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02.02.2005

11:52 Uhr

Industrie

Chronik eines angekündigten Todes

VonDieter Fockenbrock und Michael Maisch

"Sehr geehrte Damen und Herren, dieses Schreiben enthält entgegen der uns mündlich auf Vorstandsebene erteilten Zusage erhebliche Bedingungen, die den Einigungsprozess deutlich erschweren.“ Nur ein Satz in Bürokratendeutsch, aus einem Fax, das die Deutsche Bank am Montagmorgen an die übrigen Gläubiger des schwer angeschlagenen Konzerns Walter Bau verschickt hat. Doch die wenigen Worte reichen aus, um das wackelnde Imperium des bayerischen Bauunternehmers Ignaz Walter endgültig zum Einsturz zu bringen.

Mit diesem einen Satz ließ die Deutsche Bank als Sprecherin der 27 Gläubigerbanken die anderen Geldhäuser wissen, dass das niederländische Institut ABN Amro den brüchigen Konsens aufgekündigt hatte. Von Anfang an war klar: Bricht nur eine Bank aus, rutscht Walter in die Pleite. Das ist offenbar auch einem Teil der beteiligten Banken ganz recht. „Das Ausscheren von ABN Amro ist für einige wie ein Gottesgeschenk“, sagt ein Insider. Denn mehrere Banker hatten von Anfang an grundsätzliche Bedenken.

Nach zweieinhalb Wochen zwischen Hoffen und Bangen ist es für die fast 10 000 Menschen beim viertgrößten deutschen Baukonzern Gewissheit, ihr Unternehmen ist so nicht mehr zu retten. Die Gewerkschaft sieht bis zu 2 000 Jobs gefährdet. Die Chronik eines angekündigten Todes:

Mittwoch, 12. Januar 2005
Es ist ein für den Monat Januar ungewöhnlich milder Tag, an dem sich die Gläubigerbanken und Walter Bau zum ersten Krisengipfel treffen. Dem Konzern geht es schlecht, sehr schlecht. Die Zeit drängt. In der Kasse herrscht Ebbe, weil Rechnungen über 450 Millionen Euro offen stehen. Finanzvorstand Christian Fischer und Firmenpatriarch Ignaz Walter präsentieren einen Rettungsplan, entwickelt von der Beratungsgesellschaft Roland Berger: Durch Entlassungen will der Baukonzern bis zu 60 Millionen Euro sparen, der Verkauf der profitablen Bautechniktochter DSI soll 150 Millionen Euro in die Kasse bringen. Im Gegenzug sollen die Banken den Kreditrahmen sowie die Bürgschaften von 1,5 Milliarden Euro sichern. Doch längst nicht alle glauben an die Rettung: „Die Kernbanken sind extrem überrascht über die negative Entwicklung. Es wird offen über die Sanierungsfähigkeit von Walter Bau diskutiert“, heißt es aus einem der Institute.

Donnerstag, 13. Januar
Um Walter zu retten, müssen alle 27 Banken das Rettungskonzept akzeptieren. Das ist für Walter ein denkbar ungünstiges Szenario. Denn angesichts der Schieflage haben die Häuser nur ein Interesse: ihre eigenen Forderungen zu sichern. Auf keinen Fall wollen sie schlechtem Geld noch gutes hinterherwerfen. Die Deutsche Bank übernimmt die Führung im Club, weitere wichtige Institute sind die Bayerische Landesbank, die Hypo-Vereinsbank und die Commerzbank. Bereits jetzt werden Gräben gezogen, in denen sich die Protagonisten im Laufe der Verhandlungen verschanzen werden.

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