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19.06.2013

19:29 Uhr

Chemiekonzern

Autokrise hat Lanxess im Griff

Die anhaltende Autokrise hat deutliche Auswirkungen auf Lanxess. Die Ergebnisse des zweiten Quartals sollen nur die Mitte der bisherigen Prognosespanne erreichen. Auch die Aktie büßt zeitweise mehr als vier Prozent ein.

Das zweite Quartal läuft nicht gut für Lanxess. Die Autokrise macht dem Chemiekonzern deutlich zu schaffen. dpa

Das zweite Quartal läuft nicht gut für Lanxess. Die Autokrise macht dem Chemiekonzern deutlich zu schaffen.

FrankfurtDie anhaltende Autokrise hat den Chemiekonzern Lanxess im laufenden zweiten Quartal fest im Griff. Die Nachfrage aus der Automobil- und Reifenindustrie sei noch nicht angezogen, sagte ein Lanxess-Sprecher am Mittwoch auf Anfrage. Er bestätigte damit Äußerungen von Finanzchef Bernhard Düttmann am Dienstag auf einer Investorenkonferenz in New York. Dort hatte Düttmann auch über fallende Preise für den Reifen-Rohstoff Butadien in Asien berichtet, was ebenfalls Folge des schwachen Marktumfelds ist. Das Geschäft mit Vorprodukten für Pflanzenschutzmittel soll dagegen weiterhin solide laufen.

Lanxess präzisierte auf der Investorenveranstaltung in New York auch seine Ergebnisprognose für das zweite Quartal. Der Konzern hatte bislang einen um Sondereinflüsse bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) von 174 bis 220 Millionen Euro in Aussicht gestellt. „Der voraussichtliche Landepunkt wird in der Mitte liegen“, sagte der Sprecher nun. Analysten hatten bislang etwas mehr als die Mitte der Prognosespanne erwartet. Vor einem Jahr hatten die Rheinländer im zweiten Quartal noch einen bereinigten operativen Gewinn von 362 Millionen Euro erwirtschaftet.

Die Aktien von Lanxess weiteten nach der Nachricht ihre Kursverluste aus. Das im Dax notierte Papier war zeitweise mit Kursverlusten von 4,2 Prozent auf 51,69 Euro der schwächste Wert im Dax. Der Markt interpretiere die Aussagen offenbar als Gewinnwarnung, sagt ein Börsianer. „Die Nachricht zeigt, wie groß das Überangebot im Kautschuk-Markt derzeit ist und dass die Erholung der Nachfrage länger braucht als erwartet“, erklärten die Analysten von Kepler Cheuvreux. Der Konzern will seine Geschäftszahlen zum zweiten Quartal am 6. August veröffentlichen.

Chemieindustrie in Deutschland

Überraschend guter Jahresschluss

Das Schlussquartal 2012 ist für die deutsche Chemieindustrie überraschend gut ausgefallen. Produktion, Preise wie auch Branchenumsatz haben gegenüber dem Vorquartal zugelegt. Im Gesamtjahr war die Produktion allerdings rückläufig (-3,1 Prozent), damit verpasste die drittgrößte Industriebranche Deutschlands den zunächst erwarteten Rekordumsatz von 186,6 Milliarden Euro (+1,3 Prozent). Die Beschäftigtenzahl stieg um 2 Prozent auf 437 000.

Optimistischer Ausblick

Der Branchenverband VCI erwartet 2013 ein Umsatzplus von etwa 2 Prozent auf 190 Milliarden Euro. Die Produktion werde um 1,5 Prozent steigen, die Preise würden um 0,5 Prozent anziehen. Der VCI geht davon aus, dass sich „die Auftriebskräfte weiter durchsetzen“. Vor allem werde eine große Nachfrage außerhalb Europas erwartet, aber auch das Inlandsgeschäft stimme bislang zuversichtlich.

Sorgenvoller Blick nach Brüssel

Mit Sorgen blickt die Chemiebranche nach Brüssel, wo die EU-Kommission die deutschen Strompreisbefreiungen für die Großindustrie unter die Lupe nehmen will. Obwohl nur 60 der über 1600 Chemieunternehmen von den EEG-Entgelten befreit seien, drohten empfindliche Mehrbelastungen und Verzerrungen im internationalen Wettbewerb, warnt der VCI. Die Belastungen der Chemie-Industrie würden von jetzt 800 Millionen Euro auf rund 2,1 Milliarden Euro steigen. Derzeit könne man die Entwicklung nur abwarten.

Zukunft Spezialchemie

Die Zukunft der Chemieindustrie in Deutschland sieht der VCI in einer weiteren forschungsintensiven Spezialisierung. Laut einer Studie des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des VCI wird der Anteil der Spezialchemie bis ins Jahr 2030 von jetzt 43,3 auf 46,6 Prozent der Produktion ansteigen. Dafür sei eine jährliche Aufstockung des Forschungsbudgets um vier Prozent notwendig. Deutschland werde zwar nicht mit dem globalen Chemiewachstum mithalten können, aber weiterhin ein wichtiger Anbieter nach China, USA, Japan und Indien bleiben.

Lanxess ist der weltgrößte Hersteller von synthetischem Kautschuk, der unter anderem in Reifen, Dichtungen und Schläuchen zum Einsatz kommt. Das Unternehmen, das im Sommer seinen Firmensitz von Leverkusen nach Köln verlegt, erwirtschaftet rund 40 Prozent seiner Umsätze mit der Auto- und Reifenindustrie. Im Auftaktquartal war der bereinigte operative Gewinn wegen der Autokrise um 53 Prozent auf 174 Millionen Euro eingebrochen. Konzernchef hatte Axel Heitmann hatte zuletzt eine konjunkturelle Verbesserung erst im zweiten Halbjahr erwartet.

Wie schwach der Automarkt derzeit in Europa ist, zeigen die jüngsten Zahlen des Herstellerverbandes ACEA. Danach war der Automobilmarkt im Mai auf ein historisches Tief abgesackt. Die Pkw-Neuanmeldungen sanken auf den niedrigsten Stand in einem Monat Mai seit 20 Jahren. Vor allem im schuldengeplagten Süden Europas werden wegen der hohen Arbeitslosigkeit und der düsteren wirtschaftlichen Aussichten kaum neue Autos gekauft. Manche Experten rechnen mit einer längeren Stagnationsphase.

Von

rtr

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