Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.04.2012

06:43 Uhr

China

Maschinenbauer müssen neue Märkte besetzen

VonThomas Mersch

Deutsche Maschinenbauer müssen in China immer mehr die Konkurrenz fürchten. Denn zu oft konzentrieren sich die Unternehmen auf High-End-Maschinen, die zu teuer sind. Dabei bietet das mittlere Preissegment enorme Chancen.

Eine Produktionshalle von Sany: Das Unternehmen kaufte den Betonpumpenbauer Putzmeister. dpa

Eine Produktionshalle von Sany: Das Unternehmen kaufte den Betonpumpenbauer Putzmeister.

KölnSo klingt ein glücklicher Urlauber. Er möge Deutschland „sehr, sehr gerne“, sagte Liang Wengen am Dienstag vergangener Woche bei seinem Besuch in Aichtal. Doch die Reise des laut Forbes-Liste zweitreichsten Chinesen in die schwäbische Kleinstadt hatte wenig Erholungswert. Sie diente rein geschäftlichen Interessen.

Wengen besichtigte den Betonpumpenbauer Putzmeister, den seine Firma Sany drei Monate zuvor gekauft hatte. Mit einer Jobgarantie beruhigte er zuvor die Mitarbeiter, nun ging es um die Strategie. Baumaschinenhersteller Sany soll den Schwaben dank breiter Produktpalette Krisensicherheit bieten und selbst vom Putzmeister-Vertriebsnetz profitieren. Die Übernahme pries Wengen als „Vorbild der Zusammenarbeit zwischen deutschen und chinesischen Firmen“.

Bei vielen hiesigen Managern dürfte die Äußerung für Unbehagen sorgen. Der Maschinen- und Anlagenbau – bislang eine deutsche Vorzeigebranche – muss um die internationale Vormachtstellung fürchten, weil in China mächtige Konkurrenten heranwachsen. „Im Werkzeugmaschinenbau etwa sind chinesische Anbieter dabei, stark aufzuholen“, sagt Stefan Herr, Leiter des Competence Center Industry & Technology des Beratungsunternehmens Simon-Kucher. Er rät den deutschen Unternehmen, sich den Konkurrenten vor Ort zu stellen: „Man muss Märkte, wo die Post abgeht, rechtzeitig besetzen. Sonst wird man weggespült.“

Als Zukunftsmärkte für den Maschinenbau gelten Schwellenländer wie China oder Indien. Zwar mischen viele deutsche Anbieter hier schon mit. Doch laut Herr fällt es oft schwer, richtig Fuß zu fassen. Ursache sei, dass Qualitätsansprüche und Preisniveau ganz anders sind als in den Industriestaaten. Bei vielen Abnehmern in Schwellenländern gelten Maschinen „made in Germany“ als zu teuer und technisch überdimensioniert.

„Mangels Alternativen werden die Anlagen zwar gekauft“, sagt Herr. „Jedoch mit der Folge, dass die Kunden dauerhaft unzufrieden sind.“ Das eröffne lokalen Wettbewerbern, die abgespeckte Maschinen im Mittelpreissegment entwickeln, enorme Chancen. „Sie können dank des exorbitanten Marktwachstums rasch richtig groß werden“, erklärt Herr. „Als nächster Schritt folgt der Export.“ Und schließlich sogar der Vorstoß ins High-End-Segment. „Das ist ein ganz simpler Marktmechanismus.“

Leistungsschau

Themen

Am Montag beginnt die weltweit größte Technologieschau Hannover Messe in der niedersächsischen Landeshauptstadt. „Greentelligence“ lautet das diesjährige Leitthema. Bis zum kommenden Freitag zeigen knapp 5000 Unternehmen aus 70 Ländern im Rahmen von acht internationalen Leitmessen neue Produkte und Technologien. Einen Schwerpunkt bildet traditionell die Automatisierung. Neu auf dem Programm steht die Leitmesse „IndustrialGreenTec“.

Partner

China ist das Partnerland der Hannover Messe 2012. Der Auftritt soll Chinas politischen Schwenk zu mehr Nachhaltigkeit unterstreichen. Im Mittelpunkt stehen umweltfreundliche Energieerzeugung, intelligente Energienetze und Umwelttechnik – das Motto der Chinesen lautet „green + intelligence". China ist bei allen acht Leitmessen präsent. Ziel des Landes ist es, als Handelspartner und Investitionsstandort international an Bedeutung zu gewinnen.

Wie aber können sich die deutschen Maschinenbauer behaupten? Ziel muss laut Berater Herr sein, die Konkurrenz in Schwellenländern gar nicht erst entstehen zu lassen. „Es gilt, das mittlere Segment rechtzeitig zu besetzen.“ 30 bis 40 Prozent betrage der Preisunterschied. Über Rabatte für High-End-Maschinen sei das nicht zu erreichen. Auch ein paar Funktionen wegzulassen, sei keine Lösung. „Es sind eigene Produktlinien nötig.“

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

24.04.2012, 09:01 Uhr

Wie doof muss man eigentlich sein ? Wie bekloppt muss man sein seine ureigenste Kernkompetenz die deutsche Ingineurskunst und das damit verbundene Know how und den Wissenstransfer so zu prostituieren und als billigen Jakob anzubiedern.

Wie blöd muss man sein damit seine Zukunft und Zukunftsfähigkeit auf´s Spiel zusetzen und den künftigen Feind stark zu machen indem man ihm alles zeigt und beibringt.

Ganz einfach zu blöd für diese Welt indem nur und ausschließlich das schnelle Geld und der damit verbundene Profit von Relevanz ist anstatt Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit in weiser Voraussicht sicherzustellen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×