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07.08.2013

10:54 Uhr

Chemiebranche

Brenntags Gewinn geht zurück

Der Chemiehändler hat sein Jahresziel aufgegeben. Nach einem Gewinnrückgang im zweiten Quartal rechnet Brenntag auch für die zweite Jahreshälfte nicht mit einer Besserung der Konjunktur.

Der Chemiehändler Brenntag hat an der Börse nach Gewinnrückgang im zweiten Quartal deutlich verloren. dpa

Der Chemiehändler Brenntag hat an der Börse nach Gewinnrückgang im zweiten Quartal deutlich verloren.

FrankfurtNach einem Gewinnrückgang im abgelaufenen Quartal nehmen beim Chemikalienhändler Brenntag wegen der unsicheren Konjunktur die Molltöne zu. Konzernchef Steven Holland äußerte sich am Mittwoch bei Vorlage des Zwischenberichts vorsichtig zur weiteren Entwicklung im Jahr und gab das noch im Mai bestätigte Ziel eines steigenden Nettogewinns auf. Er rechne nicht mit einer deutlichen Konjunkturerholung in der zweiten Jahreshälfte, sagte Holland. Daher gehe Brenntag von einer langsameren Geschäftsentwicklung aus. An der Börse kam dies nicht gut an: Die im Nebenwerteindex MDax notierte Aktie büßte zeitweise mehr als drei Prozent auf 119 Euro ein.

Brenntag handelt mit Industrie- und Spezialchemikalien und übernimmt Logistik-Aufgaben, um die sich die großen Chemiekonzerne nicht mehr selbst kümmern wollen. Flaut die Branchenkonjunktur ab, bekommt dies auch Brenntag in seinen Auftragsbüchern zu spüren. Der Konzern mit rund 13.000 Beschäftigten ist die weltweite Nummer Eins im Chemikalienhandel.

Chemieindustrie in Deutschland

Überraschend guter Jahresschluss

Das Schlussquartal 2012 ist für die deutsche Chemieindustrie überraschend gut ausgefallen. Produktion, Preise wie auch Branchenumsatz haben gegenüber dem Vorquartal zugelegt. Im Gesamtjahr war die Produktion allerdings rückläufig (-3,1 Prozent), damit verpasste die drittgrößte Industriebranche Deutschlands den zunächst erwarteten Rekordumsatz von 186,6 Milliarden Euro (+1,3 Prozent). Die Beschäftigtenzahl stieg um 2 Prozent auf 437 000.

Optimistischer Ausblick

Der Branchenverband VCI erwartet 2013 ein Umsatzplus von etwa 2 Prozent auf 190 Milliarden Euro. Die Produktion werde um 1,5 Prozent steigen, die Preise würden um 0,5 Prozent anziehen. Der VCI geht davon aus, dass sich „die Auftriebskräfte weiter durchsetzen“. Vor allem werde eine große Nachfrage außerhalb Europas erwartet, aber auch das Inlandsgeschäft stimme bislang zuversichtlich.

Sorgenvoller Blick nach Brüssel

Mit Sorgen blickt die Chemiebranche nach Brüssel, wo die EU-Kommission die deutschen Strompreisbefreiungen für die Großindustrie unter die Lupe nehmen will. Obwohl nur 60 der über 1600 Chemieunternehmen von den EEG-Entgelten befreit seien, drohten empfindliche Mehrbelastungen und Verzerrungen im internationalen Wettbewerb, warnt der VCI. Die Belastungen der Chemie-Industrie würden von jetzt 800 Millionen Euro auf rund 2,1 Milliarden Euro steigen. Derzeit könne man die Entwicklung nur abwarten.

Zukunft Spezialchemie

Die Zukunft der Chemieindustrie in Deutschland sieht der VCI in einer weiteren forschungsintensiven Spezialisierung. Laut einer Studie des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des VCI wird der Anteil der Spezialchemie bis ins Jahr 2030 von jetzt 43,3 auf 46,6 Prozent der Produktion ansteigen. Dafür sei eine jährliche Aufstockung des Forschungsbudgets um vier Prozent notwendig. Deutschland werde zwar nicht mit dem globalen Chemiewachstum mithalten können, aber weiterhin ein wichtiger Anbieter nach China, USA, Japan und Indien bleiben.

Brenntag-Chef Holland stellte für 2013 jetzt ein operatives Ergebnis (Ebitda) - Einmalbelastungen allerdings herausgerechnet - von 710 bis 735 Millionen Euro in Aussicht. Im vergangenen Jahr lag das Ebitda bei 707 Millionen Euro. Zudem rechnet Holland nun mit einem sinkenden Überschuss. Bislang sollte der Nettogewinn 2013 in ähnlichem Umfang steigen wie das operative Ergebnis. Analysten zeigte sich verstimmt. "Der näher bestimmte Ausblick ist eine Enttäuschung", erklärte DZ-Bank-Analyst Thomas Maul.

Im zweiten Quartal sank das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) binnen Jahresfrist um 8,3 Prozent auf 169,1 Millionen Euro. Analysten hatten hingegen mit einem operativen Ergebnis von 190 Millionen Euro gerechnet. Rückstellungen für eine Kartellstrafe in Frankreich in Höhe von 17 Millionen Euro belasteten die Bilanz. Die französische Kartellbehörde verhängte gegen Brenntag und mehrere Rivalen wegen Preisabsprachen Geldbußen in Millionen-Höhe. Der Überschuss schrumpfte im zweiten Jahresviertel um 15,3 Prozent auf 68,9 Millionen Euro.

Brenntag setzte von April bis Juni 2,54 Milliarden Euro um - ein leichtes Plus von 2,2 Prozent. Während die Umsätze in Euro nur leicht zulegten und in Lateinamerika sogar sanken, erzielte Brenntag in Asien ein kräftiges Umsatzplus. Auch die Erlöse in Nordamerika baute der Chemikalienhändler im Quartal aus.

Von

rtr

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