Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.04.2012

07:26 Uhr

Chinesische Einkaufstour

Ohne Formel kein Erfolg

VonDieter Fockenbrock

An die Namen etlicher chinesischer Firmen müssen wir uns gewöhnen. Sie fallen immer wieder durch Übernahmen deutscher Mittelständler auf und schmücken sich mit deren Marken. Ein Kommentar.

Chinesische Unternehmen kaufen europäische Konzerne mit starken Marken auf - wie zum Beispiel Volvo-Neubesitzer Geely. Reuters

Chinesische Unternehmen kaufen europäische Konzerne mit starken Marken auf - wie zum Beispiel Volvo-Neubesitzer Geely.

Es sind die Namen chinesischer Firmen, die gerade auf Einkaufstour in Europa sind. Sie sind auf der Suche nach Marken – nach starken Marken. Am liebsten kaufen sie gleich Weltmarktführer. So wie die chinesische Sany den schwäbischen Hersteller von Betonpumpen, Putzmeister. Und wenn nicht alles täuscht, wird bald der große Unbekannte Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) beim westfälischen Baumaschinenhersteller Schwing einsteigen.

Die auffällig häufigen Übernahmen deutscher Mittelständler durch Chinesen fügt sich ein in eine Serie aus jüngster Vergangenheit. Geely schnappte sich die schwedische Automarke Volvo, Hebei den weltbekannten Hersteller von Autoschlössern, Kiekert. China National Bluestar langte in Norwegen zu und ist jetzt Eigentümer des Siliziumspezialisten Elkem – ein Milliardendeal.

Dieter Fockenbrock

Der Autor

Dieter Fockenbrock ist Chefkorrespondent im Ressort Unternehmen & Märkte.

Die Reihe ließe sich fortsetzen. Allein im vergangenen Jahr gingen 15 deutsche Firmen an Käufer aus dem Reich der Mitte. Und wir können davon ausgehen, dass selbst die unbekannteren, kleinen Namen in ihren Branchen meist Weltruf genießen.

Doch was treibt die offensichtlich potenten Einkäufer aus den chinesischen Provinzen dazu, ein Unternehmen nach dem anderen mit großem Namen in Europa aufzukaufen? Und – wen wundert es – bei ihrer Suche vor allem in Deutschland fündig zu werden?

Wichtig ist Chinesen zweifellos, sich mit klingenden Namen zu schmücken. Nach Miele würde sich vermutlich jeder Hausgerätehersteller zwischen Schanghai und Peking die Finger lecken. Doch allein die Trophäe davonzutragen wird auch einem markenversessenen Chinesen nicht reichen. Am Ende muss selbst im Staatskapitalismus Geld verdient werden.

Bleibt also das zweite Argument: der Einkauf von Know-how. Nach Größe gemessen, spielen viele Firmen aus China längst in der Weltliga. Das bringt schon der riesige Heimatmarkt mit sich. Gemessen an den Produkten oder der Technik, hinken ebenso viele meilenweit hinter den Branchenführern her.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Markus.Ehrler

13.04.2012, 01:10 Uhr

Es wird im Artikel die Frage aufgeworfen, warum die Chinesen soviel internationale Unternehmen aufkaufen?

Antwort, weil sie übermässig viel Devisenreserven haben und nicht mehr wissen, wo sie noch investieren sollen - Binnenwirtschaft geht nicht - wäre aus verschiedenen Gründen zu gefährlich!

Warum haben sie denn soviel Devisenreserven? Weil sie den Yuan manipulieren!.

Warum manipulieren sie den Yuan? Damit sie international ohne Wettbewerb die Konkurrenz besiegen können und der Westen dies zulässt, sich ohne Wettbewerb besiegen zu lassen!

Warum lässt das der Westen zu? Weil offenbar die Marktprinzipen dort aus der Mode gekommen sind, man hat sie ja in den eigenen Volkswirtschaften selbst auch mit zunehmendem Marktinterventionismus torpediert!

Warum hat der Westen die jahrzehntelangen erfolgreichen Marktprinzipien bei sich selber torpediert.

DAS MÖCHTE ICH GERNE WISSEN

Ihre Antworten nehme ich gerne unter www.weltwirtschaft.jimdo.com entgegen

Einanderer

13.04.2012, 07:45 Uhr

Eine ziemlich gute Frage, aber ich glaube es war noch nie anders, ich glaube die Marktprinzipien wurden immer schon gebogen und gebrochen, frei nach "politischem" Bedarf.

fre

13.04.2012, 11:19 Uhr

Die Frage bleibt wollen sie für einen chinesischen Chef arbeiten? Age-based society ohne die Kenntnis der Emanzipation/sexuellen Revolution. Gesetz und Gehorsam, Hinterfragen des Systems nicht erlaubt. Der Wettbewerb um Technik ist alles. (im sozialen Bereich sind die Asiaten doch noch immer 50 Jahre zurück)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×