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10.01.2011

07:23 Uhr

Chemiebranche

Dupont steckt Milliarden in neues Geschäftsfeld

Der Chemieriese Dupont will für sechs Milliarden Dollar das dänische Unternehmen Danisco kaufen - und würde damit totales Neuland betreten. Denn Danicso stellt unter anderem Lebensmittel und Tierfutter her.

Das Logo des Chemieherstellers Dupont. ap

Das Logo des Chemieherstellers Dupont.

HB NEW YORK/KOPENHAGEN. Der US-Chemie-Gigant DuPont drängt mit einem Milliarden-Zukauf auf den schnell wachsenden Markt für Lebensmittel-Zusatzstoffe. Der bislang eher für seine Kunststoffe und Kevlar-Schutzwesten bekannte Konzern will für 5,8 Milliarden Dollar die dänische Danisco übernehmen, die Enzyme und Zusatzstoffe herstellt. „Dieser Zukauf passt strategisch perfekt zu unseren Wachstumschancen“, sagte Konzernchefin Ellen Kullman. Damit sichere sich DuPont eine führende Position in der industriellen Biotechnologie. Für Kullman ist Danisco die erste Großübernahme, seit sie vor rund zwei Jahren an die Spitze des US-Konzerns rückte.

DuPont bewegt sich mit der Übernahme weg vom klassischen Geschäft mit Massenchemikalien und baut seine Position auf den Märkten für Nahrungs- und Lebensmittel weiter aus. Der erste große Schritt dahin war 1999 die 7,7 Milliarden Dollar teure Übernahme des Saatgut-Produzenten Pioneer. DuPont hatte damals eine Neuausrichtung mit stärkerem Fokus auf diese Märkte eingeleitet.

Auch die Konkurrenz drängt mit Vehemenz in diese Bereiche, in denen höhere Renditen winken. So hat der niederländische Konzern DSM angekündigt, für rund 1,1 Milliarden Dollar den US-Konzern Martek - einen Hersteller von Zutaten für Babynahrung und Omega-3-Fettsäuren - zu kaufen. Der Chemiebranchen-Primus BASF hatte 2010 für 3,1 Milliarden Euro den Monheimer Spezialchemiekonzern Cognis geschluckt, der ebenfalls Zusatzstoffe für die Gesundheits- und Ernährungsindustrie produziert.

Danisco stellt mit seinen knapp 7000 Mitarbeitern Substanzen unter anderem für Bäckerei- und Milchprodukte, Softdrinks sowie Tierfutter und Waschmittel her. Dazu gehören etwa Süßstoffe, Enzyme oder auch Kulturen für Joghurt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/2010 kam Danisco auf einen Umsatz von umgerechnet rund 2,4 Milliarden Dollar. Mit der Übernahme verschmelzen zwei Traditionskonzerne: DuPont wurde 1802 gegründet, die Dänen führen ihre Wurzeln auf das Jahr 1872 zurück. Beide kennen sich gut: DuPont und Danisco arbeiten bereits auf dem Feld der Biosprit-Produktion zusammen.

Das Danisco-Direktorium unterstützt die DuPont-Offerte. Die Amerikaner wollen 665 dänische Kronen pro Danisco-Aktie bieten. Das sind etwa 25 Prozent mehr als der Schlusskurs vom Freitag. Nach der Ankündigung schossen Danisco-Aktien am Montag zeitweilig auf ein neues Rekordhoch von 670,50 Kronen und pendelten danach um die Marke von 662 Kronen. „Wir rechnen nicht damit, dass die Offerte von DuPont noch von anderen überboten wird“, kommentierte Jyske-Bank-Analyst Jens Thomens.

DuPont will rund drei Milliarden Dollar der Kaufsumme über Barmittel finanzieren, den Rest über Kredite. Die Amerikaner übernehmen im Zuge der Transaktion von Danisco rund 500 Millionen Dollar an Schulden. Das DuPont-Management rechnet damit, das die Akquisition Anfang des zweiten Quartals unter Dach und Fach ist. Sie werde den Jahresgewinn je Aktie 2011 um 30 bis 45 Cent belasten und danach zum Gewinn beisteuern.

Bislang hatte Dupont für 2011 einen Überschuss je Aktie von 3,30 bis 3,60 Dollar in Aussicht gestellt. Danisco ist seit 1989 an der Börse in Kopenhagen notiert. Die Aktien sind breit gestreut. Zuletzt hatten nur zwei Aktionäre Anteile von mehr als fünf Prozent: der dänische Pensionsfonds ATP und die Investmentgesellschaft BlackRock .

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