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15.01.2011

08:00 Uhr

Chinesischer Markt

Die große Furcht der Autobauer

Peking kappt die Zahl der Autos in der Stadt. Nur jedes zehnte wird noch zugelassen - eine Wachstumsbremse auch und vor allem für die deutschen Autobauer. Vertreter von Audi, BMW und Co. versuchen dennoch jede Aufregung zu vermeiden. Für sie war China zuletzt der wichtigste Wachstumsmarkt.

Morgendlicher Verkehrsstau in Peking: Um das Chaos auf den Straßen in den Griff zu bekommen, will die Stadt die Zahl der Neuzulassungen von Autos halbieren. dpa

Morgendlicher Verkehrsstau in Peking: Um das Chaos auf den Straßen in den Griff zu bekommen, will die Stadt die Zahl der Neuzulassungen von Autos halbieren.

PEKING. Herr Zhu hat in den vergangenen Jahren viel erlebt. Der Verkäufer in einem Pekinger BMW-Autohaus sah, wie die deutschen Autobauer China entdeckten, wie die Chinesen deutsche Autos entdeckten und schließlich die Verkaufsräume von BMW, Mercedes oder Audi stürmten. So etwas wie in den vergangenen Wochen hat Herr Zhu aber noch nicht erlebt: "Noch am 23. Dezember haben wir bis vier Uhr morgens durchgearbeitet und die Autos im Akkord verkauft", erzählt Herr Zhu. Jetzt aber steht er mit seinen vier Kollegen in der Weite des Verkaufsraums allein.

Denn seit dem 24. Dezember gilt in Peking ein neuer Verwaltungsakt. Mit diesem beschränkt die Stadt die Zulassung von Autos. Nummernschilder werden jetzt unter Interessenten ausgelost. Wer kein Nummernschild kriegt, darf auch nicht in die Stadt fahren.

Dreck, Lärm, Kollaps - die Pekinger Stadtoberen wollen das stete Wachstum ihrer Stadt verlangsamen, um nicht in den Verkehrsinfarkt zu steuern. Deswegen wird künftig, Schätzungen zufolge, nur noch jedes zehnte beantragte neue Auto für den Pekinger Stadtverkehr zugelassen. Damit bremst einer der wichtigsten Märkte der vergangenen Jahre für die Autoindustrie sein Wachstum.

Nun sind sie alle verunsichert: die Autoverkäufer, die nicht wissen, ob sie künftig Geschäfte machen; die Pekinger, die sich fragen, ob sie den Traum vom Auto begraben müssen. Und die deutschen Autobauer, die nicht so genau wissen, was der Schritt der Stadtregierung für ihre Wachstumspläne heißt. In den vergangenen Monaten war China der wichtigste Wachstumsmarkt für BMW, Audi und Mercedes, sicherte in zig deutschen Autowerken die Beschäftigung.

Herr Zhu und seine Kollegen, die die deutschen Autos in Peking verkaufen sollen, polieren nun Kotflügel, erledigen Verwaltungskram oder stehen einfach nur herum. Herr Zhu sagt: "Normalerweise hätten wir um diese Zeit viele Leute im Geschäft, die sich wirklich für einen Autokauf interessieren." Besuchen sonst um die 200 Kunden pro Tag das Autohaus in der Innenstadt, seien es derzeit höchstens 20.

Wer einen Autokauf plant, muss sich zunächst im Internet für die Nummernschild-Lotterie registrieren. Die Behörden vergeben dann am 26. jedes Monats 20 000 Neuzulassungen nach dem Zufallsprinzip.

Die deutschen Autobauer und das Prinzip Hoffnung

Vertreter von Audi, BMW und Co. in China versuchen dennoch jede Aufregung zu vermeiden. Für sie war China zuletzt der wichtigste Wachstumsmarkt. Daimler aber erwartet von der Zulassungsbeschränkung keine größeren Auswirkungen auf das gehobene Marktsegment. "Aus heutiger Sicht können wir unsere Aussage zur Entwicklung des Premiummarkts bisher bestätigen", sagt ein Mercedes-Sprecher in Peking. Das Unternehmen rechnet damit, dass der Absatz von Luxusautos im zweistelligen Bereich steigt. Andere deutsche Konzerne vor Ort schweigen zu dem Thema. VW etwa lässt statt Worten Taten sprechen. Die Wolfsburger investieren bis Ende 2015 mehr als zehn Milliarden Euro in China. Gestern wurde bekannt, dass Daimler und VW Verträge über etwa fünf Milliarden Euro in dem Land unterzeichneten.

Kommentare (6)

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no.7

15.01.2011, 12:44 Uhr

ich würde da noch einen Schritt weitergehen und sagen: drastische erhöhung der Luxussteuer auf teure autos ! Dieser auto-irrsinn hat doch keine zukunft. um in der gegend umherzufahren und mit dem dicken benz protzen zu können, ruinieren wir uns im rekordtempo das weltklima. das was wir in queensland und brasilien haben, wird immer mehr zur normalität werden. wollen wir das wirklich so haben ? Damit Geschäftemacher im bMW sitzen und angeben können, und damit deutsche aktionäre prassen können ?? das solls sein ? Man muß an die vernunft der Leute appellieren: stoppt diesen autowahn so schnell wie möglich. Und zuallererst die Luxuskarossen, auch wenn Deutschland dann weniger exportiert. weg mit diesem hochgepushten Autowahn. Kein ressourcenverbrauch für luxusautos ! - wenn es kleine Elektrowagen sind, ist es etwas anderes. das kann man schon eher befürworten. aber elekrtroautos werden ja noch kaum in nennenswerten Stückzahlen verkauft. Es geht bei Luxusschlitten nur um Prunk und Protz, um nichts anderes. deshalb müssen die staaten hier eingreifen, Appelle reichen nicht. es geht eben nicht anders, auch wenn es viel besser wäre, wenn die leute ohne staatseingriff zur vernunft kämen. in diesem sinne: herunter mit den Verkaufszahlen von sogenannten Premiumautos, auch wenn die deutschen hersteller schreien. schreit nur, das macht nichts. ihr habt schon mehr als genug abgesahnt- auf kosten der umwelt !

Peter Scholz

15.01.2011, 16:00 Uhr

Experten rechnen mit einer Vervierfachung der weltweit zugelassenen PKWs bis ins Jahr 2050 auf über 3 Mrd.
Sollte es so kommen, daß der derzeitige bestand als E-Mobil zugelassen sein wird, so wird sich bei aller Sparsamkeit der Treibstoffbedarf mindesten verdoppeln und die Kraftstoffpreise werden entsprechend teuer werden. Am CO²-Ausstoß wird sich durch die E-Mobilität sehr wenig ändern, da hinsichtlich der Stromerzeugung die meisten Kraftwerke fossile Energieträger verbrennen. Hier rechne ich mit einer Verdreifachung der CO²-menge. Atomstrom ist einschließlich Aufbearbeitung, Zwischen- und Endlagerung die teuerste Stromvariante da neben dem Aufbereitungs-Atommüll der brennstäbe auch hochgiftige Chemikalien anfallen.
Durch den Straßenverkehr entstehen nur bei uns externe Kosten von 130 Mrd. Euro/Jahr (EU 750 Mrd./a) die das Steuern- und Sozialsystem belasten.
Rechnet man dies weltweit hoch, dann sind das 9 750 Mrd. Euro/a ohne berücksichtigung der unterschiedlichen Währungskaufkraft und bis 2050 über 200 bil. Euro. Die momentane Staatsverschuldung der EU oder der USA, die damit etwas zutun hat, oder der Außenhandelsüberschuß Chinas, sind dagegen reinste Peanuts.
Also werden die Autobauer nochmals rechnen müssen, denn mit diesen Zuwachsraten ist der Globus eindeutig überfordert.
Die Lösung liegt in der Verkehrsvermeidung und in der Magnetschwebetechnik.-wenn es nicht schon zu spät ist-

http://www.bps-niedenstein.de/

no.7

15.01.2011, 17:35 Uhr

@Peter Scholz. so ist es. auch der umstieg auf elektro bringt nichts. denn auch für Elektroautos muß Stahl und kunststoff geschmolzen werden mit den entsprechenden Emissionen. wenn also auf elektro umgestiegen wird und immer mehr elektroautos produziert werden, bringt das dem klima unterm Strich gar nichts. wir müssen vom verbrauch fossiler brennstoffe weltweit herunterkommen, aber davon sind wir meilenweit entfernt. die lösung kann nur Verkehrsvermeidung heißen- aber wie ist denn die realität ? Die LKW belagern jetzt schon die komplette rechte Spur auf der autobahn, und geht es nach Schwarzgelb, so werden sie in 10 Jahren auch noch die linke spur vereinnahmen. anstatt verkehr vermeiden zu helfen, schürt die deutsche klientelpolitik die hin und hertransportiererei sowie die mobilität allgemein sogar noch an ! das muß man sich mal geben....

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