Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.04.2015

14:34 Uhr

CO2-Regulierung

Kampf um jedes Gramm

VonLukas Bay

Autos müssen immer sparsamer werden, damit sie die gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Dafür sind die Hersteller auch bereit zu tricksen. Eine neue Messmethode soll das künftig verhindern. Das könnte teuer werden.

Die Abgaswerte eines Serienmodells sollen mit dem neuen WLTP-Zyklus realistischer werden. dpa

Fahrt ins Blaue

Die Abgaswerte eines Serienmodells sollen mit dem neuen WLTP-Zyklus realistischer werden.

Düsseldorf„Jedes Gramm CO2, das wir in Europa in der Flotte einsparen, kostet unseren Konzern fast 100 Millionen Euro“ - mit dieser griffigen Formel brachte VW-Chef Martin Winterkorn im vergangenen Jahr auf dem Autosalon in Paris auf den Punkt, was nicht nur seinen Konzern, sondern die ganze Branche derzeit umtreibt. Die Vorgaben der EU-Politik sind für die Autohersteller eine Herausforderung. Der Kampf um die Emissionen ist für die Konzerne ein Kampf um die Rendite.

Bis zum Jahr 2021 sollen die Konzerne den CO2-Ausstoß ihrer Flotte auf unter 95 Gramm pro 100 Kilometer senken. Ein Wert, von dem die Hersteller derzeit noch weit entfernt sind. Im Schnitt stoßen ihre Fahrzeugflotten in Deutschland nach Daten des Kraftfahrzeugbundesamtes (KBA) immer noch noch 132,8 Gramm aus. Selbst der sparsamste Autokonzern Toyota liegt mit seinem Flottenverbrauch mit 117,4 Gramm noch deutlich über dem Grenzwert.

Dabei konnte der durchschnittliche Verbrauch in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt werden. Dabei kam den Herstellern bisher auch die Messmethode entgegen, mit der die Verbrauchswerte ermittelt werden. Denn der „Neue Europäische Fahrzyklus“ ist längst nicht so neu wie sein Name vermuten lässt. Im Jahr 1996 hat er die vorher gültige DIN-Prüfung abgelöst, mit dem Ziel, den Spritverbrauch europaweit vergleichbar machen. Doch seine Messresultate haben sich mit den Jahren immer weiter von der Realität entfernt.

Er bietet den Herstellern fast die besten Bedingungen, um die Verbräuche kleinzurechnen. Denn wenn der Spritverbrauch von Neuwagen untersucht wird, bekommen die getesteten Wagen nie eine echte Landstraße zu sehen. Auch keinen Berufsverkehr. Es sitzt nicht mal ein Fahrer am Steuer. Stattdessen wird die Realität im Labor nachgestellt.

Genauer: auf einem Rollenprüfstand, der die Straßenbedingungen simuliert. 1.180 Sekunden dauert die Fahrt insgesamt - 780 Sekunden unter Stadtbedingungen, 400 Sekunden über Land. Dabei werden zunächst die Abgase gemessen und daraus der Spritverbrauch berechnet.

Mit spritsparenden Reifen und Autos, die Stunden vor dem Test auf 30 Grad aufgeheizt werden, lässt sich der Verbrauch künstlich senken. Bei diesen Temperaturen fließen Treibstoff und Öl besonders verbrauchsarm.

Ein weiteres Problem: Der Verbrauch eines Autos ist erheblich von der Umgebung abhängig. Wer auf einer verschneiten Landstraße in Schweden unterwegs ist, verbraucht durch seine Heizung mehr als wenn er über eine Küstenstraße in Süditalien fährt.

Antriebsarten und ihre Abgaswerte

Motoren im Vergleich

Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.

Benzinmotoren

Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.

Dieselmotoren

Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.

Erdgas- und Autogasantriebe (CNG und LPG)

Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.

Hybrid- und Elektroantriebe

Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.

Aktuelle Luftdaten
Übersicht: Deutsche Umweltzonen
Studie zu Umweltzonen
Kurzinfo zu Umweltzonen
Hintergrundpapier zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Stickstoffoxiden

Wer durch die Serpentinen der österreichischen Alpen kurvt, hat dort einen höheren Spritverbrauch als in holländischer Plattlandschaft. Doch Steigungen kennt der NEFZ nicht. Heizungen und Klimaanlagen auch nicht. Im Schnitt weichen die Messwerte darum um 25 Prozent vom tatsächlichen Verbrauch ab, hat der ADAC ermittelt. Zeit für einen neuen Zyklus.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

21.04.2015, 14:59 Uhr

Kein Mensch braucht noch MEHR an Abgasregulierungen und politischen Vorschrift-Gesetzen!
CO2 ist gut für die Natur und Pflanzenwelt. CO2 ist und bleibt der Wachstumsdünger für unsere Pflanzen und damit für unser Nahrungsmittel.

Herr Omarius M.

21.04.2015, 15:18 Uhr

zb in china brennen unterirdische kohle flösse in der größe kölns und umland....

ab un zu brechen vulkane aus und dann gibts in der tiefsee noch die "schwarzen raucher"

werden die auch alle mit eingerechnet ?...

(...)
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr peter Spirat

21.04.2015, 15:25 Uhr

90% der Weltzeit waren die Pole eisfrei
und es gab Zeiten, wo auf Grönland Palmen gewachsen sind.
Und es gab Zeiten, wo es deutlich mehr CO2 gab, als heute.

Jetzt aber sind die Pole mit Eis bedeckt. Das ist unnatürlich und die Ausnahme. Wir befinden uns also in einer Eiszeit, die aber evtl. abklingt.

Das alles sind natürliche Zyklen der Weltzeit und weder der Mensch, noch andere Einflüsse können daran etwas ändern. Aber wie man sieht, man kann mit natürlichen Zyklen seine guten Geschäfte machen. Und man kann den Menschen ein schlechtes Gewissen mit natürlichen Sachen machen.

Das ist übrigens eine Erfindung der Katholen (Erbsünde).

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×