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11.06.2017

11:26 Uhr

Continental fördert Europa

Zulieferer goes Interrail

VonStefan Menzel

Der Brexit hat Europa aufgerüttelt, ein Auseinanderbrechen der EU ist nicht vom Tisch. Deshalb startet ausgerechnet der Continental-Konzern ein europäisches Austauschprojekt – und hofft auf Nachahmer aus der Wirtschaft.

Wie lässt sich der Austausch innerhalb Europas fördern? Continental hat eine ganz eigene Idee dazu. dpa

Junge Menschen unterwegs in Europa

Wie lässt sich der Austausch innerhalb Europas fördern? Continental hat eine ganz eigene Idee dazu.

DüsseldorfSeltene europapolitische Aktion eines Dax-Konzerns: Continental will den Austausch unter jungen Menschen innerhalb der EU fördern und startet seine eigene Europa-Initiative. Teilnehmer des Programms besuchen innerhalb von vier Wochen zwei Länder und absolvieren dort ein je zweiwöchiges Praktikum in einem Conti-Werk. Der Zulieferkonzern aus Hannover sieht in der Aktion vor allem ein europapolitisches Engagement. Weil in den zurückliegenden Monaten immer wieder über ein Scheitern der EU spekuliert worden war, will Continental einen Gegenpol setzen: Europa wächst zusammen, das Unternehmen fördert den Austausch unter den Menschen.

Eine ähnliche Idee hat es im vergangenen Jahr schon einmal im Europa-Parlament gegeben. Die EU sollte jedem 18-Jährigen aus den Mitgliedsstaaten ein kostenloses Interrail-Ticket für die Eisenbahn schenken. Mit diesem Ticket wären Zugfahrten innerhalb eines Monats in Europa gratis gewesen. Doch wegen der Milliardenkosten kommt dieses Projekt nur schleppend voran. Continental variiert diese Austausch-Idee: Stadt der Zugfahrt erleben junge Leute Europa an unterschiedlichen Konzernstandorten während eines Praktikums.

„Wir wollen jungen Menschen den Zugang zum europäischen Ausland erleichtern – und somit den europäischen Gemeinschaftsgedanken stärken“, sagt Continental-Personalvorstand Ariane Reinhart. Der Konzern wolle jungen Leuten die Möglichkeit geben, durch Kurzpraktika an verschiedenen Continental-Standorten in ganz Europa wertvolle Praxiserfahrungen zu sammeln. „Gleichzeitig können sie die Vorteile der europäischen Integration aus erster Hand erleben“, ergänzt Reinhart.

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Continental ist zwei in eins: ein klassischer Reifenhersteller und ein High-Tech-Zulieferer. Investoren raten immer wieder zu einer Aufspaltung. Doch es gibt gute Gründe dagegen, und die zeigen sich auch in der Bilanz.

Für ein internationales Technologieunternehmen wie Continental sei es unverzichtbar geworden, dass es den ständigen Austausch über Ländergrenzen hinweg gebe. Interkulturelles Verständnis sei zu einem bedeutenden Erfolgsfaktor geworden. Deswegen wolle Continental den Nachwuchs für Europa begeistern und einen engen Austausch untereinander fördern. Der Konzern aus Hannover hofft, mit seinem Austauschprogramm eine Welle lostreten zu können, die die gesamte Wirtschaft erfasst. „Wir starten unser Projekt als Piloten einer deutschlandweiten Initiative, der sich weitere Unternehmen wie beispielsweise Oliver Wyman anschließen wollen“, sagte Reinhart. Dazu gebe es bereits die ersten Gespräche. Noch mehr Jugendliche könnte dadurch Europa unmittelbar erleben. Continental stellt zunächst 50 Plätze für die Aktion zur Verfügung.

Continental arbeitet für diese Aktion eng mit der Arbeitsverwaltung zusammen. Die Bundesagentur für Arbeit schickt Profile von potenziellen Kandidaten an Continental und ist auch für die Vorauswahl verantwortlich. Die Reisekosten übernimmt die Bundesagentur für Arbeit. Als Gastfamilien stehen Mitarbeiter von Continental bereit. Die Praktikanten sollen viele neue Kontakte knüpfen und bekommen auch kulturelle Einblicke in das jeweilige Land.

Anfang des Monats sind die ersten Teilnehmer zu Auslandspraktika an Continental-Standorten in Belgien, Frankreich, Italien, Portugal, Rumänien, Ungarn und Großbritannien gestartet. Völlig uneigennützig hat der Konzern die Aktion nicht ins Leben gerufen: Möglicherweise ist die Teilnahme für den ein oder anderen der Startschuss für eine Beschäftigung bei Continental.

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