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06.05.2016

14:20 Uhr

Chemiebranche

Evonik wächst mit Milliardenzukauf

VonBert Fröndhoff

Evonik macht die lange erwartete Großübernahme perfekt: Für 3,8 Milliarden Dollar übernimmt der Chemiekonzern Teile des Spezialchemiegeschäfts vom Gasehersteller Air Products – und kommt so einem wichtigen Ziel näher.

Zuwachs im Konzern: Evonik übernimmt Teile des Gaseherstellers Air Products. dpa

Evonik-Zentrale in Essen

Zuwachs im Konzern: Evonik übernimmt Teile des Gaseherstellers Air Products.

Düsseldorf.Das Management von Evonik war die ewige Frage, wann denn endlich der große Zukauf käme, schon fast leid. Seit Jahren haben Konzernchef Klaus Engel und Strategievorstand Christian Kullmann mit Konkurrenten aus der Spezialchemiebranche über eine Fusion verhandelt – ohne Ergebnis. Doch vergangene Woche machte das Evonik-Spitzenduo bei einer Reise in die USA endlich die ersehnte Großübernahme perfekt.

Für rund 3,8 Milliarden Dollar (umgerechnet 3,5 Milliarden Euro) übernimmt Evonik große Teile des Spezialchemiegeschäfts vom amerikanischen Gasehersteller Air Products, wie der Konzern nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrates am Freitag mitteilte. Der Deal soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Die Börse reagiert positiv auf die Übernahme: Der Evonik-Kurs schnellte am Freitag um zwei Prozent auf 28,60 Euro.

Der US-Konzern Air Products hatte angekündigt, sich komplett vom Chemiegeschäft zu trennen und auf Industriegase zu fokussieren. Er wollte die Sparte zunächst über einen Spin-off an die Börse bringen. Jetzt gibt Air Products den Teilbereich Spezialadditive an Evonik ab. Das Umsatzvolumen der übernommenen Geschäfte beträgt rund 1,1 Milliarden Dollar.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

PPG Industries (USA)
Mit 15,33 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet das US-Unternehmen mit Firmensitz in Pittsburgh (Pennsylvania) auf dem zehnten Platz der umsatzstärksten Chemieunternehmen weltweit.
Zu den Produktbereichen gehören Kunstglasprodukte, Kunstharze und Beschichtungswerkstoffe für Raumfahrt, Architektur und Industrie.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2017 / Gesamtjahr 2016, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 17,83 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den neunten Platz im Unternehmensranking.

Platz 8

Air Liquide (Frankreich)
Auf Platz acht des aktuellen Rankings landet das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. 19,08 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in 2016 machen dies möglich. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegasherstellern der Welt.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmitte, Schönheitspflege und die Klebstoffe und fuhr 2016 einen Jahresumsatz von 19,69 Milliarden US-Dollar ein. In naher Zukunft möchte der Siebtplatzierte sowohl die US-Firma Darex Packaging Technologies für mehr als 1,05 Milliarden US-Dollar übernehmen als auch den mexikanischen Anbieter von Friseurprodukten Nattura Laboratorios aufkaufen. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern will so vor allem das eigene Friseurgeschäft in Mexiko und den USA ausbauen.

Platz 6

DuPont (USA)
24,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und Platz sechs für den Konzern für Chemie, Materialien und Energie. Im Dezember 2015 gaben DuPont und der Konkurrent Dow Chemical bekannt, dass sie fusionieren wollen. Danach soll das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 29,18 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabischer Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 39,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reichte es für Metallkonzern nicht für den Sprung unter die Top-3-Chemiekonzerne. Neben Grundchemikalien wie Methanol und Ethanol stellt das Unternehmen aus dem Nahen Osten auch Düngemittel her.

Platz 3

Dow Chemical (USA)
Mit 48,16 Milliarden US-Dollar Umsatz fiel der zukünftige Fusionspartner von DuPont um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr. Die Hauptgeschäftsbereiche des US-Unternehmens aus Midland (Michigan) erstrecken sich auf die Kunststoffherstellung, Vorprodukte für die Wasseraufbereitung, Klebstoffe, Insektiziden, Saatgut und die Herstellung von Grundstoffen wie Chlor und Natronlauge.

Platz 2

Bayer (Deutschland)
Der zweitplatzierte deutsche Konzern (49,2 Milliarden US-Dollar Umsatz 2016) mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutische Industrie plant eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sollen Bayer und Monsanto bereit sein, Firmenteile für 2,5 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 60,54 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder, als an Größe an sich gelegt werden.

Der Deal ist nicht billig. Evonik zahlt das 15-fache des operativen Gewinns, den die Air Products-Geschäfte im vergangenen Jahr gemacht haben. Allerdings steckt in der Übernahme ein erwarteter Steuervorteil von 500 Millionen Dollar für Evonik, der in die Kaufrechnung einbezogen wird. Dies eingerechnet ergibt sich ein Preis spricht, der dem 10-fachen des operativen Gewinns entspricht.

Die Spezialchemiesparte von Air Products ist hochprofitabel und kam im vergangenen Jahr auf eine Ebitda-Marge von 27 Prozent. Darin ist aber auch die Division Elektronikchemie eingerechnet, die bei Air Products verbleibt. Evonik kauft nur das Geschäft mit Spezialadditiven, das aber ebenso auf 22 Prozent Gewinnmarge kommt. Dazu zählen Inhaltsstoffe und Vorprodukte für Farben, Klebstoffe, Industriereiniger, Körperpflegemittel sowie Polyurethan-Schäume.

Mit diesen Produkten stärkt Evonik seine beiden wachstumsstärksten Sparten Nutrition & Care sowie Ressource Efficiency. Die erwarteten jährlichen Synergien werden auf 80 Millionen Dollar geschätzt und sollen 2020 voll erreicht werden. Der Konzern zahlt den Kaufpreis in bar - die Hälfte davon kommt aus der eigenen Kasse, der Rest wird extern finanziert.

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