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11.06.2015

13:20 Uhr

Continental Tech Show

Ein Leben ohne Außenspiegel

VonChristian Schnell

Beschleunigungsorgien mit Kombis, Luxuslimousinen ohne Außenspiegel und Achtzylinder-Sound für einen Opel Astra: Continental zeigt Entwicklungen, die in gar nicht allzu ferner Zukunft auf Autofahrer zukommen könnten.

Per Mausklick werden auf fünf Straßenbelägen neue Passat-Reifen getestet. Continental

Reifentestanlage AIBA

Per Mausklick werden auf fünf Straßenbelägen neue Passat-Reifen getestet.

HannoverSo schnell könnte der serienmäßige Passat Kombi im wirklichen Leben nie beschleunigen. Ein elektromagnetisches Feld lässt ihn in vier Sekunden 115 Stundenkilometer erreichen. Eine Lichtschranke löst darauf eine Vollbremsung aus. Der Wagen knickt nach vorne, es quietscht ein bisschen, nach gut 40 Metern steht er. Willkommen im AIBA, dem absoluten Härtetest für neue Reifenmodelle, auf dem Testgelände Contidrom in Jütersen nördlich von Hannover.

Nur alle zwei Jahre lädt Continental Journalisten aus aller Welt auf sein abgeschiedenes Testgelände mitten zwischen Wäldern und Wiesen ein, um die neuesten Entwicklungen aus dem Bereich des Automobils vorzustellen. Und diejenigen, die schon viele Testgelände besucht haben, sprechen ohne Umschweife vom besten auf der ganzen Welt.

Deswegen werden sie zuallererst auch zum AIBA, dem Automated Indoor Breaking Analyzer gebracht, wo die Tester per Mausklick auf fünf Straßenbelägen die neuen Passat-Reifen testen, und eine Eishalle sogar eine Bahn für den Test von Winterreifen runterkühlt. Und weil hier natürlich nicht nur Reifen für Mittelklasse-Kombis getestet werden, wird hier gelegentlich auch ein 3,5 Tonnen schwerer Kleintransporter, wie sie die Paketdienste fahren, in vier Sekunden auf 115 Stundenkilometer beschleunigt und dann abrupt aber doch geordnet abgebremst.

Wie sehr die Entwicklung gerade beim Thema Reifen in den vergangenen Jahren vorangegangen ist, zeigt sich anschließend auf regennasser Fahrbahn. Auf einen neuen 1er BMW wurden neue Reifen aufgezogen, die jedoch den Entwicklungsstand aus der Zeit um die Jahrtausendwende haben. Danach geht es mit einem betagten 318i aus den Neunziger Jahren mit der neuesten Reifengeneration über den Rennkurs.

Der Oldie liegt wie ein Brett auf der Fahrbahn. Continental

Altes Auto, neue Reifen

Der Oldie liegt wie ein Brett auf der Fahrbahn.

Das Ergebnis ist derart eindeutig wie die Rundenzeiten. Der neue 1er mit den alten Reifen bricht ständig aus und fährt sich wie auf Schmierseife. Der Oldie mit den neuen Reifen dagegen liegt wie ein Brett auch auf teils zentimeterhoch überfluteter Fahrbahn.

Die größten Reifenhersteller der Welt

Platz 12

Toyo Tire & Rubber (Japan) - 3 Milliarden Dollar

Rangliste nach Umsatz im Finanzjahr 2014, Quelle: Statista/Modern Tire Dealer

Platz 11

Kumho Tire (Südkorea) - 3,3 Milliarden Dollar

Platz 10

Cooper Tire & Rubber (USA) - 3,5 Milliarden Dollar

Platz 9

Cheng Shin Rubber (Taiwan) - 4,3 Milliarden Dollar

Platz 8

Yokohama Rubber (Japan) - 4,8 Milliarden Dollar

Platz 7

Hankook Tire (Südkorea) - 6,4 Milliarden Dollar

Platz 6

Sumutimo Rubber (Japan) - 6,9 Milliarden Dollar

Platz 5

Pirelli (Italien) - 8 Milliarden Dollar

Platz 4

Continental (Deutschland) - 12,9 Milliarden Dollar

Platz 3

Goodyear Tire (USA) - 17,8 Milliarden Dollar

Platz 2

Michelin (Frankreich) - 24,4 Milliarden Dollar

Platz 1

Bridgestone (Japan) - 29,3 Milliarden Dollar

Noch immer sind es die Reifen, mit denen Continental sein Bild in der Öffentlichkeit prägt. Schließlich gehören sie seit der Gründung im Jahr 1871 zur Kernkompetenz des Unternehmens. Noch heute sind die Margen, die damit jährlich zum Gesamtgewinn beigesteuert werden, überdurchschnittlich hoch. Trotzdem macht der Bereich nur noch rund ein Drittel des Gesamtumsatzes aus.

Conti will als einer der größten Autozulieferer auf dem Planeten heute bei allen wichtigen Innovationen dabei sein. Bei den 20 wichtigsten, egal ob aus den Bereichen Vernetzung oder Alternative Antriebe, ist man überall vertreten. „Die Software ist das neue Rad der Industrie“, schwärmt Vorstandschef Elmar Degenhart regelmäßig. Dahinter steht auch die „Vision Zero“ und somit die Absicht, dass es irgendwann keine tödlichen Unfälle im Straßenverkehr mehr geben soll.

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