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30.04.2015

10:30 Uhr

Continental-Hauptversammlung

Reitzle und sein Piëch-Problem

VonChristian Schnell

Seit Tagen halten sich Gerüchte, dass Wolfgang Reitzle den Posten des obersten Aufsehers bei Volkswagen einnehmen soll. Doch der leitet auch den Aufsichtsrat von Continental – und der Zulieferer will ihn nicht hergeben.

Der Manager ist als Chefaufseher heiß begehrt. dpa

Wolfgang Reitzle

Der Manager ist als Chefaufseher heiß begehrt.

HannoverDie Antwort war kurz und doch zweideutig. Was er auf die Gerüchte um seine Zukunft als möglicher Nachfolger von Ferdinand Piëch an der Spitze des Aufsichtsrates von Volkswagen sage, wurde Wolfgang Reitzle am Donnerstag gefragt: „Nichts“ war die kurze Antwort, ehe er als Aufsichtsratsvorsitzender von Continental die Hauptversammlung des Autozulieferers in Hannover eröffnete.

Klar war auch im Vorfeld schon, dass er sich zu möglichen Fragen von Aktionären zu diesem Thema nicht äußern werde. „Er wird dann antworten, dass das heute hier eine Veranstaltung von Continental ist und nicht von VW“, hieß es aus dem Umfeld.

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Die Erholung des westeuropäischen Automarktes belebt die Bilanz von Continental. Der Autozulieferer sieht seine Zukunft als Software-Pionier. Ein Ziel dabei: keine Toten mehr im Straßenverkehr.

Seit Tagen halten sich die Gerüchte, der ehemalige Top-Manager von BMW und Ford werde schon bald den Posten des obersten Aufsehers bei Volkswagen einnehmen. Er wäre das geeignete Korrektiv, hieß es, um das Vakuum nach Piëchs Abgang auch in fachlicher Hinsicht zu füllen. Ferdinand Piëch und seine Frau waren vergangenen Samstag nach der von ihm angestoßenen Personaldiskussion um Vorstandschef Martin Winterkorn zurückgetreten.

Auch Continental-Vorstandschef Elmar Degenhart äußerte sich zur Personalie Reitzle eindeutig: „Wir geben ihn nicht her. Das können Sie ruhig so zitieren“, ließ er keinen Spielraum für Kompromisse. Eine etwaige Doppelfunktion von Reitzle bei Continental und dessen größten Kunden ist undenkbar.

Drei beispiellose Wochen VW-Machtkampf

10. April

Piëch rückt überraschend von Vorstandschef Martin Winterkorn ab. Er sagt dem „Spiegel“: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“ Betriebsratschef Bernd Osterloh und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) - beide im Volkswagen-Aufsichtsrat - stärken Winterkorn daraufhin den Rücken.

12. April

VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche geht auf Abstand zu seinem Cousin Piëch: „Die Aussage von Herrn Dr. Piëch stellt seine Privatmeinung dar, welche mit der Familie (...) nicht abgestimmt ist.“ Die Familien Porsche und Piëch halten die Stimmmehrheit an VW.

16. April

Der engste Kreis des Aufsichtsrats, das sechsköpfige Präsidium, kommt zu einem Sondertreffen in Salzburg zusammen. Mit von der Partie ist auch Vorstandschef Winterkorn.

17. April

Das Aufsichtsrats-Präsidium erklärt, Winterkorn sei der „bestmögliche“ Vorstandschef. Sein bis Ende 2016 laufender Vertrag solle verlängert werden. Nach dpa-Informationen hatte Piëch beim Sondertreffen alle übrigen fünf Mitglieder des Präsidiums gegen sich.

19. April

Winterkorn sagt wegen eines grippalen Infekts einen Auftritt auf der Automesse in Shanghai ab. In Medien wird darüber spekuliert, dass nun Piëch um seinen Posten bangen muss. Dies wird im Konzern zurückgewiesen. Der niedersächsische Regierungschef Weil erklärt, er setze weiter sowohl auf Piëch als auch auf Winterkorn.

22. April

Altkanzler Gerhard Schröder springt Piëch zur Seite. Schröder, der zu seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident selbst im VW-Aufsichtsrat saß, sagt der „Bild“-Zeitung, Piëch habe für den Konzern und dessen Beschäftigte „unermesslich viel getan“.

23. April

Nach übereinstimmenden Informationen des NDR, der „Welt“ und der dpa hat Piëch versucht, Winterkorn vor der Hauptversammlung am 5. Mai absetzen zu lassen. Piëch dementiert dies und erklärt: „Wir haben uns letzte Woche ausgesprochen. Und uns auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Ich betreibe die Ablösung von Martin Winterkorn nicht.“

25. April

Piëch hat den Machtkampf an der VW-Spitze verloren. In einer Pflichtmitteilung für die Börse teilt das Unternehmen überraschend mit, dass der 78-jährige Konzernpatriarch und seine Frau Ursula mit sofortiger Wirkung ihre Kontrollmandate aufgeben.

30. April (I)

Auf Antrag des Konzernvorstandes beruft das Amtsgericht in Braunschweig Piëchs Nichten Louise Kiesling (57) und Julia Kuhn-Piëch (34) als neue Aufsichtsratsmitglieder. Grundlage dafür ist Paragraf 104 im Aktiengesetz. Die beiden Frauen können nun die Amtszeit des Ehepaars Piëch aufbrauchen, sie läuft noch bis Frühling 2017.

30. April (II)

Nach Informationen des „Spiegel“, der „Bild“ und der dpa wünscht sich Piëch anstelle seiner Nichten den früheren BMW- und Linde-Manager Wolfgang Reitzle, der aktuell den Aufsichtsrat beim Autozulieferer Continental leitet. Die Reitzle-Idee hegte Piëch schon lange vor diesen turbulenten Tagen. Und er wolle die langjährige Siemens-Vorstandsfrau Brigitte Ederer als Kontrolleurin an Bord.

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