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07.11.2011

09:09 Uhr

Conti-Chef Degenhart

„Wir brauchen keine kleinen Königreiche“

VonMark C. Schneider

ExklusivDer Autozulieferer Continental will durch Elektromobilität die klassischen Geschäftsbereiche erweitern und so zu Branchenführer Bosch aufschließen. Die weltweite Nummer zwei hat gerade damit begonnen, in Gifhorn den ersten Elektromotor zu produzieren. Trotz der wachsenden Konjunkturrisiken, setzt Contis Vorstandschef Elmar Degenhart auf Wachstum.

Elmar Degenhart, Vorstandsvorsitzender der Continental AG. dapd

Elmar Degenhart, Vorstandsvorsitzender der Continental AG.

HannoverHandelsblatt: Herr Degenhart, worin sehen Sie als Chef des zweitgrößten Autozulieferers der Welt derzeit technisch die größte Herausforderung?

Degenhart: Neben der Elektrifizierung des Antriebsstrangs müssen wir das Auto mit der Außenwelt vernetzen. Erstmals müssen wir vollkommen verschiedene Entwicklungszyklen synchronisieren. Das ist eine Aufgabe, die es in den 125 Jahren des Automobils bisher so nicht gegeben hat. Denn auch ein Elektroauto wird einen Lebenszyklus von fünf bis sieben Jahren aufweisen – aber in der vernetzten Welt, dem Internet, gibt es täglich Neues. Diese Funktionen möchte der Konsument natürlich möglichst sofort im Auto nutzen. Heute tut er das oft mittels Smartphone, was zur Ablenkung am Steuer führt. Unsere Aufgabe ist daher, so rasch wie möglich Systeme anzubieten, die die Nutzung dieser Funktionen bei gleichzeitig sicherem Fahren zulässt.

Wie gehen Sie dabei vor?

Indem wir fahrzeugspezifische Funktionen, besonders in den Bereichen Antrieb und Sicherheit separat clustern. Auf der anderen Seite arbeiten wir mit Partnern wie der Deutschen Telekom an Lösungen wie „AutolinQ", die sich auf Infotainment-Funktionen konzentrieren. Der erste Serieneinsatz mit einer solchen Lösung  ist diesen Sommer in China mit bemerkenswert guter Rückmeldung der Konsumenten gestartet. Nun wenden wir uns intensiv der Frage zu, welche Implikationen der Trend des Cloud Computing für das Fahrzeug haben kann, auch außerhalb des Infotainments. Und auch hier werden wir mit unserer Systemkompetenz unseren Kunden gute Lösungen anbieten können.

Muss sich Ihr Unternehmen angesichts der enormen Herausforderungen wandeln?

Entscheidend wird sein, in einem internationalen Netzwerk hocheffizient zusammenarbeiten zu können und unsere kollektive Intelligenz stärker zu nutzen. Continental muss die Stärken der zentralen und der dezentralen Kräfte optimal kombinieren. Wir werden keinen Erfolg haben, wenn wir die enormen kulturellen Unterschiede in den Märkten ignorieren. Ein Autozulieferer wie wir muss lokal entwickeln, produzieren und – soweit ökonomisch sinnvoll – einkaufen. Die Funktionen mit weltweiter Verantwortung wissen vieles, aber bei weitem nicht alles, gleichzeitig brauchen wir aber auch keine kleinen Königreiche in den Märkten. Einer muss im Zweifel entscheiden. Ein Unternehmen funktioniert nicht basisdemokratisch. Unsere Manager müssen deshalb überall zuhören, unabhängig von der Hierarchie. Das müssen wir noch intensivieren.

Wie geht das konkret?

Die ideale Organisationsstruktur gibt es nicht. Grundsätzlich funktioniert unsere Aufteilung in Divisionen und Geschäftseinheiten. Aber wir müssen flexibler und agiler werden, schneller auf Veränderungen des Marktes reagieren. Damit meine ich auch eine stärkere Orientierung an Dienstleistung und Service. Continental hat die Chance, durch Elektromobilität die klassischen Geschäftsbereiche zu erweitern. Wenn sich dort Gelegenheiten bieten, werden wir sie ergreifen.

Wie entwickelt sich die Beschäftigung bei Continental?

2009 hatten wir einen Umsatz von 20 Milliarden Euro und wenig mehr als 130000 Mitarbeiter. Aktuell haben wir 164000 Beschäftigte und erwarten 2011 einen Umsatz von mindestens 29,5 Milliarden Euro. Da wir weiter wachsen wollen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis unsere Mitarbeiterzahl an 200000 heranreicht. Stimmt das wirtschaftliche Umfeld, könnte das spätestens 2020 der Fall sein.

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