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28.07.2016

14:50 Uhr

Clariant

Chemiekonzern sucht nach Zukäufen

Wo der eine die Krise heraufziehen sieht, wittert der andere Chancen: Der Schweizer Chemiekonzerns Clariant will knapp 140 Millionen Euro für Zukäufe ausgeben – und schielt dabei auf die Ölindustrie.

Trotz schrumpfenden Ergebnis will Clariant Unternehmen einkaufen. Reuters

Clariant-Werk in Muttenz

Trotz schrumpfenden Ergebnis will Clariant Unternehmen einkaufen.

ZürichDer Schweizer Chemiekonzern Clariant hält Ausschau nach ergänzenden Zukäufen und will dafür bis zu 150 Millionen Franken (137 Millionen Euro) auf den Tisch legen. Die Krise in der Ölindustrie etwa könne dazu führen, dass interessante Übernahmeziele auf den Markt kommen. „Eine Krise ist immer eine gute Zeit, um sich selbst zu verstärken“, sagte Finanzchef Patrick Jany am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. „Unsere Definition von ergänzenden Akquisitionen lautet: Fünf, zehn, 15, 50 oder sogar 100 bis 150 Millionen Franken“, erklärte Konzernchef Hariolf Kottmann. Eilig habe er es mit einem Deal aber nicht, sagte der Deutsche.

Clariant selbst gilt ebenfalls als ein möglicher Übernahmekandidat. Vergangenes Jahr wurde unter anderem Evonik ein Interesse an den Schweizern nachgesagt, bevor der Mehrheitseigner des Chemiekonzerns aus Essen einen Schlussstrich unter die Spekulationen zog.

Im ersten Halbjahr schrumpfte der Gewinn von Clariant um zehn Prozent auf 128 Millionen Franken. Kosten etwa für die Verlagerung von Teilen der Produktion nach Indien schmälerten das Ergebnis. Der Umsatz war mit 1,5 Milliarden Franken stabil. Mit einem Kursabschlag von fast drei Prozent gehörte die Clariant-Aktie zu denn schwächsten Chemiewerten in Europa.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

PPG Industries (USA)
Mit 15,33 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet das US-Unternehmen mit Firmensitz in Pittsburgh (Pennsylvania) auf dem zehnten Platz der umsatzstärksten Chemieunternehmen weltweit.
Zu den Produktbereichen gehören Kunstglasprodukte, Kunstharze und Beschichtungswerkstoffe für Raumfahrt, Architektur und Industrie.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2017 / Gesamtjahr 2016, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 17,83 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den neunten Platz im Unternehmensranking.

Platz 8

Air Liquide (Frankreich)
Auf Platz acht des aktuellen Rankings landet das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. 19,08 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in 2016 machen dies möglich. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegasherstellern der Welt.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmitte, Schönheitspflege und die Klebstoffe und fuhr 2016 einen Jahresumsatz von 19,69 Milliarden US-Dollar ein. In naher Zukunft möchte der Siebtplatzierte sowohl die US-Firma Darex Packaging Technologies für mehr als 1,05 Milliarden US-Dollar übernehmen als auch den mexikanischen Anbieter von Friseurprodukten Nattura Laboratorios aufkaufen. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern will so vor allem das eigene Friseurgeschäft in Mexiko und den USA ausbauen.

Platz 6

DuPont (USA)
24,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und Platz sechs für den Konzern für Chemie, Materialien und Energie. Im Dezember 2015 gaben DuPont und der Konkurrent Dow Chemical bekannt, dass sie fusionieren wollen. Danach soll das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 29,18 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabischer Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 39,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reichte es für Metallkonzern nicht für den Sprung unter die Top-3-Chemiekonzerne. Neben Grundchemikalien wie Methanol und Ethanol stellt das Unternehmen aus dem Nahen Osten auch Düngemittel her.

Platz 3

Dow Chemical (USA)
Mit 48,16 Milliarden US-Dollar Umsatz fiel der zukünftige Fusionspartner von DuPont um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr. Die Hauptgeschäftsbereiche des US-Unternehmens aus Midland (Michigan) erstrecken sich auf die Kunststoffherstellung, Vorprodukte für die Wasseraufbereitung, Klebstoffe, Insektiziden, Saatgut und die Herstellung von Grundstoffen wie Chlor und Natronlauge.

Platz 2

Bayer (Deutschland)
Der zweitplatzierte deutsche Konzern (49,2 Milliarden US-Dollar Umsatz 2016) mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutische Industrie plant eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sollen Bayer und Monsanto bereit sein, Firmenteile für 2,5 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 60,54 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder, als an Größe an sich gelegt werden.

An seinen Zielsetzungen hält Clariant fest. Im laufenden Jahr sollen die Verkaufserlöse währungsbereinigt steigen und die Rentabilität verbessert werden. Mittelfristig peilt das Unternehmen eine um Sonderposten bereinigte operative Gewinnmarge (Ebitda) von 16 bis 19 Prozent an. Nach sechs Monaten waren es 15,5 Prozent und im vergangenen Jahr 14,7 Prozent.

Von

rtr

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