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16.12.2013

06:32 Uhr

Claas-Chef Freye

„,Bauer sucht Frau’ amüsiert mich“

VonChristof Kerkmann

Im Fernsehen entsteht ein falscher Eindruck: Landwirtschaft ist High-Tech. „Das Bild der Branche ist im Wandel“, so Theo Freye, Chef des Mähdrescher-Spezialisten Claas. Derzeit in Arbeit: Eine Drohne, die Tiere aufspürt.

Claas-Chef Theo Freye: „Wir müssen nicht in Quartalen denken.“ Dirk Hoppe für Handelsblatt

Claas-Chef Theo Freye: „Wir müssen nicht in Quartalen denken.“

HarsewinkelTheo Freye sitzt gern selbst am Steuer: Bei der Werksbesichtigung lenkt der Chef des Landmaschinen-Herstellers Claas das Golf-Cart durch die Produktionshalle. Auch kurz vor Feierabend ist noch viel los – das Geschäft mit Mähdreschern, Feldhäckslern und Traktoren brummt, im Jahr des 100-jährigen Jubiläums hofft das ostwestfälische Unternehmen auf ein Rekordergebnis. Zum Interview im nüchtern-weißen Besprechungsraum bringt der 64-jährige Freye seinen Finanzchef Hans Lampert mit.

Handelsblatt Online: Amazon und die Post verteilen Pakete mit Drohnen. In der Landwirtschaft sollen Felder aus der Luft überwacht worden. Wann gibt es Flugobjekte in Claas-grün?

Theo Freye: Drohnen sind im Moment ein Modethema. Universitäten, Wissenschaft und auch die Industrie arbeiten durchaus mit Zukunftsvisionen, die so was beinhalten. Wir entwickeln in einem Forschungsprojekt eine Drohne mit Infrarotkamera, die ein Feld vor der Ernte abfliegt und als Wildretter zum Beispiel Rehkitze aufspürt. Und wir analysieren bereits mit Satellitenbildern von Dienstleistern Aufwuchs und Zustand von Pflanzen.

Vernetzung ist in der Landwirtschaft ein großer Trend, die von Claas initiierte Internet-Plattform 365 Farmnet lässt sich auch mit dem iPad steuern. Ist das „Farmville“ für echte Bauern?

Freye: Die Plattform ist gegenüber bisherigen Ansätzen ein großer Fortschritt: Ein moderner Landwirt jongliert mit fünf oder zehn Software-Paketen. 365 Farmnet vereinheitlicht das Management in einem System mit einheitlicher Datenhaltung. Der vernetzte Mähdrescher misst beispielsweise, wie viel er erntet – das ist Voraussetzung, um Düngeempfehlungen auszusprechen.

Zahlen und Fakten zu Claas

Gegründet vor 100 Jahren

August Claas gründete die Firma im Jahr 1913, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs – zunächst produzierte und reparierte er Strohbinder. Den ersten Mähdrescher entwickelte die Firma ab 1930.

Mähdrescher und Feldhäcksler

Claas zählt zu den fünf größten Landtechnik-Herstellern der Welt. Als wichtigstes Claas-Produkt gilt der Mähdrescher – in Europa ist das Unternehmen damit Marktführer. Bei den Feldhäckslern sieht sich der Hersteller gar als Weltmarktführer. Zudem stellt es seit 2003 Traktoren her – damals übernahm Claas eine Renault-Sparte.

Familie mischt noch mit

Die Familie Claas ist derzeit nicht in der Geschäftsführung vertreten, mischt aber immer noch mit: Der 87-jährige Helmut Claas, Sohn des Firmengründers, leitet den für die langfristige Strategie zuständigen Gesellschafterausschuss. Seine Tochter Cathrina Claas-Mühlhäuser ist Vorsitzende des Aufsichtsrates.

Rund 9700 Mitarbeiter

Claas beschäftigt weltweit rund 9700 Mitarbeiter, jeder zweite davon im Ausland. Dieser Anteil dürfte sich weiter verlagern, wenn die Übernahme eines chinesischen Unternehmens abgeschlossen ist.

Fabriken in aller Welt

Claas produziert nicht nur in Deutschland und Frankreich, Fabriken stehen unter anderem auch in Ungarn, Russland, den USA und Indien. Außerdem kauft das Unternehmen einen chinesischen Landtechnik-Hersteller. Der Vertrieb ist in mehr als 100 Ländern vertreten.

Geschäft mit Know-how

Claas hat mehr als 3000 aktive Patente, darunter Steuerungssysteme für selbstfahrende Landmaschinen und ein „Datengenerierungs- und -übertragungssystem in landwirtschaftlichen Arbeitsmaschinen“.

„Die Mähdrescherstadt“

Claas prägt die ostwestfälische Stadt Harsewinkel wie kein anderes Unternehmen. Das zeigt auch der offizielle Namenszusatz: „Die Mähdrescherstadt“.

Wenn der Landwirt merkt, dass ein Schädling auf dem Acker ist, kann er die Information gleich weitergeben und dagegen vorgehen. Dies alles wird automatisch für die Buchhaltung oder auch als Nachweis für die Einhaltung von Umweltstandards dokumentiert. So hat man einen durchgehenden Prozess – und zwar nicht nur für Claas-Maschinen, sondern herstellerunabhängig.

Die Plattform startet im April. Wie viele Kunden wollen Sie erreichen?

Freye: Der Erfolg wird stark von den Partnern abhängen, die über die Plattform den Kunden Applikationen anbieten. Zum Start sind Allianz, Bayer, KWS, Amazone, Claas und GSA dabei. Die Allianz liefert zum Beispiel Wetterdaten und Satellitenbilder zur Überwachung des Aufwuchses. Auf der Messe Agritechnica war das Interesse bei den Landtechnikherstellern und Dienstleistern jedenfalls groß.

Wie wollen Sie mit 365 Farmnet Geld verdienen?

Freye: 365 Farmnet ist für alle Partner die Schnittstelle zum Kunden. Der Kunde bucht über die Plattform die Applikationen, die meist kostenpflichtig sind. Der überwiegende Teil des Erlöses geht an die Partner, 365 Farmnet bekommt einen Anteil für den Betrieb und weiteren Ausbau der Plattform.

Kommentare (3)

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Fast_Richtig

16.12.2013, 09:31 Uhr

Seit dem 8. Juli 2013 trägt Harsewinkel den offiziellen Namenszusatz "Die Mähdrescherstadt" und nicht "Europas Mähdrescherstadt"

Account gelöscht!

16.12.2013, 10:01 Uhr

Ist jetzt ganz_richtig. Danke. Ihre Redaktion

Account gelöscht!

16.12.2013, 10:43 Uhr

Das falsche Bild ist weder neu, noch auf Landwirtschaft beschränkt!

Was versteht der Normalmichel schon von
Industriebetrieb,
Verwaltung,
Finanzwesen,
Polizei,
Kripo,
Außenhandel,
Diplomatie
und selbst Erziehung ist für viele inzwischen ein Fremdwort!
Der Michel versteht, was er gelernt hat und was das TV bringt. Sonst nix!


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