Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.07.2013

06:41 Uhr

China stützt Europas Autobauer

Mit den Flügeln des Drachen

VonLukas Bay

Europas angeschlagene Autobauer hoffen auf Rettung aus China. PSA Peugeot Citroën wirbt um einen Investor aus Fernost, Renault startet ein neues Gemeinschaftsunternehmen. Doch welches Interesse haben die neuen Partner?

China an Bord: Bei PSA Peugeot Citroën könnte bald ein Investor aus Fernost einsteigen. dpa

China an Bord: Bei PSA Peugeot Citroën könnte bald ein Investor aus Fernost einsteigen.

DüsseldorfDrachen spielen in der europäischen Mythologie traditionell eine zweifelhafte Rolle. Meist sind sie angsteinflößende Monster, alles verschlingend, schwer zu bezwingen. Lange eilte den chinesischen Autoherstellern in Europa ein ähnlicher Ruf voraus.

Nun könnten sich ausgerechnet die Chinesen als Retter in der Not entpuppen. Denn in der Absatzkrise geht einigen europäischen Autoherstellern das Geld aus. Europas zweitgrößter Autobauer PSA Peugeot Citroën funkte zuletzt SOS. 2012 ist der Umsatz der Franzosen um 3,1 Milliarden Euro auf 55,4 Milliarden Euro eingebrochen, der weltweite Autoabsatz ging von rund 3,1 auf 2,82 Millionen Stück zurück. Trotz rigider Sparprogramme neigen sich die Reserven langsam dem Ende zu.

Darum wird der Hilferuf der Franzosen lauter. PSA soll zuletzt mit dem chinesischen Autokonzern Dongfeng („Ostwind“) über ein Investment verhandelt haben. PSA-Verwaltungsrat-Chef Thierry Peugeot setze „große Hoffnungen“ in den neuen Investor, berichtete die chinesische Zeitung „21st Century Business Herald“. Beide Seiten stünden seit einiger Zeit in Kontakt miteinander, die Gespräche seien aber „sehr komplex“. Ein chinesischer Investor würde noch ein zweites Problem der Franzosen lösen: Bisher fährt PSA im Wachstumsmarkt China nämlich noch hinterher.

Chinas Autokonzerne

Saic

Die Shanghai Automotive Industry Corp. gründete mit Volkswagen einst das erste Joint Venture eines chinesischen Herstellers mit einem ausländischen Autobauer. Seit 1998 kooperiert der Konzern auch mit dem US-Riesen General Motors. Zum Portfolio gehören auch die britische Traditionsmarke GM und die chinesische Luxusmarke Roewe. Im Jahr 2012 produzierten die Chinesen 4,5 Millionen Fahrzeuge und sind damit der größte Autohersteller des Landes.

FAW

First Automotive Works aus Nordchina wurde einst unter sowjetischer Führung gegründet, unterhält aber vor allem enge Kontakte zu den japanischen Autobauern. Zu den Partnern gehört neben Toyota, Mazda und Daihatsu aber auch Volkswagen.

Dongfeng

Kein chinesischer Konzern unterhält mehr Joint Ventures als das Unternehmen aus Wuhan. Zu den ausländischen Partnern zählen Honda, Nissan, Peugeot, Kia und Citroën. Mit 3,2 Millionen produzierten Fahrzeug ist Dongfeng der drittgrößte chinesische Autohersteller.

Baic

Bekannt wurde die Beijing Automotive Group weil sie 2009 die Technik des insolventen schwedischen Autobauers Saab aufkaufte. Mit Mercedes-Benz und Hyundai unterhält der Konzern aus der chinesischen Hauptstadt Joint-Ventures. 2012 produzierte Baic 3,1 Millionen Fahrzeuge.

Chang'an

Der Mutterkonzern verdient sein Geld mit Waffen. Doch mit 2,07 Millionen produzierten Fahrzeugen ist der Konzern aus Zentralchina mittlerweile der fünftgrößte Autobauer des Landes. Zu den ausländischen Kooperationspartner gehören Ford, Suzuki, and PSA

Brilliance

Der BMW-Partner Brilliance gehörte zu den ersten chinesischen Autokonzernen, die den Sprung nach Europa wagten - und scheiterten. Mit einer Produktion 591.000 Fahrzeugen ist der Hersteller im Landesvergleich relativ klein.

Chery

Bis 2003 war das Unternehmen aus Wuhu der größte Autoexporteur des Landes. Dabei wurde der Konzern erst 1997 gegründet. Seit 2012 unterhält das Unternehmen ein Joint Venture mit Jaguar und Land Rover. Die Tochtermarke des Konzern Qoros soll bald auch auf den europäischen Markt kommen

Geely

Aus einer Manufaktur für Kühlschrankteile ist einer der größten Autohersteller des Landes hervorgegangen. Übersetzt bedeutet der Unternehmensname Glück verheißende Automobile. Einen Namen in Europa machten sich die Chinesen mit der Übernahme von Volvo.

Darum hatten die Franzosen ihre Aktivitäten in China zuletzt massiv ausgebaut. Mit Fahrzeugen wie dem SUV Wild Rubis von Citroën entwickelt auch die Designabteilung mittlerweile komplett eigenständige Fahrzeuge für den chinesischen Markt. Die Strategie scheint aufzugehen: Im ersten Halbjahr 2013 konnte PSA den Absatz um 33 Prozent steigern, obwohl der Gesamtmarkt nur um zwölf Prozent zulegen konnte. In absoluten Zahlen hinkt PSA damit aber immer noch hinterher. Zum Vergleich: Während die Franzosen in China 142.000 Fahrzeuge verkaufen, kommt VW auf 598.000.

Für Dongfeng wäre PSA nicht der einzige französische Partner. Bis Ende des Monats will auch Renault eine milliardenschwere Partnerschaft mit den Chinesen besiegeln. Elf Milliarden Yuan (rund 1,38 Milliarden Euro) sollen in ein Gemeinschaftsunternehmen fließen, das an der Börse in Hongkong gehandelt werden soll. Mit den Flügeln des Drachen wollen die Franzosen zu neuen Höhenflügen ansetzen. Bereits im Mai hatten die beiden Unternehmen grünes Licht für ein neues Werk mit einer Kapazität von 150.000 Autos pro Jahr erhalten. An der Pariser Börse beflügelten die Spekulationen den Kurs der Renault-Papiere.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Daddy

10.07.2013, 08:55 Uhr

Es ist schon länger absehbar , das die Chinesen mit Ihren
eigenen Marken mittel bis lanffristig die europäischen Marken
durch intelligentes Managment und Kapitalstärke und nicht zu-
letzt durch staatliche Hilfe beiseite drängen werden .Die
Solarindustrie sollte eigentlich Warnung genug sein .

wanze1958

10.07.2013, 10:37 Uhr

Das die Übernahme von europäischen Marken durch die Chinesen nicht immer von Erfolg gekrönt wird kann man gut am Beispiel von Saab sehen. In China läuft die Produktion, jedoch in Europa wären diese Fz. unverkäuflich. Jetzt wird ein Neustart in Trollhättan mit einem modifiziertem 9-3 gestartet. Das kommt eigentlich zu spät, da das Händlernetz in Europa kaum noch vorhanden ist. Der ursprüngliche Traum vom rein elektrischen Saab wurde erst mal zurückgestellt. Es werden wohl erst mal wieder konventionelle Antriebe kommen was auch richtig ist. Jedoch werden die geringen Stückzahlen auch in Zukunft in diesem Segment das Problem bleiben. Hinzu kommt der erlittene Imageschaden aus der Vergangenheit. Die meisten Saab Fahrer haben sich mittlerweile umorientiert wie auch die Händler.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×