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07.02.2014

13:46 Uhr

Chinas Offensive

Vertreibung aus dem Autoparadies

VonLukas Bay

Der chinesische Automarkt ist das Dorado für die deutschen Autokonzerne. Doch mit dem chinesischen Autobauer Qoros wächst ein Konkurrent heran, der dieses Jahr in seinem Heimatland massiv expandieren will.

Auf dem Autosalon in Genf will Qoros ein neues Modell enthüllen. Der Quoros 3 Sedan kommt bereits dieses Jahr auf die Straße - allerdings erst in China. AP/dpa

Auf dem Autosalon in Genf will Qoros ein neues Modell enthüllen. Der Quoros 3 Sedan kommt bereits dieses Jahr auf die Straße - allerdings erst in China.

BochumEs gab eine Zeit, in der in China gerade einmal so viele Autos verkauft wurden wie in Holland. Zur Jahrtausendwende betrug der Anteil der Chinesen am Weltmarkt gerade einmal 1,3 Prozent. Seitdem vollzieht sich ein Aufstieg, der in der Automobilgeschichte beispiellos ist. 16,3 Millionen Autos wurden allein 2013 verkauft. Damit ist China nicht nur der wichtigste Automarkt der Welt, sondern der einzige Markt, in dem die deutschen Autokonzerne Volkswagen, Daimler und BMW ein signifikantes Wachstum vorweisen können.

Im Jahr 2025 - so prognostiziert es das CAR-Institut der Uni Duisburg-Essen - wird jeder dritte Neuwagen in China verkauft. Mit 35,7 Millionen verkauften Fahrzeugen wäre der Absatz mehr als doppelt so hoch wie heute. Bisher sind es vor allem die ausländischen Konzerne, die von diesem Wachstum profitieren. Volkswagen verkaufte 2013 in China 3,27 Millionen Autos, mehr als jeder Hersteller. Doch nun soll die Dominanz der ausländischen Autobauer langsam gebrochen werden – mit deutscher Hilfe.

Unter der Führung des ehemaligen VW-Managers Volker Steinwascher wird in China eine neue Automarke geboren, die nicht mehr viel mit den oft rückständigen chinesischen Modellen der Vergangenheit zu tun hat. Hinter Qoros stehen der chinesische Autohersteller Chery und die Israel Corporation. 2,5 Milliarden Dollar haben die beiden Unternehmen seit dem Jahr 2007 in die Entwicklung des neuen Unternehmens investiert.

Chinas Autokonzerne

Saic

Die Shanghai Automotive Industry Corp. gründete mit Volkswagen einst das erste Joint Venture eines chinesischen Herstellers mit einem ausländischen Autobauer. Seit 1998 kooperiert der Konzern auch mit dem US-Riesen General Motors. Zum Portfolio gehören auch die britische Traditionsmarke GM und die chinesische Luxusmarke Roewe. Im Jahr 2012 produzierten die Chinesen 4,5 Millionen Fahrzeuge und sind damit der größte Autohersteller des Landes.

FAW

First Automotive Works aus Nordchina wurde einst unter sowjetischer Führung gegründet, unterhält aber vor allem enge Kontakte zu den japanischen Autobauern. Zu den Partnern gehört neben Toyota, Mazda und Daihatsu aber auch Volkswagen.

Dongfeng

Kein chinesischer Konzern unterhält mehr Joint Ventures als das Unternehmen aus Wuhan. Zu den ausländischen Partnern zählen Honda, Nissan, Peugeot, Kia und Citroën. Mit 3,2 Millionen produzierten Fahrzeug ist Dongfeng der drittgrößte chinesische Autohersteller.

Baic

Bekannt wurde die Beijing Automotive Group weil sie 2009 die Technik des insolventen schwedischen Autobauers Saab aufkaufte. Mit Mercedes-Benz und Hyundai unterhält der Konzern aus der chinesischen Hauptstadt Joint-Ventures. 2012 produzierte Baic 3,1 Millionen Fahrzeuge.

Chang'an

Der Mutterkonzern verdient sein Geld mit Waffen. Doch mit 2,07 Millionen produzierten Fahrzeugen ist der Konzern aus Zentralchina mittlerweile der fünftgrößte Autobauer des Landes. Zu den ausländischen Kooperationspartner gehören Ford, Suzuki, and PSA

Brilliance

Der BMW-Partner Brilliance gehörte zu den ersten chinesischen Autokonzernen, die den Sprung nach Europa wagten - und scheiterten. Mit einer Produktion 591.000 Fahrzeugen ist der Hersteller im Landesvergleich relativ klein.

Chery

Bis 2003 war das Unternehmen aus Wuhu der größte Autoexporteur des Landes. Dabei wurde der Konzern erst 1997 gegründet. Seit 2012 unterhält das Unternehmen ein Joint Venture mit Jaguar und Land Rover. Die Tochtermarke des Konzern Qoros soll bald auch auf den europäischen Markt kommen

Geely

Aus einer Manufaktur für Kühlschrankteile ist einer der größten Autohersteller des Landes hervorgegangen. Übersetzt bedeutet der Unternehmensname Glück verheißende Automobile. Einen Namen in Europa machten sich die Chinesen mit der Übernahme von Volvo.

Schon beim Namen haben die Marketingstrategen versucht, sich von der bisherigen Billigstrategie abzuheben. Qoros soll für Qualität stehen, sagt Steinwäscher. Die Entwicklungsarbeit kommt vorwiegend aus Europa: 400 Experten aus mehr als zehn Ländern hat Qoros eingekauft. Sie kommen von VW, BMW, Jaguar, Volvo, Saab, General Motors und Fiat.

„Wir bauen keine chinesischen Autos“, sagt der ehemalige VW-Manager Steinwascher. Zunächst einmal baut man darum das Händlernetz in China aus. Derzeit verkaufen 22 Händler Qoros-Modelle, Ende des Jahres sollen es 100 bis 130 sein. Vom Marktführer Volkswagen, der etwa 1000 eigene Händler in China hat, wäre man damit immer noch weit entfernt. Doch die Qoros-Manager haben großes Vertrauen, dass auch der Absatz anziehen wird. So wolle man erst in China erfolgreich sein – dann in der ganzen Welt.

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