Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.07.2017

06:40 Uhr

CO2-Belastung

Die umstrittene Klimabilanz des Elektroautos

VonLukas Bay

Der CO2-Ausstoß des Autoverkehrs ist zuletzt wieder gestiegen, weil der Diesel schwächelt: Nun soll das Elektroauto die Klimabilanz der Hersteller retten. Doch Experten zweifeln, ob das gelingt.

Auto-Revolution

Volvo verabschiedet sich von Benzin- und Dieselmotoren

Auto-Revolution: Volvo verabschiedet sich von Benzin- und Dieselmotoren

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DüsseldorfDie Parteien in Deutschland sind sich einig: „Die Zukunft des Automobils ist elektrisch“, schreibt die SPD in ihrem Regierungsprogramm für die Bundestagswahl. Die CDU macht sich für eine Batteriezellenproduktion in Deutschland stark. Und die Grünen wollen ab 2030 gleich jedem Verbrenner die Neuzulassung verweigern. Wichtigstes Argument: Nur mit dem Elektroauto sei der Umstieg in eine klimafreundliche Mobilität möglich.

Doch neue Studien nähren Zweifel, dass Elektroautos kurzfristig wirklich klimafreundlicher sind als Verbrenner. In einer Analyse von Arthur D. Little, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, formulieren die Unternehmensberater ernsthafte Vorbehalte gegen die Vorstellung, dass mit Elektroautos alleine unser Klima gerettet werden kann. Für ihre Untersuchung berechneten die Experten den durchschnittlichen CO2-Ausstoß von Verbrennern und batteriebetriebenen Elektroautos unter realen Bedingungen.

E-Mobilität: Elektroautos und der „Mut zur Lücke“

E-Mobilität

Elektroautos und der „Mut zur Lücke“

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel steht fest, dass Deutschland Batteriezellen produzieren muss. Doch die deutsche Automobilbranche hält sich bislang vornehm zurück. Warum Unternehmen die Milliardeninvestition scheuen.

Wie klimafreundlich das Elektroauto wirklich ist, hängt nach den Ergebnissen der Unternehmensberater entscheidend vom Strommix der jeweiligen Länder ab. Kurzfristig können auch Elektroautos den Klimawandel hierzulande nicht abbremsen. Schuld ist der hohe Anteil der Kohlekraftwerke am Strommix in Deutschland. Ein Model S von Tesla schneidet hierzulande in puncto CO2-Ausstoß kaum besser ab als ein 3er BMW mit Dieselmotor. Nach dem heutigen Energiemix stoße ein durchschnittliches Elektroauto unter realen Bedingungen 107 Gramm CO2 aus, zeigt die Studie.

Zu viel, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. In diesem Abkommen hat sich die Bundesregierung verpflichtet, den verkehrsbedingten CO2-Ausstoß bis 2030 um 30 Prozent zu senken. Da in den kommenden Jahren die Flotte weiter wachsen werde, müsse der Ausstoß pro Auto in Deutschland auf 103 Gramm CO2 fallen, rechnen die Berater vor. Im Schnitt dürfte ein Auto dann nicht mehr als 3,1 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen.

Die Berechnungen von Arthur D. Little offenbaren noch ein zweites Problem: Weil die reale Klimabilanz der Elektroautos nicht so gut ausfällt, können sie die CO-Bilanz der Verbrenner auch nicht ausreichend kompensieren. Das europäische Ziel von 95 Gramm können die Hersteller ohnehin nur unter den unrealistischen Bedingungen des gesetzlich vorgeschriebenen Prüfbedingungen erreichen. Unter realen Bedingungen sieht die Klimabilanz der vergangenen Jahre deutlich schlechter aus.

Kommentare (23)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Stefan Nold

06.07.2017, 08:20 Uhr

So wie das Elektroauto heute konzipiert ist, ist es ein Spielzeug für reiche Leute. Für den Massenmarkt ist es in der Weise ungeeignet und auch CO2-Bilanz-technisch schlecht. Ganz abgesehen davon, dass es gar nicht genug Lithium für eine vollständige Umrüstung gibt. Diese Bemühungen springen zu kurz. Wenn man die Energiewende will, dann richtig: Leichte Bauweise (kein stromfressendes Alu sondern Kunststoff, der Trabbi lässt grüßen), 50% eines radikal gesenkten Energieverbrauchs müssen über die Speisung durch eigene Solarzellen erbracht werden, Höchstgeschwindigkeit 90 km/h, Reichweite: 1000 km. Endverbrauchspreis: 15.000 €. Knackpunkt dieses Konzept: Eine preiswerte Langzeitspeicherung (6 Monate!!!) von elektrischer Energie. Das gibt es nicht, aber zum Mond fliegen mit der Rechenleistung eines Smartphones war auch nicht einfach. Vielleicht geht das nicht, aber ein Versuch ist es wert. In 10 Jahren kann man viel schaffen. Ganz abgesehen davon: Wenn diese Technik heute schon verfügbar wäre, dann wäre es für die deutschen Automobilzulieferer die absolute Katastrophe.

Rainer von Horn

06.07.2017, 08:22 Uhr

Beim Verbrennerauto verfeuern wir Benzin und Diesel und beim E-Auto verfeuern wir (in den stromerzeugenden Kraftwerken) einen Mix aus Kohle, Gas und Erdöl. Wo bitte ist CO2-techisch der Unterschied? Ich kann keinen erkennen. Die hochgelobten "Erneuerbaren" machen global nur ein paar % bei der Energiegewinnung aus, die reissen es nicht raus und ich persönlich möchte nicht in einem Land leben, wo alle drei Kilometer ein Riesenzwirbel aus dem Boden ragt.

Zudem müsste man ehrlcher Weise mal zu den Emissionen aus dem Betrieb auch die Emissionen aus der HERSTELLUNG der Fahrzeuge zuaddieren, um auf eine echte Gesamtbelastung der beiden Antriebsarten zu kommen. Und da die Herstellung der schweren BatTerien der E-Fahrzeuge sehr energieintensiv ist (siehe unten), scheint das hochgelobte und geförderte E-Auto mir eine klimatechnische Nullnummer zu sein. Wir bräuchten eine Menge CO2-freie Kraftwerke, um die Dinger zu laden. Was könnte wohl die Energiequelle dafür sein?? :)

Zitat:
"Neue Berechnungen zeigen nun, dass ein Fahrzeug mit fossilem Brennstoffantrieb über acht Jahre lang fahren kann, bis es die gleiche Umweltbelastung eines Teslas erreicht hat. "

https://www.shz.de/deutschland-welt/schwedische-untersuchung-akkus-in-elektroautos-belasten-das-klima-id17046871.html

Entlastung brächte das E-Mobil nur in hochbelasteten Städten. Doch da mangelt es an einer guten Lade-Infrastruktur...

Fazit: die Politik macht wieder mal "alles richtig"! :)

Herr Stefan Schleich

06.07.2017, 08:38 Uhr

Das Elektroauto wird kommen! Egal ob es den Öl-Multis oder den Zündkerzen/Luftfilter/Kurbelwellen etc. - Herstellern gefällt. Wer hier nicht in absehbarer Zeit ein richtig gutes Angebot liefern kann hat verloren. Nokia lässt grüßen.
Es ist im Hinblick auf den Umweltschutz ein Armutszeugnis wo die Entwicklung aktuell steht: Das EV1 von GM konnte Anfang der 90er Jahre bereits weit über 200km mit einer Akkuladung fahren und war bei den Kunden sehr beliebt (wenn man die Zitate anschaut sogar "geliebt") - dann wurde es mit Gewalt(teilweise unter Polizeieinsätzen!!!) wieder eingestampft. Aktuell wollen die Hersteller den Kunden verklickern, dass es immer noch das Reichweitenproblem gibt. Sorry, aber was ist die letzten 25Jahre passiert?
Ich habe den höchsten Respekt vor Menschen wie Elon Musk - egal wie es mit Tesla ausgeht, er wird in die Geschichte eingehen weil der den Wendepunkt erzwungen hat. Anfangs belächelt, dann bekämpft und verspottet und wehe der deutschen Autoindustrie wenn er erreicht was er vorhat. Wo bitte sind in Deutschland die "Giga-Factorys" für die Batterieproduktion? Die müssten schon fast fertig sein, damit wir in Zukunft noch halbwegs konkurrenzfähig sein können!
Und warum ist nicht verpflichtend geregelt dass auf jedes(!) neue Dach in Deutschland eine PV-Anlage installiert werden muss? Ausserdem habe ich gelesen dass wir jede Menge Überschuss-Strom ins Ausland abgeben müssen und teilweise dafür wohl auch noch ein Schweinegeld dafür zahlen?? OMG , mir wird echt langsam Angst um dieses Land

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×