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21.01.2009

05:59 Uhr

Chinesen als Käufer

Thyssen verkauft Transrapid-Technik

VonEberhard Krummheuer , Andreas Hoffbauer

ExklusivDer Industriekonzern Thyssen-Krupp setzt nach dem Scheitern des Transrapid-Projektes in München auf die seit langem angestrebte Verlängerung der weltweit einzigen kommerziellen Magnetbahnstrecke in Schanghai. Um dies den Chinesen schmackhaft zu machen, will der Konzern Teile seiner Magnetschwebetechnologie an China verkaufen.

Ein Transrapid in Shanghai. Foto: ap Quelle: ap

Ein Transrapid in Shanghai. Foto: ap

PEKING/DÜSSELDORF. Eine entsprechende Vereinbarung soll kommende Woche beim Berlin-Besuch des chinesischen Premiers Wen Jiabao unterzeichnet werden, erfuhr das Handelsblatt aus industrienahen Kreisen. Unklar ist jedoch, wie weit der Know-how-Transfer geht. Eine Thyssen-Sprecherin betonte, der Konzern glaube weiter an die Magnetschwebe-Technik: "Die Kerntechnologie bleibt bei uns." Aus Kreisen der Beteiligten am geplatzten Münchener Projekt hieß es allerdings, Thyssen-Krupp habe kein Interesse mehr am Transrapid und wolle tendenziell alles verkaufen.

Das Bundesverkehrsministerium teilte auf Anfrage mit, dass der Bund als Förderer der Transrapid-Technologie nicht nur ein Mitspracherecht bei der Veräußerung habe, sondern auch an den Einnahmen des LizenzVerkaufs beteiligt werden müsste. Eine Sprecherin erklärte, der Bund habe einen Anspruch auf bis zu 100 Mio. Euro Rückzahlung für seine aus Steuergeldern geleistete Entwicklungshilfe für die Magnetbahn.

Transrapid-Partner Siemens hat dagegen keine Verkaufsabsichten. Während Thyssen die eigentliche Magnetschwebetechnik beisteuert, liefert der Münchner Konzern für den Transrapid die Stromversorgung in der Strecke und die komplette Leit- und Sicherungstechnik. "Unser vordringliches Ziel war und bleibt, die Kernkompetenzen der Transrapid-Technologie bei Siemens zu erhalten", erklärte ein Sprecher. Bahntechnik-Experten begründen das damit, dass die Siemens-Technologie prinzipiell identisch ist mit den Steuerungs- und Überwachungssystemen für Hochgeschwindigkeitsbahnen wie dem ICE. Da lasse sich Siemens nicht in die Karten schauen.

Allerdings setzt auch Siemens auf einen positiven Schub durch den Besuch des chinesischen Premiers in Berlin. Das Projekt in Schanghai sei "von strategischer Bedeutung für die weitere Vermarktung", so Siemens gestern. "Wenn hier der Durchbruch gelingt, eröffnen sich aus unserer Sicht weitere Möglichkeiten auch in anderen Regionen", hieß es.

In Schanghai hatte Oberbürgermeister Han Zheng am Wochenende erklärt, die Verlängerung der seit fünf Jahren bestehenden Transrapid-Strecke vom Flughafen Pudong in Richtung Innenstadt sei nun wieder Teil der städtischen Verkehrsplanung. Die Metropole plant eine 32 Kilometer lange Verbindung zwischen den beiden großen Flughäfen Hongqiao und Pudong.

Für die Verlängerung in Schanghai und eine Weiterführung in die 160 Kilometer entfernte Stadt Hangzhou waren Ende 2006 Verträge zwischen Thyssen/Siemens und dem chinesischen Kunden unterzeichnet worden, die aber erst nach der Genehmigung durch die chinesische Regierung in Kraft treten können.

Doch auch in China spielen inzwischen Kosten und Bürgereinwände zunehmend eine Rolle. Selten hat ein Infrastrukturprojekt so viel Widerstand in China bekommen. Der Transrapid-Plan von Schanghai gehört so auch nicht zum Krisen-Konjunkturpaket, das Peking im November verkündet hat. Nun soll aber der Technologie-Deal die letzten Hürden beseitigen. Denkbar ist eine Lizenzvergabe, die auch die 220 Transrapid-Arbeitsplätze im hessischen Kassel erhalten könnte. Thyssen hofft auf einen dreistelligen Millionenbetrag aus dem Lizenzverkauf.

Bisher haben die Chinesen laut Presseberichten über eine Lizenz nur Zugriff auf die Waggons. Käme es zu einem Verkauf der Schwebetechnologie, könnten die Chinesen die Magnetbahn selbst bauen. China verfüge bereits über eine Transrapid-Teststrecke und die Grundlagen für das Verkehrssystem, hat der Vizedirektor des Eisenbahn-Instituts der Shanghaier Tongji-Universität, Xie Weida, bestätigt. Bislang sei der Zukauf der Magnetbahn-Kerntechnologie aber am hohen Preis gescheitert.

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