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22.05.2017

11:10 Uhr

Clariant und Huntsman

Ein neuer Konkurrent für deutsche Chemiekonzerne

VonSiegfried Hofmann

Der nächste Milliardendeal in der Chemieindustrie steht an: Die Schweizer Clariant und der US-Konzern Huntsman wollen fusionieren. Für Evonik und Covestro dürfte so ein gefährlicher Wettbewerber entstehen.

Der neue Konzern wird etwa 40 Prozent seiner Umsätze in Amerika erzielen, ein Drittel in Europa und gut ein Viertel in Asien. AP

Clariant-Werk in Muttenz bei Basel

Der neue Konzern wird etwa 40 Prozent seiner Umsätze in Amerika erzielen, ein Drittel in Europa und gut ein Viertel in Asien.

FrankfurtDie Konsolidierungswelle in der Chemiebranche setzt sich mit dem nächsten Milliardendeal fort. So wollen sich nun der US-Konzern Huntsman und die Schweizer Clariant zu einem neuen Spezialchemiekonzern mit rund 13 Milliarden Dollar Umsatz und 14 Milliarden Dollar Börsenbewertung zusammenschließen. Das neue Unternehmen, das Huntsman-Clariant heißen soll, wäre damit nach Evonik und etwa gleichauf mit Covestro der weltweit zweitgrößte Spezialchemiehersteller.

Hintergrund des Zusammenschlusses ist die generelle Konzentrationswelle in der Branche, die in den vergangenen beiden Jahren bereits zu zahlreichen Übernahmen und Fusionsvorhaben geführt hat. Darunter fallen zum Beispiel der geplante Zusammenschluss der amerikanischen Branchenführer Dow und Dupont sowie das Vorhaben von Bayer, den US-Saatgutkonzern Monsanto zu übernehmen. Auch der bislang abgewehrte Übernahmeversuch von PPG beim niederländischen Farbenhersteller Akzo beleuchtete zuletzt den Fusionstrend in der Branche.

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„Wir sind überzeugt, dass in nächsten fünf bis zehn Jahren vor allem solche Firmen den Trend treiben werden, die mindestens 13 bis 14 Milliarden Dollar Umsatz erzielen“, sagte Clariant-Chef Hariolf Kottmann. „Clariant würde zu lange brauchen, um diese Größenordnung zu erreichen.“

Kottmann soll Verwaltungsratsvorsitzender des neuen Unternehmens werden, die Position des CEO will Peter Huntsman, der Chef des amerikanischen Fusionspartners, übernehmen. Offizieller Firmensitz wird Pratteln nahe Basel sein, das operative Hauptquartier soll dagegen in The Woodlands im US-Bundesstaat Texas angesiedelt sein. „Die Kombination wird uns erlauben, stärker und profitabler zu wachsen“, zeigte sich Huntsman überzeugt.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

PPG Industries (USA)
Mit 15,33 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet das US-Unternehmen mit Firmensitz in Pittsburgh (Pennsylvania) auf dem zehnten Platz der umsatzstärksten Chemieunternehmen weltweit.
Zu den Produktbereichen gehören Kunstglasprodukte, Kunstharze und Beschichtungswerkstoffe für Raumfahrt, Architektur und Industrie.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2017 / Gesamtjahr 2016, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 17,83 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den neunten Platz im Unternehmensranking.

Platz 8

Air Liquide (Frankreich)
Auf Platz acht des aktuellen Rankings landet das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. 19,08 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in 2016 machen dies möglich. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegasherstellern der Welt.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmitte, Schönheitspflege und die Klebstoffe und fuhr 2016 einen Jahresumsatz von 19,69 Milliarden US-Dollar ein. In naher Zukunft möchte der Siebtplatzierte sowohl die US-Firma Darex Packaging Technologies für mehr als 1,05 Milliarden US-Dollar übernehmen als auch den mexikanischen Anbieter von Friseurprodukten Nattura Laboratorios aufkaufen. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern will so vor allem das eigene Friseurgeschäft in Mexiko und den USA ausbauen.

Platz 6

DuPont (USA)
24,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und Platz sechs für den Konzern für Chemie, Materialien und Energie. Im Dezember 2015 gaben DuPont und der Konkurrent Dow Chemical bekannt, dass sie fusionieren wollen. Danach soll das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 29,18 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabischer Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 39,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reichte es für Metallkonzern nicht für den Sprung unter die Top-3-Chemiekonzerne. Neben Grundchemikalien wie Methanol und Ethanol stellt das Unternehmen aus dem Nahen Osten auch Düngemittel her.

Platz 3

Dow Chemical (USA)
Mit 48,16 Milliarden US-Dollar Umsatz fiel der zukünftige Fusionspartner von DuPont um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr. Die Hauptgeschäftsbereiche des US-Unternehmens aus Midland (Michigan) erstrecken sich auf die Kunststoffherstellung, Vorprodukte für die Wasseraufbereitung, Klebstoffe, Insektiziden, Saatgut und die Herstellung von Grundstoffen wie Chlor und Natronlauge.

Platz 2

Bayer (Deutschland)
Der zweitplatzierte deutsche Konzern (49,2 Milliarden US-Dollar Umsatz 2016) mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutische Industrie plant eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sollen Bayer und Monsanto bereit sein, Firmenteile für 2,5 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 60,54 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder, als an Größe an sich gelegt werden.

Die neue Fusionswelle in der Chemie konzentrierte sich zunächst auf den Agrochemiesektor, hat inzwischen aber auch weitere Sektoren der Branche erfasst. Einerseits geht es dabei darum, bestehende Geschäftsfelder zu ergänzen. Evonik etwa verstärkte sich im Additivgeschäft mit dem Kauf der entsprechenden Sparte des US-Industriegase-Konzerns Air Products. Lanxess kaufte das US-Spezialchemieunternehmen Chemtura, BASF schluckte Ende des vergangenen Jahres den Oberflächen-Spezialisten Chemetall.

Zum anderen geht es aber auch darum, die strategischen Positionen gegenüber möglichen neuen Wettbewerbern, etwa aus Asien zu stärken. So versuchen etwa Chemieproduzenten aus Asien verstärkt in die Spezialchemie vorzudringen. In China wird über einen Zusammenschluss von Chemchina und Sinochem spekuliert. Chemchina ist zudem gerade dabei, die Schweizer Pflanzenschutzfirma Syngenta zu übernehmen.

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