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02.12.2011

10:48 Uhr

Chevrolet Volt

Vom Hoffnungsträger zum brennenden Problem

Nachdem drei Chevrolet Volts in Brand geraten sind, wird das prominente Elektroauto für General Motors zum echten Problem. Der Autobauer kämpft offensiv gegen einen Image-Schaden an. Toyota ist das warnende Beispiel.

Der Chevrolet Volt hat General Motors gerettet - zumindest ein bisschen. Als der US-Autobauer mit all seinen Schulden und viel zu dicken  Autos wie ein sterbender Dinosaurier am Boden lag, verkörperte der Volt eine verheißungsvolle Zukunft. Ein Elektroauto - schnell, alltagstauglich und sparsam. Heute hat der Volt das Zeug, dem größten Autobauer der Welt empfindlich zu schaden. Aus einem Retter ist ein Problem geworden.

Denn die US-Verkehrsbehörde NHTSA untersucht den Volt nach mögliche Feuergefahren. Eine offizielle Untersuchung wurde eingeleitet. Bereits im Mai war in einem Volt auf einem Testgelände ein Feuer ausgebrochen – drei Wochen nach einem Crash-Test. Daraufhin wurden drei weitere Tests gemacht, bei denen die Batterien beschädigt wurden. Zwei Autos sollen dabei Feuer gefangen haben.

Das hat nun erste Konsequenzen: GM-Chef Dan Akerson hat angekündigt, dass die Batterien des Volt möglicherweise nochmals überarbeitet werden könnten. Immerhin: Auf die Markteinführung des Schwestermodells Opel Ampera soll die Debatte über Sicherheitsprobleme beim Volt keine Folgen haben, wie ein Opel-Sprecher Handelsblatt Online bestätigte - auch wenn die Brandursachen bislang noch nicht geklärt und beide Autos quasi baugleich sind. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zuvor berichtet, dass die Auslieferung gestoppt würde, solange noch keine Klarheit darüber herrsche, wieso sich die Batterien entzündet hätten. Das wäre für die Rüsselsheimer zweifellos ein schwerer Image-Schaden gewesen.

Der Faktor Image ist beim Volt generell der entscheidende Punkt. Den Volt habe GM nämlich nicht auf den Markt gebracht, um damit einen großen finanziellen Erfolg zu erzielen, sondern um einen positiven Imageträger zu haben, beschreibt Jeremy Anwyl, Chef des Marktforschers Edmunds.com, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg die Bedeutung des Elektroautos.

Kommentare (4)

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LithiumStorage

02.12.2011, 13:25 Uhr

Das Lithium Polymer Batterien brennen können ist nichts neues. Lithium Polymer, oder kurz LiPo Batterien haben zwar eine höhere Leistungsdichte (180Wh/kg) als zum Beispiel Lithium Eisen Phosphat Batterien (die weder explodieren noch brennen können) die nur 120Wh/kg haben. Diese Lithium Eisen Phosphat Batterien (LiFePO4) kosten dafür pro kW nur die Hälfte bis ein drittel der LiPo. Da im Chevi Volt relativ wenig Kapazität installiert ist, ist da Mehrgewicht minimal bei geringeren Kosten und höherer Sicherheit. Roger Miauton, Lithium Storage GmbH

Account gelöscht!

04.12.2011, 02:24 Uhr

Hier kommt ein Problem auf den Tisch, das von vielen Experten schon lange erwartet, aber von Auto- und Batterie-Herstellern immer wieder kleingeredet wurde: Li-ion Batterien haben offensichtlich ein Sicherheits-Problem, aufgrund der höheren Zellspannung und des brennbaren organischen Elektrolyten. Geringfügige Überladung bei ungenügender Kühlung oder interner Kurzschluss einer Zelle können ein Feuer auslösen, das auf andere Zellen übergreift und dann kaum noch zu löschen ist, auf jeden Fall nur nicht mit Wasser! Die mangelnde Zuverlässsigkeit, die beschränkte Lebensdauer (3 Jahre mit 50% Kapazitätsverlust) und vor allem der horrende Preis (800 $/kWh) haben viele Autohersteller von Hybrid-Fahrzeugen bewogen, vor allem Toyota, noch weitere 10 Jahre bei dem hoch-sicheren Ti-Ni Metallhydrid Speichersystem [NiMH] zu bleiben. NiMH ist zwar noch etwas schwerer, in der 2. Generation aber vergleichbar mit LiFePO4 in der Energiedichte (110 Wh/kg). Vor allem kostet es nur 1/3 von Li-ion. Daher wird es aktuell schon in 2.5 Mio. Hybridfahrzeugen eingesetzt (Toyota, Honda, BMW, VW, Porsche, Ford etc), bald auch in den Extender-Hybrids [PHEV] vom Typ Ampera Aber Li-ion ist derzeit noch ein Dogma und lebt von der Hoffnung auf weiter erhöhte Energiedichten, was die Unsicherheit jedoch nicht minimieren wird - im Gegenteil. Auch die Hoffnung auf sinkende Preise wird in einigen Prognosen sehr in Frage gestellt oder wird abhängig gemacht von immensen Subventionen der öffentlichen Hand.

kdb-hyb

04.12.2011, 13:23 Uhr

Nachtrag zum vorherigen Artikel:
Für die Entwicklung von Li-ion und der utopischen Nachfolger-Systeme (Li-O2; Li-S) werden derzeit Milliarden $ und € investiert, den Ergebnissen mangelt es jedoch an Transparenz und wissenschaftlich neuen Perspektiven - im Vergleich zu ähnlichen Speichersystemen (z.B. Na-S), die schon wenig erfolgreich und mit grossem Aufwand erforscht / entwickelt wurden. So werden die Untersuchungsergebnisse über kurzzeitige Kapazitätsverluste von Li-ion (20% in 12 Monaten) "beiseite geredet", obwohl sie von der als seriös geltenden US Energie-Agentur DOE zusammen mit führenden Batterie-Herstellern (Johnson Controls, LG Industries, A123 Systems) erst vor kurzem erarbeitet wurden. Wenn diese wichtige Problematik der begrenzten Lebensdauer, der hohen Kosten und der anfälligen Sicherheit in naher Zukunft nicht gelöst werden kann - und seit 5 Jahren zeigen sich hier nur geringe Fortschritte - wird sich das Li-ion System für die Anwendung in der Elektromobilität mit ihren extremen Anforderungen leider als eine Sackgasse entpuppen.

Übrigens die hier erwähnten Unfälle mit Ampera resp. Chevy VOLT in USA waren nicht die ersten ihrer Art. Unfälle mit Li-ion Batterien gab es vor einiger Zeit auch in China (BYD), deren Publikation von der Regierung jedoch untersagt wurde.
BATTELLE-GENF, International.Forschungsinstitut f. Hochenergie-Batterien.

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