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06.09.2011

22:56 Uhr

Chemiebranche

Zwischen Skepsis und Zuversicht

VonSiegfried Hofmann

Der Schweizer Konzern Clariant hat gestern seinen Ausblick nach unten revidiert. Aendere wichtige Unternehmen der Branche hingegen äußern sich eher zuversichtlich. Die Konjunktursignale sind zwiespältig.

Eine Laborantin bei der Arbeit: Die chemische Industrie in Deutschland wird im zweiten Halbjahr schwächer wachsen. dpa

Eine Laborantin bei der Arbeit: Die chemische Industrie in Deutschland wird im zweiten Halbjahr schwächer wachsen.

FrankfurtZwiespältige Konjunktursignale vermittelt die Chemiebranche. Während der Schweizer Konzern Clariant gestern seinen Ausblick nach unten revidierte, haben andere Chemiekonzerne und der Verband der Chemischen Industrie (VCI) ihre bisherigen Prognosen abermals bestätigt.

Der VCI geht weiterhin von einem Produktionswachstum von fünf Prozent und einem Umsatzplus von zehn Prozent im Gesamtjahr aus. Die Wortwahl des Industrieverbands fällt im jüngsten Quartalsbericht aber etwas vorsichtiger aus als noch im Juli. Damals war noch die Rede davon, dass es in den Kesseln der Chemie brodele wie nie zuvor. Nun verweist der Verband darauf, dass die Produktion gegenüber dem sehr starken Jahresauftakt im zweiten Quartal leicht gesunken sei, was aber keine Trendwende bedeute. „Auch wenn sich die Zeichen mehren, dass die Weltwirtschaft abkühlt, wird 2011 ein gutes Jahr für die Chemie“, wird VCI-Präsident Klaus Engel in einer Mitteilung des Verbands zitiert. Gleichwohl werde das Wachstum im zweiten Halbjahr deutlich schwächer ausfallen, womit man aber schon seit geraumer Zeit rechne.

Ähnlich wie der VCI bestätigte gestern auch der Branchenführer BASF seine bisherige Aussage. Seit Veröffentlichung der Zahlen zum zweiten Quartal sei keine wesentliche Veränderung im Geschäft feststellbar, sagte ein Sprecher des Chemiekonzerns. Das BASF-Management hatte zur Jahresmitte eine deutliche Umsatz- und Gewinnsteigerung für das Gesamtjahr in Aussicht gestellt. Auch andere wichtige Unternehmen der Branche äußern sich ebenfalls eher zuversichtlich. „Wir sehen bisher keine Trendwende, sondern eher eine Normalisierung des Wachstumszyklus“, so Ralf Brinkmann, Vorstandsvorsitzender von Dow Deutschland, der deutschen Landesgesellschaft des US-Chemieriesen Dow Chemical.

In eine ähnliche Richtung äußerte sich Merck-Chemie-Chef Bernd Reckmann vor wenigen Tagen. Im Bereich Flüssigkristalle rechne man nach einem starken ersten Halbjahr mit einer Abschwächung im dritten Quartal und anschließend einer leichten Besserung im Schlussquartal. Im Pigmentgeschäft werde sich das Geschäft auf hohem Niveau normalisieren. „Angesichts der Nachrichten von den Finanzmärkten nehmen die Sorgen hier schon etwas zu. Aber das R-Wort würde ich noch nicht in den Mund nehmen“, so Reckmann.

Unterdessen hat gestern der Schweizer Konzern Clariant die Nervosität unter Chemieinvestoren mit einer massiven Korrektur seiner Jahresprognose angeheizt. Der Baseler Konzern, der Anfang des Jahres die Münchener Süd-Chemie AG übernommen hat, rechnet nunmehr nur noch mit einem Umsatz von sieben bis 7,2 Milliarden Franken im Gesamtjahr, während er zuvor noch fast acht Milliarden Franken in Aussicht gestellt hatte. Die Ebitda-Marge dürfte mit etwa 13 Prozent um mehr als einen Prozentpunkt niedriger ausfallen als bisher erwartet.

Clariant begründete die Korrektur mit der starken Aufwertung des Schweizer Frankens und konjunkturellen Schwächen. „Obwohl die Nachfrage insgesamt robust blieb, ist in einigen Regionen und Endkundenmärkten eine Abschwächung unübersehbar“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Die Gewinnwarnung gab der Skepsis unter Chemieinvestoren gestern zusätzliche Nahrung, nachdem vor einigen Tagen Lanxess-Chef Axel Heitmann mit dem Verkauf eines größeren Aktienpakets vorübergehend bereits für Unruhe gesorgt hatte. Die Clariant-Aktie verlor gestern rund 15 Prozent an Wert, während viele andere Chemiewerte Verluste von mehr als fünf Prozent verbuchten.


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