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26.08.2011

11:41 Uhr

Compliance-Beauftragte

Unternehmen rüsten auf

VonDieter Fockenbrock, Jens Koenen

Unternehmen gehen verstärkt gegen vertrauensunwürdige Mitarbeiter vor. Doch mit den eigenen Compliance-Beauftragten wächst auch der Widerstand gegen die Macht der Hauspolizei.

Compliance bedeutet unter anderem die Bekämpfung von Korruption. dpa

Compliance bedeutet unter anderem die Bekämpfung von Korruption.

Das Risiko wächst mit jedem Tag. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die britische Regierung zum 1. Juli ihr Antikorruptionsgesetz massiv ausgeweitet. Die Folgen sind noch gar nicht absehbar. Klar ist nur: Den belgischen Niederlassungsleiter einer britischen Firma zum edlen Lunch in ein Pariser Restaurant einzuladen, kann für den Verkäufer einer deutschen Firma gefährlich sein. Denn englische Korruptionsermittler nehmen künftig keine Rücksicht, welche Nationalität vermeintliche Gesetzesbrecher haben oder in welchem Land die angebliche Tat stattgefunden hat. Entscheidend ist allein der britische Bezug.

Damit folgt London dem Muster des US-amerikanischen Rechtsverständnisses. Nicht die Rechtslage irgendwelcher Länder ist entscheidend – nur die eigene Sicht der Dinge. Und die muss ein deutscher Manager erst einmal kennen, um sich korrekt verhalten zu können. Das Wissen um die eigenen deutschen Gesetze, Verordnungen und Regeln reicht nicht mehr aus.

Deshalb blüht auch die Compliance-Industrie. Anwälte und Berater sind gefragt wie selten zuvor, weil die Rechtsabteilungen in den Unternehmen zunehmend überfordert sind und das globale Rechtsgeflecht kaum noch selbst entwirren können. Mittelständische Unternehmen müssen erst recht auf externe Hilfe zurückgreifen.

Compliance bedeutet Einhaltung von Recht und Gesetz. Das reicht von der Kartell- über die Korruptionsbekämpfung bis zu Datenschutz, vom Steuerrecht über die Bilanzierung bis zur Exportkontrolle. Viele Firmen haben spezielle Compliance-Beauftragte, manche sogar im Rang eines Vorstandsmitglieds. Das ist unter Experten umstritten. Schließlich gilt nach dem Aktiengesetz die Gesamtverantwortung des Vorstands. Er kann sie nicht wegdelegieren.

„Inzwischen rüsten die Unternehmen selbst auf“, sagt KPMG-Partner Frank Hülsberg. Laut Studie der Prüfungsgesellschaft sind die Compliance-Abteilungen zwischen 20 und 50 Mann stark. Siemens mit seinen 600 Leuten gilt als Ausnahme. Damit wächst auch der Widerstand gegen die Macht der Hauspolizei. Hülsberg: „Wir sehen eine wachsende Aversion der Unternehmen gegen noch mehr Kontrollen.“

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