Index mehr vertreten. Altanas Streubesitz ist infolge der geplanten Komplettübernahme durch die Milliardärin Susanne Klatten unter zehn Prozent gesunken. Damit erfüllt das Unternehmen nicht mehr die Voraussetzung für den Verbleib in einem Index.

Wie haben sich die Zeiten geändert: Vor rund zwei Jahren stand Altana auf zwei Säulen, dem Pharmageschäft und der Chemiesparte. Die Pharmasparte lief gut. Der Vorstandschef Nikolaus Schweickart, der seit 1990 im Amt war, hatte das einstmals überschaubare Unternehmen zu einem Dax-Konzern mit weltweit rund 30 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften und zuletzt 13300 Mitarbeitern gemacht, knapp die Hälfte davon in Deutschland.

Im September 2006 wendete sich das Schicksal von Altana zum ersten Mal: Schweickart legte den Plan vor, die erfolgreiche Pharmasparte abstoßen zu wollen. Zwar verdiente Altana mit dem Pharmageschäft gutes Geld, aber zum Ende des Jahrzehnts läuft der Patentschutz für das Magenmittel Pantoprazol aus, mit dem Altana den Löwenanteil der Pharmaerlöse erwirtschaftete. Und neue Medikamente, die den zu erwartenden Umsatzausfall ausgleichen könnten, waren nicht in Sicht. Also verabschiedete sich Altana vom Pharmageschäft.

Käufer der Sparte war dann das dänische Unternehmen Nycomed. Nach dem Verkauf der Pharmasparte bleibt von Altana nur das deutlich kleinere Chemiegeschäft mit Sitz in Wesel am Niederrhein übrig. Schweickart zog sich auch aus dem Altana-Vorstand zurück. Ihm folgte Matthias Wolfgruber.

Etliche Kleinaktionäre waren trotz einer üppigen Sonderdividende erboßt über den Deal. Nikolaus Schweickart musste sich heftige Kritik gefallen lassen. Die Fondsgesellschaft DWS sprach von einem enttäuschend niedrigen Preis, für den letztlich auch die Großaktionärin Susanne Klatten aufgrund ihrer Ausstiegsstrategie mit verantwortlich gewesen sei. In ein ähnliche Kerbe schlugen Aktionärsschützer: Das Management von Altana habe bei dem Versuch, Pharma auf eine breitere Basis zu stellen, eklatant versagt. Susanne Klatten hatte in diesen Woche ihre Beliebtheit alles andere als gesteigert.

Es dauerte bis zum Juni 2007, bis Altana aus dem Dax flog. Der Chemiekonzern erfüllte nach dem Verkauf der Pharmasparte nicht mehr alle Kriterien für einen Verbleib im Index der 30 größten Unternehmen. Das hatte dem Unternehmen zunächst nicht geschadet. Die Geschäfte des Spezialchemie-Herstellers liefen lange Zeit ordentlich.

Doch im Herbst 2008 hatte Altana seine Jahresziele wegen der zunehmenden Konjunkturflaute nach unten schrauben müssen. Nur wenige Wochen später gab Altana erneut zu, die bisherigen Ergebnis- und Umsatzziele für das Jahr 2008 senken zu müssen. "Insbesondere in den letzten Wochen sind in den meisten Geschäftsbereichen Auftragsvolumen und Umsätze noch stärker als erwartet zurückgegangen", erklärte das Management.

Nun muss das Unternehmen die Kosten senken und seine Effizienz steigern. Der durch die Finanzkrise verschärfte Wirtschaftseinbruch macht der Chemieindustrie immer stärker zu schaffen. Die Branche spiegelt die Konjunkturzyklen stets frühzeitig wider, da sie sämtliche Industriezweige beliefert.

Mitten in dieser Krisenzeit gab es die nächste dramatische Wende bei Altana: Großaktionärin Susanne Klatten kündigte an, ihre Beteiligung an dem Unternehmen weiter ausbauen zu wollen, am liebsten bis auf 100 Prozent. Bis Mitte Dezember hatte Klatten ihre Beteiligung auf gut 73 Prozent ausgeweitet. Ein Sprecher ihrer Beteiligungsgesellschaft Skion erklärte: "Wir streben abhängig von der erreichten Beteiligungshöhe ein Delisting von Altana an."

Die Quandt-Erbin wollte allem Anschein nach ihr Vermögen zum Teil neu ordnen. Sie profitierte in diesen Krisenzeiten immer noch aus Milliardensummen, die ihr aus dem Verkauf der Pharmasparte Altanas zugeflossen waren. Dieses Geld kann sie nun wieder anlegen. Und Klatten hatte genügend Geduld, das nicht bei den Höchstkursen, die die Börse in den ersten Monaten des Jahres produzierte, zu tun, sondern jetzt, da fast alles zum Schnäppchenpreis zu haben ist.

Für Altana scheinen die Tage an der Börse allmählich abzulaufen. Dann gehört das Unternehmen gänzlich Susanne Klatten. Abhängig von ihr ist es schon seit Jahren.

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