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09.11.2015

07:15 Uhr

China macht Angst

Stahlbranche kommt nicht aus der Dauerkrise

Die Stahlindustrie in Europa hofft seit Jahren vergeblich auf bessere Zeiten. Stattdessen trüben sich die Aussichten derzeit sogar noch weiter ein. Grund ist die schwächelnde Konjunktur in China. Die Branche pocht auf Hilfen der Politik.

Die Salzgitter AG ist Deutschlands zweitgrößter Stahlkocher. dpa

Mitarbeiter der Salzgitter AG an einem Hochofen.

Die Salzgitter AG ist Deutschlands zweitgrößter Stahlkocher.

DüsseldorfEuropas Stahlindustrie kommt einfach nicht aus der Krise. Vom heftigen Wirtschaftseinbruch nach der Finanzkrise vor gut sieben Jahren hat sich die Branche bis heute nicht erholt. Kleine Hoffnungszeichen haben sich immer wieder aufgelöst. Derzeit herrscht wieder Alarmstimmung. Die Traditionsbranche sieht ihr Überleben in Gefahr.

Warum kommt die Branche nicht auf die Beine? Als Antwort reicht fast ein Wort: Überkapazitäten. Es geht um das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Zu viel Stahl stößt auf einen zu geringen Bedarf. Deshalb stehen die Preise unter Druck. Das war in den vergangenen Jahren wegen der Wirtschaftskrise im Süden vor allem ein Problem in Europa. Wegen der Konjunkturschwäche in China hat sich die Lage zuletzt weiter verschärft.

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Die Konzerne aus dem Reich der Mitte drücken ihre gewaltigen Überkapazitäten auf den Weltmarkt. In jüngster Zeit hat das Volumen noch einmal kräftig zugenommen. Die Preise einiger Sorten geraten b ereits unter Druck.

Wie sieht es in Deutschland aus? Den Stahlkonzernen hierzulande ging es zuletzt noch vergleichsweise gut. Dank der robusten deutschen Konjunktur konnten sie ihre Auslastung hoch halten. Dem branchenweiten Preisdruck können aber auch sie sich nicht entziehen. Erst am Donnerstag musste die deutsche Nummer zwei, Salzgitter, ihre Prognose senken.

Reagieren die Konzerne denn gar nicht? Doch, sie versuchen gegen den Preisverfall anzusparen. So hat Weltmarktführer Arcelor-Mittal in Europa in den vergangenen Jahren vier von 25 Hochöfen stillgelegt. Bei ThyssenKrupp haben die Stahlkocher in Duisburg ihre Wochenarbeitszeit reduziert und verzichten seitdem auf Lohn. Bei Salzgitter sind zahlreiche Stellen weggefallen. Das zahlte sich im ersten Halbjahr in höheren Gewinnen aus. Für Entlastung sorgte dabei auch der Verfall der Rohstoffpreise.

Ist das Schlimmste also vorüber? Die Nachfrage in Europa zieht zwar wieder an. Doch der globale Ausblick ist trüb. Erstmals seit langem erwartet der Weltstahlverband in diesem Jahr einen Nachfragerückgang. Vor allem China hält die Branche in Atem. Das Land ist der mit Abstand größte Stahlhersteller. Derzeit produziert es aber viel mehr Stahl als es selbst verbraucht. Die Rede ist von einer Überproduktion von 200 Millionen Tonnen, das ist mehr Stahl als derzeit in ganz Europa pro Jahr hergestellt wird. Die Überproduktion versuchen die Chinesen im Ausland loszuwerden, was dort die Preise verdirbt.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Was ist zu tun? Die Branche fordert Schutzzölle gegen vermeintliche Dumping-Angebote aus dem Reich der Mitte. „Wir haben in Europa den offensten und liberalsten Stahlmarkt der Welt“, sagt Karl-Ulrich Köhler vom zweitgrößten europäischen Stahlhersteller Tata Stell.

Für die Branche bedeute das, dass sie im Vergleich zu anderen Wirtschaftsregionen ungenügend vor unfairen Importen geschützt ist. „Wir brauchen international wirksame Handelskontrollen. Solange andere Wirtschaftsräume wie die USA, Russland und auch China Handelsströme durch kurzfristige Eingriffe schnell umlenken können, können wir nicht einfach untätig sein.“

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