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23.04.2012

02:24 Uhr

China

Automarkt soll sich wieder erholen - „Talsohle erreicht“

Nach der jüngsten Abschwächung soll der größte Automarkt der Welt in China langfristig wieder anziehen. Allerdings drohen jetzt möglicherweise Überkapazitäten. Das befürchtet die Unternehmensberatung KPMG.

Ein Arbeiter in einem Autowerk in Shanghai. Reuters

Ein Arbeiter in einem Autowerk in Shanghai.

PekingChinas Automarkt soll sicher wieder erholen. Experten rechnen in diesem Jahr mit rund fünf bis zehn Prozent Wachstum. „Die Talsohle ist erreicht“, sagte der Vizegeneraldirektor von Chinas Personenwagenvereinigung, Cui Dongshu, am Montag zum Auftakt der Internationalen Automesse in Peking. „Die Wachstumsrate im vergangenen und in diesen Jahr ist vergleichsweise niedrig, wird aber wohl nur vorübergehend sein.“ Er begründete seinen Optimismus mit dem großen Nachholbedarf in China. „Das Potenzial ist weiter groß“, sagte Cui Dongshu. „Viele Leute haben noch kein Auto.“

Im ersten Quartal dieses Jahre war der Absatz in China sogar erstmals seit sieben Jahren leicht zurückgegangen. „Der Wettbewerb und ein Preiskrieg sind ein Problem.“ Während aber vor allem die heimischen chinesischen Marken den Druck spürten, sei die Entwicklung bei den ausländischen Autokonzernen und ihren Gemeinschaftsunternehmen in China besser.

Der Vizegeneralsekretär sah auch noch keine Marktsättigung. „Die Entwicklung des chinesischen Automarktes dauert noch nicht lange. Es sind gerade erst zehn Jahre.“ Chinas Autohersteller nähmen zunehmend auch Märkte in anderen Ländern ins Visier.

Der Experte Jia Xinguang von der China Automobile Consulting Corporation sagte ein Exportwachstum von zehn Prozent in diesem Jahr voraus. „Die Ausfuhren entwickeln sich ziemlich schnell“, sagte auch Cui Dongshu. Chinas Hersteller seien weltweit sehr wettbewerbsfähig, aber durch die schlechte Konjunktur in anderen Ländern auch „hart getroffen“. Chinesische Autobauer täten sich im Ausland aber noch schwer. Vielfach fehle das Verständnis für ausländische Märkte, die Umweltbestimmungen und Verbrauchereigenschaften.

Auch das Servicenetz sei im Ausland nicht gut genug entwickelt. „Solche Probleme schädigen das Ansehen“, sagte Cui Donghua. Er schätzte, dass noch 10 bis 20 Jahren vergehen, bis diese Anlaufschwierigkeiten überwunden und chinesische Marken auf dem Weltmarkt voll wettbewerbsfähig seien.

Unterdessen warnt die Unternehmensberatung KPMG, dass Chinas Autoindustrie Überkapazitäten drohen. Die Zahl der Autofabriken werde sich zwischen 2009 und 2014 von 120 auf knapp 160 erhöhen. Dadurch ergebe sich eine Kapazitätsausweitung um 117 Prozent auf 35 Millionen Fahrzeuge pro Jahr.

„Hersteller in China scheinen gewillt zu sein, hohe Risiken einzugehen, um ihre Marktpräsenz im Reich der Mitte sicherzustellen“, sagte Mathieu Meyer, Leiter des Automobilbereichs bei KPMG. Überkapazitäten seien zwar in einem gewissen Ausmaß nötig, um auf schwankende Nachfrage flexibel reagieren und vom Wachstum profitieren zu können. „Doch eine sich abzeichnende Überkapazitätsquote von dauerhaft rund 30 Prozent ist bei weitem zu hoch.“

Wegen der Abkühlung des größten Automarktes der Welt in China bei gleichzeitigem Ausbau der Werke sei effektives Kapazitätsmanagement notwendig, „wenn die Hersteller ihre Fixkosten im Griff behalten und sich angemessene Margen sichern wollen“, schrieb KPMG. Die zusätzlichen Kapazitäten in China dürften in diesem Jahr bei gut 2 Millionen Pkw liegen.

„Durch das langsamere Marktwachstum weiten sich die Überkapazitäten in China aus“, warnte auch der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Bisher seien überwiegend chinesische Autobauer betroffen, doch greife das Problem auch auf ausländische Marken über. „Massenautos gehen in China nicht mehr weg wie warme Semmel, die Rabatte steigen“, sagte Dudenhöffer. „Damit sinken die China-Gewinne bei den Volumenherstellern.“ Bisher habe sich Volkswagen noch gut behaupten können, doch werde der Wettbewerb härter.

Von

dpa

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