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11.01.2010

16:01 Uhr

Continental

Aktionäre müssen absehbar auf Dividende verzichten

VonMark C. Schneider

Die Aktionäre des hochverschuldeten Autozulieferers Continental erwartet trotz eines harten Sparkurses und erster Restrukturierungserfolge eine längere Durststrecke bei der Dividende. Das geht aus dem heute veröffentlichten Wertpapierprospekt zur Kapitalerhöhung hervor.

Conti-Aktionäre werden wohl keine Dividende bekommen. Quelle: ap

Conti-Aktionäre werden wohl keine Dividende bekommen.

HAMBURG. Darin heißt es, es sei wahrscheinlich, "dass die Gesellschaft für das Geschäftsjahr 2010 keine Dividende zahlen wird". Der Konsortialkreditvertrag mit Contis Gläubigern beschränke die Ausschüttung. Der mit rund 9,5 Mrd. Euro an Krediten belastete Autozulieferer sei "möglicherweise nicht in der Lage, bis August 2012 Dividenden zu zahlen", heißt es in dem heute von der Finanzaufsichtsbehörde Bafin genehmigten Dokument.

Eine Dividende für das vergangene, voraussichtlich negativ abgeschlossene Geschäftsjahr gilt ohnehin als ausgeschlossen. Nach den ersten neun Monaten des Jahres 2009 kam Conti vor Zinsen und Ertragssteuern auf einen Verlust von rund einer Mrd. Euro. Der weitere Verzicht auf eine Ausschüttung träfe die aktuell gut elf Prozent freier Aktionäre ebenso wie die Kreditgeber von Contis gleichfalls hochverschuldeten Haupteigner Schaeffler. Das Familienunternehmen aus Herzogenaurach hält bislang insgesamt rund 90 Prozent der Conti-Aktien.

Nach Ausgabe der von Continentals Aufsichtrat vergangenen Mittwoch beschlossenen 31 Mio. neuen Aktien Ende des Monats dürfte Schaefflers Anteil auf 75,1 Prozent sinken. Der Großaktionär hat auf den Erwerb neuer Aktien verzichtet. Den Franken fehlt dazu das Geld. Der bayerische Wälzlagerhersteller schuldet einem Konsortium unter Führung der Commerzbank rund zwölf Mrd. Euro.

Contis Prospekt weist auf erhebliche Risiken für den Geschäftsverlauf hin. So könnte es zu weiteren Abschreibungen auf den Kaufpreis des im Jahr 2007 für mehr als zehn Mrd. Euro erworbenen Konkurrenten VDO kommen. Nach neun Monaten 2009 wies Contis Bilanz noch immer knapp sechs Mrd. Euro an Goodwill auf. Vor allem die wesentlich von VDO übernommene Sparte Powertrain leidet unter operativen Verlusten. Der Prospekt spricht von einer Reihe von "unprofitablen Langzeit-Lieferverträgen" sowie von "Problemen bei Technik und Qualität". Powertrain produziert im Auftrag von Autoherstellern Komponenten und Teile für Motoren und Getriebe.

Wie vom Handelsblatt vorab berichtet, zeigt der Wertpapierprospekt zudem, dass Conti und Schaeffler "absehbar" auf eine engere Verflechtung der beiden Unternehmen verzichten. Das bekräftigte heute am Rande der US-Automesse in Detroit auch Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger. Im Sommer 2009 hatte er noch Pläne für eine Verschmelzung der Zuliefersparten unter einer neuen Holding in Contis Kontrollgremium vorgestellt. Nun stehen erst einmal die jeweiligen operativen Aufgaben und die Umwandlung des Familienunternehmens Schaeffler in eine Kapitalgesellschaft im Vordergrund, bevor es zu einer Fusion kommen könnte.

Geißinger kommt dagegen bei der Sanierung von Schaeffler spürbar voran. Der Autozulieferer hat im vergangenen Jahr wie geplant einen Umsatz von 7,5 Mrd. Euro erzielt. Im Jahr 2008 waren es 8,9 Mrd. Euro. Die operative Gewinnmarge lag bei fünf Prozent. Dem Firmenchef zufolge strebt Schaeffler für das laufende Jahr „mindestens“ diese Größenordnungen bei Umsatz und Marge an.

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