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12.01.2009

16:00 Uhr

Chemiekonzerne

Gewagte Chemie-Konstruktionen

VonSiegfried Hofmann

In der Neuordnung der petrochemischen Industrie spielte die niederländisch-amerikanische Lyondell-Basell neben der britischen Gruppe Ineos in den vergangenen Jahren eine prominente Rolle. Durch die Konjunktur- und Kreditkrise werden die hochverschuldeten Chemiekonzerne nun jedoch einem harten Belastungstest unterzogen. Einblicke in ihren Werdegang.

FRANKFURT. Beide Konzerne profilierten sich als Konsolidierer in einer relativ zersplitterten Industrie und nutzten dabei die günstigen Finanzierungsbedingungen an den internationalen Finanzmärkten großzügig für kreditfinanzierte Zukäufe aus.

Doch im Zuge der Krise musste Lyondell-Basell erst vor wenigen Tagen Gläubigerschutz für ihre US-Gesellschaften beantragen.

Wie viele Einzelunternehmen in den neuen Chemieriesen stecken, zeigt ein Blick auf ihren Werdegang. So gewann die Ineos-Gruppe ihre heutige Struktur durch eine ganze Serie von Akquisitionen, darunter Firmen wie Ruhrchemie, Phenolchemie, die früheren Chemieaktivitäten von BP sowie ehemalige Sparten von BASF und Lanxess.

Lyondell-Basell hat seine heutige Form Ende 2007 durch die Übernahme des US-Konzerns Lyondell durch die niederländische Basell-Gruppe erhalten. Durch diese, einschließlich übernommener Schulden rund 19 Mrd. Dollar teure Übernahme katapultierte sich Basell auf einen Schlag unter die Top Drei der Chemiebranche.

Allerdings waren beide Unternehmen ebenfalls bereits das Ergebnis einer Konsolidierungsphase. So stecken in Lyondell unter anderem US-Chemiefirmen wie Millennium Chemicals oder Equistar. Basell wiederum wurde Ende der 90er Jahre in mehreren Schritten aus Kunststoffsparten von Hoechst, BASF, Shell, Montedison und Hercules geformt. BASF und Shell betrieben das Unternehmen zunächst als Joint Venture. 2005 verkauften die beiden Partner den Kunststoffhersteller an die amerikanische Investmentgruppe Access Industrie, die wiederum von dem aus Russland stammenden Unternehmer Len Blavatnik kontrolliert wird.

Blavatnik, der unter anderem auch Anteile am russischen Ölkonzern TNK-BP hält, zeigte sich entschlossen, aus Basell einen großen Chemie-Konzern zu formen. Zunächst versuchte er den US-Konzern Huntsman zu übernehmen, wurde dort aber von dem Spezialchemiehersteller Hexion und der Private-Equity-Gruppe Apollo überboten (die aus dem Deal inzwischen allerdings wieder ausgestiegen sind). Wenig später kam Blavatnik dann mit Basell bei Lyonell zum Zuge.

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