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07.01.2008

20:59 Uhr

Chemieindustrie

Basell verändert die Chemie

VonSiegfried Hofmann

Die größte Übernahme in der Geschichte der Chemieindustrie katapultiert den neu formierten Chemieriesen Lyondell-Basell auf einen Schlag unter die führenden Chemieproduzenten. Trotz hoher Verschuldung gilt die Finanzierung des Lyondell-Deals als gesichert - die größte Herausforderung ist die Integration der neuen Unternehmen.

Industrieanlage von Basell: Nach der Übernahme von Lyondell steht die Integration der Unternehmen im Vordergrund. Foto: Archiv

Industrieanlage von Basell: Nach der Übernahme von Lyondell steht die Integration der Unternehmen im Vordergrund. Foto: Archiv

FRANKFURT. Der neu formierte Chemieriese Lyondell-Basell Industries will auch in Zukunft eine aktive Rolle in der Neuordnung der globalen Chemielandschaft spielen. Das machte Firmenchef Volker Trautz im Gespräch mit dem Handelsblatt deutlich. "Langfristig wollen wir unser Geschäft weiter ausbauen. Aber zunächst steht klar die Integration der beiden Unternehmen im Vordergrund", sagte Trautz.

Lyondell-Basell ist am 20. Dezember aus der Übernahme des US-Konzerns Lyondell durch den Kunststoffhersteller Basell entstanden. Die mit einem Kaufpreis von rund 20 Mrd. Dollar (einschließlich übernommener Schulden) größte Übernahme in der Geschichte der Chemieindustrie katapultiert den niederländischen Konzern auf einen Schlag unter die führenden Chemieproduzenten. Nach eigenen Angaben sieht sich das neue Unternehmen auf Platz drei.

Die komplett fremdfinanzierte Transaktion liefert zugleich einen weiteren Beleg für den wachsenden Einfluss privater Investoren bei der Neuordnung der Chemiebranche. In diesem Fall ist die treibende Kraft der amerikanische Unternehmer Len Blavatnik, der über seine Investmentgruppe Access Industries 2005 Basell von den Vorbesitzern BASF und Shell übernommen und seither ausgebaut hat. Zur Expansionsstrategie gehörten im vergangenen Jahr auch eine - letztlich erfolglose - Offerte für den US-Konzern Huntsman sowie mehrere kleinere Zukäufe, darunter eine 700 Mill. Dollar teure Raffinerie von Shell in Frankreich. Darüber hinaus gilt der Konzern auch als möglicher Interessent für die zum Verkauf stehenden Styrol-Kunststoffe der BASF. Sie würden insofern in die neue Struktur passen, als Lyondell über größere Kapazitäten für Benzol, das wichtigste Vorprodukt für Styrol, verfügt.

Trautz wollte zu diesen Spekulationen keinerlei Kommentar geben. Und externe Experten bezweifeln inzwischen, dass die Gruppe schon in näherer Zukunft noch einen weiteren Zukauf verdauen kann.

Denn finanziell bedeutet der Lyondell -Deal einen enormen Kraftakt. Legt man die letzten Quartalsdaten zugrunde, geht Lyondell-Basell mit etwa 22 Mrd. Dollar Netto-Finanzschulden an den Start. Das entspricht gut dem Fünffachen des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) - ein Verschuldungsniveau, das heute zwar von einigen Chemiefirmen übertroffen wird, vor einigen Jahren aber noch als problematisch gegolten hätte.

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