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10.04.2013

20:37 Uhr

Chemiekonzern

Finanzinvestor lädt CABB mehr Schulden auf

Rund 100 Millionen Euro lädt der Finanzinvestor Bridgepoint dem hessischen Chemiekonzern CABB auf. Der Kredit soll von der Commerzbank, der DZ Bank, von ING und Societe Generale organisiert werden.

Der Finanzinvestor Bridgepoint läd dem hessischen Chemiekonzern CABB mehr Schulden auf. Banken zufolge geht es um rund 100 Millionen Euro. dpa

Der Finanzinvestor Bridgepoint läd dem hessischen Chemiekonzern CABB mehr Schulden auf. Banken zufolge geht es um rund 100 Millionen Euro.

LondonDer Finanzinvestor Bridgepoint will dem hessischen Chemiekonzern CABB mehr Schulden aufladen. Banken zufolge geht es um rund 100 Millionen Euro, die sich Bridgepoint zum Teil als Sonderausschüttung auszahlen lassen will. Nach Angaben des Investors, der 2011 bei der Firma aus Sulzbach bei Frankfurt eingestiegen war, soll der Kredit von der Commerzbank, der DZ Bank, von ING und Societe Generale organisiert werden. Zum Umfang und zum Verwendungszweck des Darlehens wollte er sich am Mittwoch allerdings nicht äußern

Bridgepoint hatte zum Kauf der früheren Clariant-Tochter bereits 235 Millionen Euro an Krediten eingesetzt und zur Übernahme der 3i -Beteiligung Kemfine weitere 110 Millionen Euro aufgenommen. Diese Darlehen wurden dann CABB aufgebürdet. Doch war es dem Chemiekonzern gelungen, die Schulden bis Ende 2012 vom 3,8-Fachen des operativen Gewinns (Ebitda) auf das 2,5-Fache abzubauen. Für Unternehmen, die Private-Equity-Firmen gehören, ist das wenig. Finanzinvestoren steigern ihren Profit über den Einsatz von Fremdkapital, die Zinsen dafür zahlen die Unternehmen aus dem Gewinn. Mit den zusätzlichen 100 Millionen Euro würde die Verschuldungsquote auf das 4,5-Fache steigen. CABB beschäftigt 980 Mitarbeiter.

Chemieindustrie in Deutschland

Überraschend guter Jahresschluss

Das Schlussquartal 2012 ist für die deutsche Chemieindustrie überraschend gut ausgefallen. Produktion, Preise wie auch Branchenumsatz haben gegenüber dem Vorquartal zugelegt. Im Gesamtjahr war die Produktion allerdings rückläufig (-3,1 Prozent), damit verpasste die drittgrößte Industriebranche Deutschlands den zunächst erwarteten Rekordumsatz von 186,6 Milliarden Euro (+1,3 Prozent). Die Beschäftigtenzahl stieg um 2 Prozent auf 437 000.

Optimistischer Ausblick

Der Branchenverband VCI erwartet 2013 ein Umsatzplus von etwa 2 Prozent auf 190 Milliarden Euro. Die Produktion werde um 1,5 Prozent steigen, die Preise würden um 0,5 Prozent anziehen. Der VCI geht davon aus, dass sich „die Auftriebskräfte weiter durchsetzen“. Vor allem werde eine große Nachfrage außerhalb Europas erwartet, aber auch das Inlandsgeschäft stimme bislang zuversichtlich.

Sorgenvoller Blick nach Brüssel

Mit Sorgen blickt die Chemiebranche nach Brüssel, wo die EU-Kommission die deutschen Strompreisbefreiungen für die Großindustrie unter die Lupe nehmen will. Obwohl nur 60 der über 1600 Chemieunternehmen von den EEG-Entgelten befreit seien, drohten empfindliche Mehrbelastungen und Verzerrungen im internationalen Wettbewerb, warnt der VCI. Die Belastungen der Chemie-Industrie würden von jetzt 800 Millionen Euro auf rund 2,1 Milliarden Euro steigen. Derzeit könne man die Entwicklung nur abwarten.

Zukunft Spezialchemie

Die Zukunft der Chemieindustrie in Deutschland sieht der VCI in einer weiteren forschungsintensiven Spezialisierung. Laut einer Studie des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des VCI wird der Anteil der Spezialchemie bis ins Jahr 2030 von jetzt 43,3 auf 46,6 Prozent der Produktion ansteigen. Dafür sei eine jährliche Aufstockung des Forschungsbudgets um vier Prozent notwendig. Deutschland werde zwar nicht mit dem globalen Chemiewachstum mithalten können, aber weiterhin ein wichtiger Anbieter nach China, USA, Japan und Indien bleiben.

Zu schuldenfinanzierte Sonderdividenden - im Branchenjargon Rekapitalisierungen - greifen Finanzinvestoren immer dann, wenn eines ihrer Beteiligungsunternehmen besonders gut verdient oder wenn ein Verkauf der Beteiligung aufgrund mangelnder Angebote nicht möglich ist, die eigenen Kapitalgeber aber auf Ausschüttungen dringen.

Von

rtr

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