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18.04.2014

09:38 Uhr

China

Autohersteller zu Gast beim weltgrößten Automarkt

Die Autobauer der Welt pilgern nach China. Nirgendwo sonst wächst der Absatz so schnell, nirgendwo ist der Markt so groß. Aber auch die Abhängigkeit der deutschen Autobauer nimmt zu – und die Blase droht zu platzen.

Besucher einer Automesse betrachten in Peking einen Mercedes CLA 260 4Matic: Mercedes peilt in diesem Jahr in China ein stärkeres Wachstum als die elf Prozent des vergangenen Jahres an. dpa

Besucher einer Automesse betrachten in Peking einen Mercedes CLA 260 4Matic: Mercedes peilt in diesem Jahr in China ein stärkeres Wachstum als die elf Prozent des vergangenen Jahres an.

PekingChinas Automarkt wird in diesem Jahr voraussichtlich mit rund neun bis elf Prozent wachsen. Angesichts des weltgrößten Automarktes im Reich der Mitte und der starken Wachstumsraten hat sich die Pekinger Automesse, die am Sonntag beginnt, zum Mekka für die Branche und ihre Neuvorstellungen entwickelt. Auch die jüngste Konjunkturschwäche der zweitgrößten Wirtschaftsnation könne dem Autoabsatz vorerst wenig anhaben, meinten Experten am Freitag. Einige Stimmen warnten allerdings vor zu großer Abhängigkeit von einem „riskanten“ chinesischen Markt und wirtschaftlichen Schocks.

Mehr als 2000 Aussteller aus 14 Ländern sind auf der Autoshow vertreten. Es gibt 118 Neuvorstellungen. Elektromobilität ist ein großes Thema: 79 Autos mit alternativen Antrieben werden präsentiert. In einer Weltpremiere stellen Daimler und sein chinesischer Partner BYD (Build Your Dreams) ihr gemeinsam entwickeltes Elektroauto Denza vor. Er hat eine Reichweite bis zu 300 Kilometer. Marktführer Volkswagen präsentiert auf seinem wichtigsten Markt den neuen Touareg sowie die Elektro-Version seines Kleinwagens „up!“.

Daimlers Einstieg bei den Chinesen

Einstieg bei Bejing Automotive

Es ist das erste Geschäft dieser Art in der Geschichte der Autobauer in China: Daimler beteiligt sich als erstes ausländisches Unternehmen in größerem Ausmaß an einem nicht gelisteten, staatlichen Autoproduzenten aus dem Reich der Mitte. Die Schwaben steigen mit 12 Prozent bei ihrem Partner Beijing Automotive (BAIC) ein.

Was hat Daimler davon?

Für den Autobauer ist der Einstieg vor allem ein Türöffner. Nach Einschätzung des Autoexperten Stefan Bratzel haben die Schwaben damit künftig einen besseren Draht zur chinesischen Regierung - nicht unwichtig, um in dem Riesenreich erfolgreich zu sein. Zuletzt war Daimler der Konkurrenz dort stets hinterhergefahren. Mit einem chinesischen Partner könnte der Dax-Konzern künftig aber nicht nur Kontakte knüpfen, sondern auch Verbundvorteile beim Bau von Autos nutzen. BAIC hat verschiedene Plattformen, auf deren Basis die Chinesen Autos bauen wollen. Das könnte auch Daimler zugutekommen.

Wie profitiert BAIC von dem Einstieg?

Die Chinesen können sich nach Ansicht von Experten reichlich Unterstützung von ihrem Partner Daimler erhoffen. Nicht zuletzt profitiert das Unternehmen auch vom technischen Know-how der Schwaben. Zum anderen hilft der Einstieg BAIC beim geplanten Börsengang: BAIC bekommt mit 51 Prozent die Mehrheit an dem Gemeinschaftsunternehmen Beijing Benz. Dadurch können die Chinesen das Joint Venture mit Daimler als Eigentum angeben - ein wichtiger Baustein für den Sprung aufs Börsenparkett.

Welche Probleme hat Daimler in China?

Die Stuttgarter haben im Reich der Mitte gleich mehrere Baustellen. Nicht nur, dass die Erzrivalen BMW und Audi dort wesentlich erfolgreicher sind - zuletzt machten Daimler in China vor allem zwei getrennte Vertriebskanäle zu schaffen, die sich zum Teil gegenseitig behinderten. Hier hat der Konzern mittlerweile zumindest gegengesteuert. Ein anderes Problem ist die Produktpalette: Nach Ansicht von Branchenkennern braucht Daimler dort neue Modelle, die besser an den Markt angepasst sind. Experte Bratzel hält durch die Kooperation mit BAIC künftig eine eigene Marke für den chinesischen Markt für denkbar.

Warum ist China für deutsche Autobauer so wichtig?

Das asiatische Riesenreich mit seinen gut 1,3 Milliarden Menschen dürfte künftig zum größten Pkw-Markt der Welt werden. Experten sehen in China enormes Potenzial. Schon heute rangiert China vor Europa und hinter den USA auf Rang zwei. Seit dem vergangenen Jahr ist China sogar der größte Absatzmarkt für alle deutschen Nobelhersteller: Audi, BMW, Mercedes und Porsche verkauften 959.000 Neuwagen im Reich der Mitte. Der Volkswagen-Konzern rechnet in China in den nächsten Jahren etwa mit einem Wachstum des Automarktes von jeweils sechs bis acht Prozent.

Wie sind andere deutsche Autobauer dort aufgestellt?

Deutlich besser als Daimler. Volkswagen mit seiner langjährigen Erfahrung ist in China Marktführer. In der Liga der deutschen Premiumhersteller liegt die VW-Tochter Audi in China vorne: Dort standen im vergangenen Jahr 405.838 Audis 196.211 Mercedes-Benz gegenüber. Auch BMW hat mit 326.444 Autos verglichen mit Daimler klar die Nase vorn. Einen eigenen China-Vorstand wie Daimler haben die Bayern dort allerdings nicht. Audi trägt der Bedeutung Chinas unterdessen mit seinem ersten Entwicklungszentrum außerhalb Deutschlands Rechnung: In Peking sollen die Ingenieure und Designer der VW-Tochter Produkte künftig stärker auf die Wünsche asiatischer Kunden zuschneiden.

Mit dem starken Wachstum nimmt auch die Abhängigkeit deutscher Autobauer und besonders der Premiumhersteller von China zu. „Sicher ist, dass die Blase in der chinesischen Wirtschaft irgendwann platzen wird“, sagte der Experte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) der Nachrichtenagentur dpa. „Die Frage ist nur, wann und wie laut der Knall wird.“ Die Autohersteller müssten im Falle einer wirtschaftlichen Krise in China dann auch auf dem asiatischen Absatzmarkt einen Rückgang verkraften.

Die Zahl der von deutschen Herstellern in China verkauften Fahrzeuge hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdreifacht: Von 1,1 auf 3,7 Millionen Autos, berichtete der Unternehmensberater Ernst & Yang (EY). Der Anteil Chinas am gesamten Absatz nahm von 12 auf 28 Prozent zu. „Die aktuelle Stärke der deutschen Autohersteller ist ganz maßgeblich dem chinesischen Absatzmarkt zu verdanken“, sagte EY-Partner Peter Fuß. Spätestens nächstes Jahr werde China ohnehin Europa als größten Absatzmarkt für deutsche Autobauer ablösen. Fuß nannte den chinesischen Markt aber „schwierig und risikobehaftet“.

Trotz des seit 18 Monaten langsamsten Wirtschaftswachstums in China im ersten Quartal 2014 wird der Automarkt gegenwärtig durch „Panikkäufe“ von Kunden beflügelt, die in weiteren Metropolen neue Beschränkungen bei der Autozulassung befürchten. Außer Peking, Tianjin und Shanghai könnten acht weitere Millionenstädte die Zahl der neuen Nummernschilder begrenzen, hieß es in Medienberichten.

Von

dpa

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